| Forelle Blau
»Am 15. Januar 1919 wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in Berlin nach einer beispiellosen Hetzkampagne brutal ermordet: Chronologie eines politischen Verbrechens, in dem sich wie in einem Brennpunkt die Tragödie des 20. Jahrhunderts bündelt ...«
Anleser zu einem Artikel über das »Berliner Revolutionsgewitter« in der Wochenend-Ausgabe des Neuen Deutschland vom 8./9. Januar.
Köln in Bewegung I
Bis vor ein paar Tagen waren in Köln die täglichen Agenturmeldungen umsonst zu haben - seit voriger Woche muss wieder gezahlt werden. Der norwegische Verlag Schibsted reagierte auf eine Einstweilige Verfügung von Quasi-Monopolist DuMont und von Springer: Er zog sein Gratisprodukt 20 Minuten Köln vorerst - bis zum endgültigen Gerichtsentscheid - zurück. Das Spielchen begann Mitte Dezember, als Schibsted auf den Markt drängte und DuMont und Springer mit eigenen Gratisblättern nachzogen, gleichzeitig aber rechtlich gegen kostenlose Tageszeitungen vorgingen (Jungle World, 2/00). Da auch die anderen ihre Verteiler zurückpfiffen, ist jetzt zunächst wieder alles beim Alten, und die Kölner müssen wieder redaktionelle Beiträge in Kauf nehmen.
Köln in Bewegung II
Beinahe hätten wir sie gekauft, die Spex. Jetzt scheint es so, als sei Piranha Press schneller gewesen. Verdammt. Keine Popkultur-Monatsbeilage. Keine Möglichkeit, seine Machtphantasien umzusetzten, die ganzen Flaschen zu feuern und mit den paar Übriggebliebenen das Heft zu machen, das das Dach heraushaut. Piranha Press, ein Verlag, der sonst noch niemandem besonders auffiel und der das HipHop-Magazin Juice herausgibt, hat die Spex Verlags GmbH gekauft, so steht es wenigstens in der Berliner Zeitung, die außerdem meldet, Piranha Press solle schon angedroht haben, die Zeitschrift werde sich künftig stärker »musikalischen Themen« widmen. Aber gleichzeitig heißt es dort auch, Dietmar Dath sei von seinem Chefredakteurs-Posten zurückgetreten. Das stimmt aber gar nicht, dementiert man aus Köln.
Niemand weiß etwas Genaues. Alle wissen ein bisschen. Seit die Gesellschafter der Spex im November ankündigten, ihre Anteile verkaufen zu wollen, geht es drunter und drüber. Gerüchte tauchen auf und verschwinden wieder, über Kaufpreise wird gemunkelt, Leserbriefe werden geschrieben, der Untergang all dessen beschworen, was einem immer heilig war. Also: Was soll werden? Geht alles so weiter wie bisher? Oder wird alles anders? Oder beides?
Köln in Bewegung III
Texte zur Kunst gibt uns im Unterschied zur Spex keine Rätsel auf. Sie gibt es noch und wird es auch weiterhin geben. Nur nicht mehr aus Köln. Das dreimonatlich erscheinende Diskurskunstheft hat nämlich die Domstadt verlassen und wird von nun in der Berliner Mitte mitmischen. In der Hauptstadt spielt nämlich nicht nur die Musik, dort malen auch die Maler und die Installateure installieren.
Diether Krebs gestorben
Der Mann war nicht gerade der Traum von einem Schwiegersohn, aber der Schwiegersohn war seine Traumrolle. Als mürrisch-rebellischer Michael in Jeanshosen und Rausgewachsene-Koteletten-Frisur heiratete Diether Krebs in die Familie Tetzlaff ein, um fortan mit seinem reaktionären Schwiegervater über Gastarbeiter, Fußball, die SPD und Willy Brandt zu streiten. Und natürlich auch, um mit Ekel Alfred beim Bier da zu sitzen. »Ein Herz und eine Seele« (Drehbuch: Wolfgang Menge) gehört noch immer zum Besten, was das deutsche Fernsehen je produzierte und hatte natürlich ein britisches Vorbild - die Sitcom »Till death us do part«.
Zwar hatte Krebs in »Ein Herz und eine Seele« hinlänglich bewiesen, dass er auf Requisiten wie dicke Hornbrillen und schiefes Gebiss nicht angewiesen war, um witzig zu sein, dennoch sah man ihn später kaum mehr ohne die in Deutschland Komiker-offizielle Ausstattung. Zum Beispiel im Publikumserfolg »Sketchup«, einer gänzlich humorfreien Comedy-Serie der ARD, wo der Schauspieler von seinen Serien-Gattinnen Iris Berben und Beatrice Richter regelmäßig mit dem Nudelholz bedroht wurde. Ebenfalls unter die Gröl-Rubrik fiel die Rolle des Martin, einem Typ im Schafspullover und mit Müsli-Tick. Dabei machte Krebs nie den Eindruck, als lebte er so, wie das Reformhaus empfiehlt, zwei Packungen Roth-Händle werden als Tagesration angegeben. Dass sich der Schwiegersohn längst zu einem vollwertigen Ekel ausgewachsen hatte, durfte er kaum beweisen, zuletzt noch als durchtriebener Geschäftemacher in der Kinokomödie »Bang Boom Bang«.
Diether Krebs starb im Alter von 52 Jahren nach längerer Krankheit.
Bernhard Wicki gestorben
Für »Die Brücke« erhielt er 1959 eine Oscar-Nominierung und die Möglichkeit, in Hollywood Filme zu drehen. Eigentlich hatte Bernhard Wicki, der 1919 als Sohn eines Schweizers und einer Österreicherin geboren wurde, als Schauspieler angefangen - 1938 in Berlin. Im selben Jahr wurde er verhaftet und als politischer Häftling für mehrere Monate ins KZ Sachsenhausen verbracht.
Nach Jahren beim Theater kam er 1954 zum Film und übernahm 1958 seine erste Regiearbeit. Nach dem Erfolg von »Die Brücke« arbeitete er neben anderen mit Marlon Brando (in »Morituri«), Ingrid Bergman und Anthony Quinn. Nach seiner Rückkehr nach Europa drehte er vor allem Literaturverfilmungen wie »Sansibar oder Der letzte Grund« oder zuletzt »Das Spinnennetz« nach Joseph Roth.
Wicki starb vergangene Woche im Alter von 80 Jahren.
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