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»Roland Koch gibt eine Lüge zu« (Frankfurter Rundschau), »Koch gibt Lüge in Spendenaffäre zu« (Süddeutsche Zeitung), »Koch erneut durch CDU-Affäre in Bedrängnis« (Neue Zürcher Zeitung), »Koch gesteht Lügen zur Vertuschung der CDU-Finanzaffäre« (Berliner Zeitung), »Koch: Die Finanzaffäre der hessischen CDU ist weitgehend aufgeklärt« (Frankfurter Allgemeine Zeitung)
Schlagzeilen der deutschsprachigen Tagespresse von Mittwoch, dem 9. Februar
Screamin' Jay Hawkins gestorben
Wenn es jemals einen Rock'n'Roll-Sänger gab, der Eltern dazu brachte, ihre Töchter einzusperren, dann war es Screamin' Jay Hawkins. Und diese Angst ging über das übliche Maß hinaus: Screaming Jay Hawkins galt schlicht als Kannibale. Auwwwrargaieeeeeeee. Ow. Ohhhhhhh. Hm. Das war seinem Stück »I Put a Spell on You« geschuldet und der spektakulären Bühnenshow, in der Hawkins nach einem Trommelwirbel einem Sarg entstieg. Erfunden hatte sie 1957 der Radio-DJ Alan Freed für ein Konzert im Paramount Theatre in New York. Der Erfolg war so umwerfend, dass es nicht nur Riots auf dem Times Square gab, sondern Hawkins von nun an als wilder Voodoo-Rocker durch die Lande ziehen konnte. Er war allerdings mehr als ein One-Hit-Wonder mit Voodoo-Kaspereien. Er war einer der ersten, die den Rock'n'Roll mit Sex aufluden, und gerade durch diese Radikalisierung seiner Musik gelang ihm der Crossover zwischen weißem und schwarzem Publikum. Er schrieb Hunderte von Songs, gab ungezählte Konzerte und war Vorbild für die Rolling Stones oder The Animals. Screamin' Jay Hawkins starb in Paris an den Folgen einer Operation. Er wurde 71 Jahre alt.
Charles M. Schulz gestorben
Als er Anfang Januar zum letzten Mal den Peanuts-Comicstrip zeichnete, lasen sich die diversen Abschiedsartikel schon wie Nachrufe. Jetzt ist Charles M. Schulz tatsächlich gestorben. Fünfzig Jahre lang zeichnete er die Abenteuer von Snoopy, Charlie Brown, Linus, Lucy und Schröder Folge für Folge, immer in Schwarz-Weiß, zuletzt in einer Auflage von insgesamt 350 Millionen. Schulz hatte Darmkrebs. Er starb im Alter von 77 Jahren.
Hin und her in Österreich I
Zuerst zogen die Geschwister von Ingeborg Bachmann die Erlaubnis, den Namen ihrer Schwester für den renommierten österreichischen Literaturwettbewerb in Klagenfurt zu benutzen, zurück, solange die FPÖ an der Regierung beteiligt ist und das Land sich nicht seiner, »der Weltliteratur zugehörigen Autorin, würdig erweist«. Dann strich der Kärntener Landeshauptmann Jörg Haider dem Wettbewerb die Gelder für einen der vier Preise, die dort alljährlich vergeben werden. Und nun gibt es den Wettbewerb doch weiterhin, nur mit einem Preis weniger und unter einem anderen Namen. »Tage der deutschsprachigen Literatur« soll die Veranstaltung jetzt heißen, gaben der Österreichische Rundfunk (ORF) und die Stadt Klagenfurt bekannt, die den Wettbewerb organisieren. Zwar halten sie auch die Rechte an dem Namen, respektieren jedoch die Weigerung der Bachmann-Erben, den Namen weiter zur Verfügung zu stellen.
Schon im vergangenen Jahr hatten die Teilnehmer des Wettbewerbs angekündigt, eben jenen Preis des Landes Kärnten, der traditionell vom Landeshauptmann vergeben wird, nicht anzunehmen, sollte Jörg Haider ihn verleihen. Der war daraufhin der Zeremonie ferngeblieben. Haider will die eingesparten 120 000 Schilling (17 000 Mark) nun dafür verwenden, einen »attraktiveren Wettbewerb für den Nachwuchs« zu stiften. Über einen Namen ließ er noch nichts verlauten.
Hin und Her in Österreich II
Erst wollte sie den Oskar-Kokoschka-Preis, dann wollte sie ihn nicht, und jetzt will sie ihn doch. Die Medienkünstlerin Valie Export hat sich entschieden: Der Absagebrief, den die österreichische Zeitung Der Standard veröffentlicht hatte und in dem es hieß, sie wolle nicht von einer Regierung ausgezeichnet werden, »in die aus machtopportunistischen Gründen rechtsextreme, das Andere diskriminierende und somit kunstfeindliche Positionen aufgenommen« werden, war nicht autorisiert. Nun nimmt sie den Preis doch, denn sie sei »froh darüber, eine Auszeichnung zu erhalten, mit der einige der renommiertesten Künstler gewürdigt worden« seien. Sie will ihn allerdings aus der Hand der Jury übergeben bekommen und nicht von einem Regierungsvertreter. Der Oskar-Kokoschka-Preis ist mit 250 000 Schilling (35 000 Mark) dotiert.
Moskau-Virus bei der 'jungen Welt'
Experimentierfreudig war man bei der jungen Welt schon immer. Meist jedoch aus blanker Not. Und so wundert es nicht, dass in den Redaktionsräumen in der Berliner Karl-Liebknecht-Straße derzeit ein in der Presselandschaft einmaliges Projekt läuft. Der KPF-Virus, dem der Chefredakteur (»War Gorbatschow KGB-Agent?«), der Außenpolitik-Leiter (»War Gorbatschow ein Mossad-Agent?«), die Chefassistentin (»Herr Gorbatschow, was haben Sie mit unseren Thälmann-Büsten gemacht?«) und die spannende Fortsetzungsserie von Harald Wessel über Harald Wessel (»Wie Gorbatschow Harald Wessel stürzte«) zum Opfer fielen, machte es notwendig, in der vergangenen Woche die gesamte Belegschaft einschließlich der Poststelle zum Schreiben zu verpflichten. Ob diese gelungene Aktion nun auch zur Abschaffung des Chefredakteursprinzips führt, an das man sich in anderen Blättern klammert, ist noch offen. Zumindest bis zur Gesundung der Erkrankten.
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