| Jihad, Jihad
Der letzte Tag des Ramadan war zugleich Demo-Tag in Jakarta, und etwa 80 000 kamen am vergangenen Freitag. Ihr Anliegen: Die Regierung solle für ein sofortiges Ende der blutigen Auseinandersetzungen zwischen bewaffneten christlichen und muslimischen Banden auf den Molukken sorgen; in den vergangenen Wochen sind die Kämpfe dort eskaliert, einige Hundert Menschen kamen ums Leben.
Husin Ali al Habsy, islamischer Fundamentalist, drohte auf der Abschlusskundgebung, mit 10 000 Bewaffneten zum Jihad gegen die Christen auf die Molukken zu ziehen, sollte die Regierung den Konflikt nicht binnen eines Monats befriedet haben. Amien Rais, Parlamentsvorsitzender und Chef einer gemäßigteren Muslim-Organisation, drohte, der Regierung unter Präsident Wahid die Unterstützung zu entziehen.
Im Hintergrund schwelt ein Machtkampf zwischen Präsident Wahid, der die Macht des Militärs beschneiden will, und dessen starkem Mann, General Wiranto. Gerüchteweise soll Wiranto in den kommenden Tagen aus der Regierung fliegen.
Putschist unter Hausarrest
Es hätte so schön werden sollen: Als Krönung des Putsches von Ende Dezember sollte in der vergangenen Woche in der westafrikanischen Côte d'Ivoire eine Regierung der Nationalen Einheit gebildet werden. Der neue Militärmachthaber, General Robert Guei, hatte alle Parteien des Landes zusammengebracht und eifrig Pöstchen verteilt. Aber nur die unwichtigen: Innen-, Außen- und Verteidigungsminister wurden Guei-treue Militärs. Als die neue Regierung jedoch am Donnerstag letzter Woche ertsmals gemeinsam tagen sollte, blieben vier Plätze frei. Die neuen Minister der linkssozialdemokratischen Ivoirischen Volksfront waren gar nicht erst erschienen. Damit wollten sie gegen ein vermeintliches Übergewicht von Ministern der Sammlung der Republikaner protestieren.
Gleichzeitig kam es auch zu ersten Zerwürfnissen innerhalb des Militärs. Wie Agenturen berichteten, soll der an Gueis Putsch beteiligte Oberst Mathias Doué seither unter Hausarrest stehen. Soldaten begannen am Donnerstag, das staatliche Rundfunkgebäude in der Hauptstadt Abidjan zu schützen. Nur wenige Stunden zuvor soll im Militärlager Akouédo geschossen worden sein. Dort hatte am 24. Dezember der Putsch Gueis begonnen.
Sucre-krankes Ecuador
Die Regierung Ecuadors greift hart durch gegen die sozialen Massenproteste im Land: Am Donnerstag verkündete sie den nationalen Ausnahmezustand. Grundrechte wie die Versammlungs- und die Demonstrationsfreiheit sind damit für unbestimmte Zeit aufgehoben. So hatte die schwer bewaffnete Polizei freie Bahn, noch am selben Tag eine Großdemonstration gewaltsam aufzulösen. Die beiden Gewerkschaften Volksfront und Einheitsfront hatten zum Streik aufgerufen. Präsident Jamil Mahuad weiß, warum er drastische Maßnahmen gegen die Unruhen ergreift: Die Gewerkschaften und die Studentenverbände fordern offen seinen Sturz. Sie machen Mahuad für die wirtschaftliche Krise in Ecuador verantwortlich. Im letzten Jahr hatte die Landeswährung Sucre zwei Drittel ihres Wertes verloren. Regierung und Zentralbank zeigten sich ratlos, als am vergangenen Mittwoch der Sucre erneut um 15 Prozent fiel. Etwa 80 Prozent der Staatseinnahmen werden unterschlagen, der Staat ist de facto pleite.
Explodierende Tiger
Manche Befreiungsbewegungen halten Selbstmordanschläge noch immer für ein probates Mittel im politischen Kampf. So sprengte sich letzten Mittwoch eine Frau von den Befreiungstigern von Tamil Eelam (LTTE) in der sri-lankischen Hauptstadt Colombo vor dem Büro der Ministerpräsidentin-Mutter Sirimavo Bandaranaike Kumaratunga in die Luft: Zwölf Menschen starben, mehr als 20 wurden verletzt. Das Parlament verlängerte den bereits seit über zwei Jahren bestehenden Ausnahmezustand um einen weiteren Monat und verhängte eine zwölfstündige Ausgangssperre. Mehr als 1 000 Menschen wurden festgenommen und nach ihren Kontakten zu den »Tigern« befragt, darunter auch die Eltern und eine Schwester der Toten. Bereits im Dezember hatte die Gruppe, die im Norden Sri Lankas einen unabhängigen Staat schaffen will, zwei Selbstmordanschläge mit 23 Toten und über 100 Verletzten verübt.
Plutonium brennt besser
Der AKW-Unfall in Tukaimura im September hat die Japaner nachhaltig beeindruckt. Umfragen zufolge sind nur noch 30 Prozent der Bevölkerung für eine nukleare Energieversorgung. Mit Rücksicht auf die Nerven ihrer Mitmenschen haben daher vergangene Woche zwei japanische Betreiber-Firmen die Einführung neuer Plutonium-Brennstäbe in AKW, die lediglich für die Bestückung mit Uran vorgesehen waren, verschoben. Nun soll eine unabhängige Sachverständigen-Kommission klären, ob die neuen Brennstäbe überhaupt mit den japanischen Sicherheitsbestimmungen vereinbar sind.
Doch auch die regulären Sicherheitsstandards in japanischen AKW geraten immer stärker in die Kritik. So ist es erlaubt, dass ein Arbeiter der jährlich zulässigen Dosis von 50 Millisievert innerhalb von Minuten ausgesetzt ist. Nach Unfällen werden daher Tagelöhner eingestellt, um für ein paar Minuten in den verseuchten Anlagen Reparaturarbeiten vorzunehmen. Beliebt sind in der Branche auch Subunternehmen. 89 Prozent der in der japanischen Atomindustrie Beschäftigten kommen aus Arbeitsfirmen, die den Stromversorgern die Verantwortung für die Gesundheit ihrer Arbeiter abnehmen.
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