| Steyr und die Hunnen
Das Dritte Reich brachte seine Rüstungsindustrie vor den alliierten Bombern in Sicherheit und konzentrierte sie in seiner südlichsten Ecke, in Österreich. Die Zwangsarbeiter, die hier in besonders hoher Zahl eingesetzt wurden, sind bei den bisherigen Entschädigungsverhandlungen nicht berücksichtigt worden. Doch nun drohen die Anwälte der NS-Zwangsarbeiter auch den österreichischen Firmen mit Klagen. Und stoßen dabei auf wenig Verständnis: Frank Stronach, Eigentümer von Steyr, dem größten Rüstungskonzern des Deutschen Reiches, sieht sich frei von jeder Verantwortung: Man könne ja nicht bis Attila, dem Hunnenkönig, zurückgehen, um Ansprüche zu befriedigen. Auch die österreichische Regierung hat es bisher vermieden, sich mit der Frage zu beschäftigen. Vorsichtshalber wurde erst einmal eine Expertenkommission ins Leben gerufen, die in zwei Jahren Verhandlungsgrundlagen liefern soll. So lässt sich Zeit gewinnen.
Knapp daneben
Beinahe hätten die Orkanstürme Ende Dezember in Frankreich mehr als nur Lichter ausgeblasen. Während der Stürme war im Atomkraftwerk Le Blayais Wasser in zwei der vier Reaktoren eingedrungen. Das AKW nahe Bordeaux sei nur knapp einem schweren Unglück entgangen, berichtet die Zeitung Sud Ouest. Die beiden Kraftwerksblöcke bleiben erstmal für einige Wochen abgeschaltet.
Erst nachdem die Presse von der Abschaltung berichtet hatte, gab der staatliche Energiekonzern Electricité de France (EdF) den Störfall zu. Zwar seien Sicherheitseinrichtungen teilweise beschädigt worden, Radioaktivität sei aber nicht ausgetreten. Kein Grund zur Sorge möchte man da meinen: Nach Angaben des EdF war die Lage immer unter Kontrolle. Schließlich ist nur ein Viertel des französischen Stromnetzes beschädigt worden. Bis letzten Donnerstag blieben gerade mal 240 000 Haushalte ohne Strom. Zur vollständigen Wiederherstellung des Netzes könnten, wie EdF-Präsident Fran ç ois Roussely erklärte, noch bis zu drei Jahre vergehen. Die geschätzten Reparaturkosten liegen derzeit bei fünf Milliarden Mark.
Keine Fragen mehr
Legitimation ist alles, vor allem wenn's der Sache dient: Während des Kosovo-Krieges präsentierte die Nato manipulierte Videoaufnahmen vom Bombenangriff auf einen Personenzug, wie die Frankfurter Rundschau letzten Donnerstag berichtete. Der Zug wurde beim Überqueren einer Brücke bei Grdelicka im Abstand weniger Minuten zweimal von Raketen-getriebenen Bomben getroffen, dabei starben mindestens 14 Menschen. Angeblich war der Zug so plötzlich aufgetaucht, dass dem »Piloten«, wie der US-General und Nato-Oberkommandierende Wesley Clark im April erklärte, »weniger als eine Sekunde« Zeit für eine Reaktion geblieben wäre.
Mit Hilfe der Videos wurde der Beschuss als unvermeidlicher Unfall dargestellt. Die aus den beiden abgefeuerten AGM-130-Bomben aufgenommenen Videos wurden allerdings mit mindestens dreifacher Geschwindigkeit abgespielt - ein Hardware-Fehler heißt es bei der Nato. »Es war nicht die Absicht der Nato, jemanden zu täuschen«, meint nun deren Sprecher Mike Phillips.
Dem Video zufolge muss der Zug mit einer Geschwindigkeit von etwa 300 km/h - schneller als ein ICE - auf die Brücke gefahren sein. In Echtzeit war der Zug etwa 100 km/h schnell und zum Umsteuern der Bomben blieben 6,9 statt einer Sekunde. Der Fehler war bei der Nato schon seit Oktober bekannt. Mitnichten ein Anlass zur Veröffentlichung. »Warum sollten wir unnötige Fragen aufwerfen?« sagte Phillips.
Neue Freunde
Der libysche Staatschef Muammar al Gaddafi hat einen einflussreichen Fürsprecher in Europa gefunden. EU-Kommissionspräsident Romano Prodi wirbt derzeit für eine Einladung Gaddafis nach Brüssel. Einen entsprechenden Wunsch hat Prodi an die portugiesische Ratspräsidentschaft gerichtet. Der Staatsbesuch soll die politischen Kontakte mit dem lange vom Westen isolierten Land in Gang bringen. Bereits im Juni hatte Libyen mit der Auslieferung zweier mutmaßlicher Lockerbie-Attentäter das Verhältnis zur Union entspannt. Im Gegenzug will die EU nun den Dialog mit dem nordafrikanischen Land verbessern, unter den üblichen Bedingungen: Menschenrechte, Demokratisierung und Marktwirtschaft. Der Zeitpunkt, um mit dem Ölland ins Geschäft zu kommen, ist günstig für die Europäer: Noch immer blockieren die US-Sanktionen Investitionen und Handel zwischen Nordamerika und Libyen.
Vorbildliches Dänemark
Wenn es nach dem Willen der dänischen Regierung geht, stehen Ausländer demnächst ziemlich alleine da. In seiner Neujahrsansprache setzte sich der sozialdemokratische Ministerpräsident Poul Nyrup Rasmussen vehement für eine Verschärfung der Regeln für Familienzusammenführung ein. Das Recht, einen Ehepartner, minderjährige Kinder oder Eltern nachzuholen, soll für Ausländer abgeschafft werden. Nach den Plänen der Regierung darf nur der seinen Liebsten oder seine Liebste frei wählen, der oder die mindestens seit vier bis fünf Jahren die dänische Staatsbürgerschaft besitzt, über eine passende Wohnung verfügt und nachweist, dass er (sie) eine Familie versorgen kann. Dass diese Regelung gegen Verfassung und Menschenrechtskonventionen verstößt, glaubt die Regierung nicht: Die jungen Einwanderer könnten doch heiraten, wen sie wollten - sie müssten ja nicht in Dänemark leben, so die rechtsliberale Justizministerin Hornbech. Mit ihren rassistischen Vorstellungen steht die Regierung nicht alleine da. Der liberale Parteichef Anders Fogh Rasmussen will Einwanderer gleich sieben Jahre lang von allen Sozialleistungen ausschließen. Echt vorbildlich, finden die deutsche Nazis und bejubeln im Nationalen Infotelefon die dänischen Parteien als »patriotisch«.
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