Spenden, so belehrt uns der Duden, hat etwas mit Speisen zu tun. Meyers Großes Taschenlexikon verweist unter dem gleichen Stichwort sogar auf die Waage.
Im Gegensatz zu manchen feschen Schreibern, die Manfred Kanther erst dann öffentlich einen Herrenrassisten nennen mochten, als er schon längst abgemeldet war, muss man den Duden und Meyers in Schutz nehmen: Ihre Verweise sind vor der Ära Kohl erschienen und kommen ohne jenes plumpe Nachtreten aus, das die tägliche Lektüre der deutschen Presse und Demonstrationen mit Beteiligung der »Linksruck»-Sozialdemokraten zur Zeit so unerträglich macht.
Noch widerlicher ist nur noch die Initiative »Kohl vor Gericht«, die am vergangenen Samstag zum Haus des ehemaligen Bundeskanzlers mobilisierte und ein Gerichtsverfahren gegen Helmut Kohl forderte. »Als Kinder der Generation Kohl sind wir es gar nicht mehr gewohnt, auf die Straße zu gehen«, begründete dort Meret Becker ihre Teilnahme. Auch wolle sie sich von Künstlerkollegen abgrenzen, die privat an Kohl gespendet haben.
Die Revanche dieses schauspielerischen Abhubs des ewig duckmäuserischen Kleinbürgertums gilt Heiner Lauterbach, Uschi Glas, Michael Holm, Dieter Thomas Heck und vielen anderen. All jenen, die vergangene Woche dazu beigetragen haben, dass die Hypothekenzinsen der Oggersheimer Stadtsparkasse nicht noch schneller steigen. Sie sind es auch, die wieder einmal bewiesen haben, dass es so etwas wie Solidarität unter Verlierern nicht gibt. Niemand von den Losern hat gespendet.
Wie schön wäre es gewesen, all die Schüssels, Streibls und Ströbeles dieser Welt - Oskar Lafontaine, Wolfgang Schäuble und Caio Koch-Weser waren ohnehin zu sehen - auf dem letzten Titelbild dieser Zeitung abzubilden. Titel: Wir wurden abgetrieben. Unterzeile: Prominente Verlierer geben zu: Wir wollen Helmut helfen.
Die Spirale auf den Thema-Seiten wäre mit Namen und Summen gefüllt gewesen: Claudia Nolte (3 000 Ost-Mark); Ibrahim Rugova (»der Rest unserer Spendensammlung«); Rudolf Seiters (20 000 Mark); die Jungs von Knorkator (»alles, was wir einspielen«); Lothar Matthäus (500 000 Dollar); Ulrike Schulz (»die Hälfte meines künftigen Arbeitslosengelds); Dieter Baumann (»Zahnpasta im Wert von vier Paar Laufschuhen«); Thomas (»zehn Prozent von den 250 000 Mark, die ich fast gewonnen hätte«); Gunda Röstel (»mein Amt, aber nicht mein Mandat«); Regine Hildebrandt (5 000 Mark); Walter Momper (»mein Bauunternehmen übernimmt die Raten für die Hypothek«) und Nawaz Sharif (»eine Feile und ganz Indien«).
»Ich habe meinen Fehler öffentlich eingestanden und bedauert. Ich habe dafür die politische Verantwortung übernommen.« - So offen wie das Bekenntnis von Helmut Kohl, so geschlossen sind die Börsen der Verlierer. Es blieb bei 6,3 Millionen Mark.
maik söhler
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