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15. März 2000
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Eichmanns »Götzen«

»Es ist eben doch nicht so leicht, als Gefangener ein Manuskript von sich zu geben, welches dann erst noch einer Zensur unterzogen wird; da fühlt man sich beim Schreiben nicht frei genug. (...) Am liebsten wäre mir, ich könnte es ausführlicher u. freundlicher neufassen.« - So beginnt ein seit Anfang letzter Woche vom Israelischen Staatsarchiv freigegebenes Manuskript. Verfasst worden sind die autobiografischen Aufzeichnungen mit dem Titel »Götzen« im Sommer 1961 von Adolf Eichmann, dem einstigen Leiter des Referats IVB4 »Auswanderung und Räumung« im Reichssicherheitshauptamt. Die Druckfassung umfasst 676 Seiten, im Internet ist eine Fassung unter hagalil.com/shoah/eichmann/goetzen.htm als Download abrufbar.

Der »unfreie« Schreiber, der für die Ermordung von Millionen europäischer Juden mitverantwortlich ist, betont in seiner Schrift immer wieder die Zwänge, denen er ausgesetzt gewesen sei. Seine Rechtfertigungsversuche schwanken zwischen offensichtlichen Lügen - alles sei von »Göttern und Untergöttern« befohlen worden - und Verharmlosungen - ohne ihn wäre alles noch schlimmer geworden. Der Bericht ist in drei Teile gegliedert, der letzte stellt eine Art inneren Monolog »nach dem Sturz des eben noch Gültigen« dar. Pathetisch-kitschig wird es immer, wenn Eichmann nicht von seiner Mitwirkung an der Vernichtung der europäischen Judenheit spricht: »Als ein Menschenkind trat ich am 19. März 1906 in das Leben.« Etwas mehr als 56 Jahre später vollstreckte die israelische Justiz das Todesurteil.



Aus für »Newsmaker«

Die Pressestelle formulierte gnädig: Das Magazin »Newsmaker« sei »trotz« des Engagements von Ex-Tagesschausprecherin Susan Stahnke nicht aus dem Quotentief herausgekommen. Wegen des großen Nicht-Erfolgs wird das im April vergangenen Jahres mit einigem Tamtam bei Sat.1 gestartete Politmagazin noch in diesem Monat eingestellt. Eigentlich wollte Springer zeigen, was investigativer TV-Journalismus ist, dann war »Newsmaker« aber doch nur die verfilmte Bild-Zeitung. Damit sind gleich zwei Träume auf einen Schlag geplatzt: der von Springer, den Einstieg in den TV-Markt zu schaffen, und der von Stahnke, endlich zu beweisen, dass ihre Rolle als Tagesschausprecherin nur den Anfang einer steilen Karriere bedeutete, und nicht schon deren Ende.



Trendforscher ðFocusÐ

Der Focus ist auf der Höhe der Zeit. Jetzt hat er »eine neue, seltsame Geschlechtertheorie« entdeckt, die »an den deutschen Unis grassiert»: die Gender Studies, diese »Novität radikalfeministischen Ursprungs«. In der Rubrik »Modernes Leben« kann man nachlesen, worauf die Gender-Studies-TheoretikerInnen eigentlich hinauswollen. Doch nachdem der Autor des Beitrags differenziert das Für und Wider dieser theoretischen Strömung abgewogen hat, fällt sein Urteil vernichtend aus. Eigentlich handle es sich gar nicht um ein Studienfach, sondern um einen »ungenießbaren Eintopf aus männerfeindlicher Verblendung, soziologischem Hochmut und linksradikalen Theorieresten«. Kein Wunder, dass da der »Lesbenanteil unter den Gender-Koryphäen offenbar überdurchschnittlich hoch ist«, was aber, wie der Autor hinzufügt, »natürlich kein Argument gegen die Wissenschaftlichkeit« der Gender Studies sei.



Deutschlandradio linksextrem

Im Rundfunk-Staatsvertrag heißt es, dass Sendungen die »Zusammengehörigkeit im vereinten Deutschland fördern sowie der gesamtgesellschaftlichen Integration in Frieden und Freiheit (...) dienen« sollen. Michael Leh, Vertreter des Bundes der Vertriebenen (BdV) und Mitglied im Hörfunkrat und Programmausschuss des Deutschlandradios, sah diese Bestimmungen durch einen Radiokommentar der Bundestagsabgeordneten Angela Marquardt (PDS) zum Thema Ausländerfeindlichkeit verletzt. Der im Dezember 1999 gesendete Beitrag der »verfassungsfeindlichen Extremistin« sei zudem inhaltlich unqualifiziert. »Während in Deutschland derzeit sensibel darüber diskutiert wird, ob man den 'Rechtspopulisten' Jörg Haider mit der Einladung zu (Fernseh-)Streitgesprächen salonfähig macht, dürfen Linksextremisten im Deutschlandradio sogar schon eigene Kommentare liefern«, versuchte Leh sich an einer Art von Argumentation. Die war auch dem Deutschlandradio zu blöde. Die Beschwerde des Vertriebenenfunktionärs wurde jetzt abgeschmettert.



Rauchen ist gesund!

Klasse, was die Wissenschaft jetzt über die Wirkung von Zigaretten herausgefunden hat: Nikotin hilft gegen Alzheimer, dient als wirksames Therapeutikum bei Tourette- und Parkinson-Patienten und lindert die Symptome bei Schizophrenie. Das Hauptalkaloid aus der Tabakpflanze, wie die Wissenschaftler das Nikotin nennen, wirkt in geringen Dosierungen anregend auf das vegetative Nervensystem. Zu diesem Ergebnis kamen die US-amerikanischen Forscher in ihrem Großversuch, und Raucher werden den Befund bestätigen können. Allerdings haben Paul Sanberg von der Universität South Florida und seine Kollegen nicht die Rauch-dich-gesund-Therapie im Sinn, sondern raten zum Nikotinpflaster.


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