| Grenzenlose Begeisterung
Eine kräftige Zunahme des Einflusses der deutschsprachigen Minderheit fürchten die Dänen. Denn dem kleinen Nachbarland steht die Umsetzung der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen bevor. Erklärtes Ziel der Charta von 1992 ist die Anerkennung der Regional- oder Minderheitensprachen »als Ausdruck des kulturellen Reichtums«. In Dänemark sollen die 15 000 bis 20 000 Angehörigen der deutschsprachigen Minderheit unter anderem das Recht bekommen, den Gebrauch der deutschen Sprache vor Gericht oder im Umgang mit Behörden einzuklagen. Die Zeitung Jydske Vestkysten warnte vor einem neuen Sprachenstreit. Hinter diesen Befürchtungen stehen nicht nur die aktuellen völkischen Umtriebe der »deutschen Minderheit«, sondern auch Erinnerungen an die Vergangenheit: Beim Einmarsch der Wehrmacht 1940 kannte die Begeisterung bei der deutschsprachigen Minderheit keine Grenzen.
Bombardiert den Kreml!
Die ohnehin miesen Beziehungen zwischen Polen und Russland verschlechtern sich weiter. Der Chef des russischen Auswärtigen Amtes, Igor Iwanow, hat seinen Vertreter in Warschau nach Moskau zurückgeholt und einen für diese Woche geplanten Besuch in Polen abgesagt. Die neuesten Auseinandersetzungen hatten sich an einer Demonstration polnischer Anarchisten gegen den Tschetschenien-Krieg vor dem russischen Konsulat in Poznan entzündet. Die Demonstranten kletterten über die Mauer, holten die russische Flagge von der Fahnenstange und verbrannten sie vor der Botschaft. »Bombardiert den Kreml!« forderten sie auf Flugblättern. Schon am nächsten Tag kam es in St. Petersburg und Moskau zu antipolnischen Gegenkundgebungen, wobei diesmal die polnische Fahne brannte.
Freischuss in Gazi
Fünf Jahre hat es gedauert, und nichts ist dabei herausgekommen: Das Strafgericht im türkischen Trabzon entschied am 31. Verhandlungstag, dass 18 der im so genannten Gazi-Prozess angeklagten Polizisten wegen fehlender Beweismittel straffrei ausgehen. Der wegen Erschießung von vier Jugendlichen im vorherigen Prozess zu 24 Jahren verurteilte Adem Albayrak wurde jetzt zu sechs Jahren und acht Monaten verknackt. In vier Monaten könnte er nun wieder in den Polizeidienst eintreten. Begründung: Die getöteten Demonstranten seien in kriminelle Handlungen verwickelt gewesen. Der angeklagte Mehmet Gündogan wurde mit derselben Begründung mit einem Strafmaß von drei Jahren und vier Monaten aus der Untersuchungshaft entlassen. Am 12. und 13. März 1995 waren in dem Istanbuler Stadtteil Gazi insgesamt 17 alevitische Jugendliche während einer provozierten Massendemonstration erschossen worden.
Zu Tode gedient
Der türkische Superstar Tarkan wird seinen Armeedienst in der Türkei in guter Erinnerung behalten: Er bekam, wie er der Bravo stolz erzählte, nicht einmal die beim Militär so genannte Osmanische Ohrfeige. Anders ergeht es abgeschobenen kurdischen Asylbewerbern. Nach einem Bericht der Frankfurter Rundschau häufen sich Meldungen über Folter und Tod kurdischer Flüchtlinge, die nach ihrer erzwungenen Rückkehr zum türkischen Militärdienst verpflichtet wurden. Mindestens zwei abgeschobene Kurden starben im letzten halben Jahr unter ungeklärten Umständen während ihrer Armeezeit. Im August letzten Jahres soll sich Savas Cicek erschossen haben, einen Monat vorher Süleyman Aksoy. Seine Eltern gaben sich mit der Selbstmordversion nicht zufrieden und ließen den Sarg öffnen: Die Leiche war verstümmelt worden. Fuak Orak wurde, wie seine Verwandten berichten, schon kurz nach seiner Abschiebung aus Deutschland im Mai vergangenen Jahres von Soldaten festgenommen und schwer misshandelt. Kurz darauf wurde er zum Militärdienst einberufen. Wegen ständiger Schikanen und Todesdrohungen desertierte Orak zweimal. Am 12. Februar umstellten Soldaten sein Haus in dem Dorf Bawume. Daraufhin erschoss er sich.
Milosevic, ganz gemein
Fies: Wie aus ungewöhnlich gut unterrichteten Kreisen in Belgrad bekannt wurde, plant die jugoslawische Staatsführung, einen vom US-State Department lancierten Steckbrief gegen Slobodan Milosevic, Radovan Karadzic und Ratko Mladic mit einem Gegenentwurf zu kontern. »Slobodan Milosevic und seine Mordbrenner-Genossen« (taz), so heißt es weiter, hätten schon ein eigenes Fahndungsplakat entwickelt. Demnach soll 500 000 000 Dinar erhalten, wer Informationen zu den Aufenthaltsorten von Joseph Fischer, Madeleine Albright oder Tony Blair weitergibt, die zur Ergreifung der Gesuchten führen.
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