Kaum hatte der russische Interimspräsident Wladimir Putin in einem Interview mit BBC ein baldiges Ende der militärischen Operationen in Tschetschenien verkündet, flogen schon wieder die Fetzen. In der Nacht zum Freitag eröffneten die islamistischen Partisanen auf eine Autokolonne einer Spezial-Einheit des Innenministeriums in der Nähe von Grosny das Feuer. Mindestens 16 Kampf-Cops kamen dabei ums Leben. Am Wochenende beschossen die Rebellen sieben Polizeiposten im russisch kontrollierten Teil Tschetscheniens - Nadelstiche im Rahmen des angekündigten Guerillakrieges.
Indes hat der Radio-Liberty-Journalist Andrej Babitsky nach dem Ende seiner Odyssee in Tschetschenien und Dagestan auf einer Pressekonferenz die Vermutung ausgesprochen, er sei in Tschetschenien vom russischen Geheimdienst FSB festgehalten worden. Ein FSB-Sprecher wies den Vorwurf zurück. Weiter erklärte Babitsky, dass in dem Filtrationslager Tschernokosowo, in dem er selbst zwei Wochen festgehalten worden sei, keine Rebellen inhaftiert würden, sondern willkürlich verhaftete Tschetschenen, die in dem Lager geschlagen und gefoltert würden.
Gefangenenfürsorge
»Hart durchgreifen«. Das war schon immer die Parole des peruanischen Präsidenten Alberto Fujimori. Vor allem in Wahlkampfzeiten. Das mussten letzte Woche auch die Insassen des größten peruanischen Gefängnisses Lurigancho erfahren. Ihr Aufstand wurde mit Gewalt niedergeschlagen. Hubschrauber beschossen zunächst die auf den Flachdächern der Gefängnistrakte versammelten Aufständischen mit Tränengasgranaten. Anschließend wurden sie von Spezialeinheiten zurück in die Zellen getrieben. Einen Toten und 44 Verletzte gab es nach Angaben der peruanischen Polizei. Angehörige der Insassen gehen allerdings von fünf Toten und mehreren Hundert Verletzten aus. Die unmenschlichen Haftbedingungen in peruanischen Knästen haben in diesem Jahr schon zu mehreren Aufständen geführt. So sind im Lurigancho-Gefängnis über 6 000 Insassen untergebracht, geplant wurde es für 1 500. Wasser gibt es nur für eine Stunde am Tag, und wer keine Unterstützung von Angehörigen erhält, muss oft hungern.
Vieques goes Scotland
Der Protest puertoricanischer Fischer gegen die Trainingsbombardements der US-Marine auf der Karibikinsel Vieques hat am schottischen Cape Wrath einen neuen Schauplatz gefunden. Dort will nämlich ein Kampfverband um den Flugzeugträger »Dwight D. Eisenhower« die Tests wieder aufnehmen. Die konnten - nach dem »zufälligen« Bombentod eines Puertoricaners - fast schon ein Jahr wegen des Widerstands verschiedener gesellschaftlicher Gruppen in Puerto Rico und durch den zivilen Ungehorsam der Bevölkerung von Vieques selbst erfolgreich verhindert werden. Erst vor zwei Wochen sprachen sich über 80 000 Menschen auf einer Demonstration in San Juan gegen die geplante Wiederaufnahme der Bombardierungen aus.
Nun will einer der Initiatoren des Protests in Vieques, der Umweltaktivist Alberto de Jesus, mit einer Gruppe von Fischern an die nordwestliche Spitze Schottlands reisen und damit den Kampf gegen die Marine in Verbindung mit lokalen Umweltgruppen internationalisieren. Dass das britische Verteidigungsministerium den US-Bündnispartnern mit dem Schießplatz von Caithness aushilft, ist angeblich Teil der Routine zwischen den Mitgliedsstaaten der Nato.
Gottes Sieger in Afghanistan
Nach siebenmonatiger Pause gehen die islamistischen Taliban und die Truppen von Schah Massud erneut aufeinander los. Bei den Kämpfen, die vor allem den Norden des Landes betreffen, haben seit Mittwoch letzter Woche bisher rund 70 Kämpfer beider Seiten dran glauben müssen, hieß es aus afghanischen Kreisen. Nach Angaben aus Massuds Umgebung haben die regierenden Taliban-Gotteskrieger u.a. die strategisch wichtige Stadt Scher Chan Bandar erobert. Doch Warlord Massud hat möglicherweise auch gepunktet: Seine Seite vermeldete, den Gebirgspass Safad Kotal eingenommen zu haben.
Wer die Kämpfe begonnen hat, kann selbst die UN nicht beantworten. Während der Sicherheitsrat in New York um die »humanitäre Lage« bangt, will das britische Innenministerium 27 der Insassen des entführten afghanischen Flugzeuges, die im Februar politisches Asyl in Großbritannien beantragt hatten, abschieben. Auch 14 weitere Insassen des Fliegers könnten bald an die Taliban ausgeliefert werden. Über deren Anträge habe er noch nicht entschieden, teilte Straw Mitte vergangener Woche in London mit.
Antifa in Ghana
Es war ein ganz normaler Auftrag: Drei Beamte des Berliner Landeskriminalamtes sollten am 17. Februar den 30 jährigen Emmanuel M. nach Ghana abschieben. Doch es lief nicht so glatt wie sonst. Wie die Berliner Zeitung berichtete, verweigerte die Flughafenpolizei in Accra, der Hauptstadt Ghanas, die Übernahme des Abschiebehäftlings. Obwohl dieser versicherte, nicht aus Ghana, sondern Liberia zu kommen, bestanden die Berliner darauf, den Flüchtling in Accra abzusetzen. Den ghanaischen Beamten platzte schließlich der Kragen: Sie beschlagnahmten die Pässe der penetranten deutschen Ordnungshüter und nahmen sie in Gewahrsam.
Beliebt dürften sich die Beamten durch ihr Auftreten nicht gemacht haben: Statt Polster mussten sie mit Metallstühlen vorlieb nehmen. Dass ihnen weder Essen noch Trinken angeboten wurde, empfanden sie als besonders skandalös. Nach Angaben der Berliner Zeitung wurden sie von mehreren Personen als Nazis beschimpft.
16 Stunden später konnten sie wieder ausreisen. Emmanuel M. durfte wieder zurück in das Land, wo Recht und Ordnung herrscht: Im Berliner Abschiebeknast Köpenick wartet er jetzt auf die nächste Abschiebung.
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