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19. Januar 2000
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August schlägt wieder zu

Prinz Ernst August von Hannover, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, Ehemann von Caroline von Monaco und notorischer Schläger, ist zur Benutzung von Schlagringen übergegangen. Das musste auf der kenianischen Insel Lamu der Diskothekenbesitzer Josef Brunnlehner erfahren, der jetzt mit schweren Verletzungen auf der Intensivstation einer Klinik in Mombasa liegt. August störte sich an der Musik, die von der Tanzfläche der Diskothek auf einer Nachbarinsel zu seinem Anwesen herüberschallte, suchte sein Opfer mit einem halben Dutzend Leibwächtern auf und verprügelte es, während seine Schergen Brunnlehner festhielten. August verletzte Brunnlehner schwer an Brust und Schulter. Die Polizei ermittelt gegen den deutschen Prinzen.



Seife statt Drogen

Verschwörungstheoretiker, aufgepasst! Die US-Regierung hat ihre Finger überall drin, also auch in der TV-Programmgestaltung. Nach einem Bericht der Washington Post wurden in den letzten Jahren die Werbeeinnahmen von sechs Networks durch Gelder aus dem Anti-Drogen-Etat des Weißen Hauses aufgebessert. Insgesamt hat der Kongress für eine Anti-Drogen-Kampagne, die 1997 gestartet wurde, eine Milliarde Dollar locker gemacht. Anti-Drogen-Spots im Wert von 22 Millionen Dollar brauchten nicht mehr gesendet zu werden. - Im Gegenzug fanden alle coolen Leute in den Soaps Drogen uncool. Über hundert Mal sollen die Berater den Drehbuch-Autoren zur Seite gestanden haben.

Die Regierung tritt als Co-Autor auf in »Beverly Hills 90210«, »Emergency Room«, »Chicago Hope« und der »Bill Cosby Show«. Was wir uns jetzt fragen: Welche Szenen sind uns dadurch schon entgangen? Kelly und Brandon beim Tüte-Bauen? Dr. Huxtable beim Naschen an der Haschkeksdose? Oder gar Kinderarzt Dr. Ross mit Skalpell und Handspiegel auf dem Damenklo?



Mit Scheuklappen vor Gericht

Der britische Holocoaust-Leugner David Irving klagt seit vergangenem Dienstag vor dem Londoner High Court gegen die US-amerikanische Historikerin Deborah Lipstadt und den Penguin Verlag wegen Rufschädigung und fordert Schadensersatz. Lipstadt hatte Irving in ihrem 1994 erschienenen Buch »Denying the Holocaust« als »Hitler-Bewunderer« bezeichnet, »der Scheuklappen trägt, Dokumente verfälscht und Fakten unrichtig wiedergibt, um historisch unhaltbare Schlüsse zu ziehen, insbesondere, wenn es darum geht, Hitler zu entlasten«.

Irving sieht sich als Opfer einer jüdischen Weltverschwörung, die »einen globalen Angriff« auf ihn plane. Auch Lipstadts Buch sei Produkt eines Forschungsauftrages einer israelischen Agentur und weiterer jüdischer Organisationen. Da die Verbreitung der so genannten Auschwitz-Lüge in Großbritannien keine Straftat darstellt, kann Irving vor Gericht offen die Existenz von Gaskammern in Auschwitz leugnen, die Beweislast im Verfahren liegt bei den Angeklagten. Der Prozess soll voraussichtlich drei Monate dauern.

Derweil fordert das Amtsgericht in Weinheim die Auslieferung Irvings wegen Volksverhetzung. Irving hatte im September 1990 bei einer Veranstaltung mit dem damaligen NPD-Vorsitzenden Günter Deckert die Existenz von Gaskammern in Auschwitz geleugnet.



Rettung für die deutsche Popkultur

Das Liverpool Institute for Performing Arts, die Entertainment-Universität von Paul McCartney, sucht wieder junge Talente in Deutschland. Wer glaubt, er oder sie habe das Zeug, es auf den Brettern, die die Welt bedeuten, zu etwas zu bringen, sollte sich sputen und schleunigst seine Unterlagen unter www.lipa.ac.uk bestellen. Die bisherigen Absolventen spielen auf jeden Fall die Hauptrollen diverser Londoner Westend-Musicals wie »The Beauty and the Beast«, »Mamma Mia«, »Miss Saigon« und »Spend, Spend, Spend«. Und selbst wenn es jemanden nicht zum Musical zieht: In Anbetracht des Zustandes der deutschen Popkultur kann man nur jedem empfehlen, nach England zu gehen - schlimmer kann es nicht mehr werden.



Europäische Kultur gerettet ...

... und zwar vom französischen Premierminister Lionel Jospin und dem Präsidenten des deutsch-französischen Fernsehsenders Arte, Jobst Plog. Der europäische Kulturkanal sollte - so war es im Entwurf des neuen französischen Mediengesetzes vorgesehen - mit allen öffentlich-rechtlichen Sendern des Landes zu einer Holding zusammengefasst werden. Damit hätte der Kanal seine übernationale Unabhängigkeit in allen programmatischen und finanziellen Fragen eingebüßt. Der Deutsche Plog, der die Präsidentschaft vor einem Jahr übernommen hatte, setzte sich für den Fortbestand der Eigenverantwortlichkeit ein - mit Erfolg. Jospin konnte überzeugt werden und intervenierte zu Gunsten von Arte.


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