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Nachrichten

Kein Blondinenwitz

Die Frau, die seit 30 Jahren, jeden Samstagabend, das Ziehungsgerät angeworfen hat, wird am 17. Januar zum letzten Mal die transparenten Acrylkugeln durcheinanderwirbeln. Karen Tietze-Ludwig, auch erfolgreich als Autorin von Büchern mit Titeln wie "Zusatzzahl 13" (1976) und "Heiterer Wegweiser für Lottofreunde" (1993), überläßt die Ansage der Lottozahlen der Nachrichtenmoderatorin vom Lokalsender TV Berlin, Franziska Reichenbacher. Der Fernsehdirektor des Hessischen Rundfunks, Hans-Werner Conrad, betonte, daß Tietze-Ludwig nicht zum Rücktritt gedrängt worden sei, lobte die Seriosität der Ansagerin und bedauerte, daß er sie nicht zum Bleiben überreden konnte. Niemand habe zum jetzigen Zeitpunkt ihren Abgang gewollt. "Ich wollte nicht warten, bis mein Verfallsdatum abläuft", sagt Tietze-Ludwig dagegen in einem Gespräch mit Bild am Sonntag. Kontinuität trotz Wechsel: Auch die Neue, Reichenbacher, ist blond und trägt Fönfrisur. Karin Tietze-Ludwig gegenüber der BamS: "Eigentlich wollte ich schon ein halbes Jahr früher aufhören. (...) Die meisten Nachfolge-Kandidatinnen hatten die falsche Haarfarbe. Der Intendant wollte unbedingt ein bestimmtes Blond, deshalb dauerte die Suche nach einer neuen Lottofee so lange."

Nebenwiderspruch Hauptmann

Im Zuge der Feierlichkeiten anläßlich des bevorstehenden Brecht-100-Jahres lebt die von John Fuegi ausgelöste Diskussion um den Plagiator Brecht wieder auf. Timing-bewußt ziehen jetzt die Elisabeth-Hauptmann-Erben die juristischen Konsequenzen aus der Fuegi-Darstellung, wonach der Autor mit seinen Mitarbeiterinnen nach der Devise "Sex for Text" verfahren sei. Die Erbengemeinschaft beauftragte den Hamburger Rechtsanwalt Tim Burkert damit, einen spektakulären Urheberrechtsstreit zu führen. Bis zum Jahresende - dann läuft auch das kaum bemerkte Elisabeth Hauptmann-Jahr ab, die Ko-Autorin wäre am 20. Juni 1997 100 Jahre alt geworden - sollen der Suhrkamp-Verlag und das Berliner Ensemble ihre Tantiemenkonten offenlegen.

Fuegi hat sein 1994 in den USA veröffentlichtes, 1995 in deutscher Übersetzung erschienenes Buch überarbeitet und weiteres Material zur Stützung seiner für die Literaturwissenschaft nicht eben überraschenden These gesammelt, Elisabeth Hauptmanns Anteil an Werken wie der "Dreigroschenoper" rechtfertige es, sie als Hauptautorin zu nennen. Über die Fachkreise hinaus wurde die eher staubige Materie deshalb interessant, weil Fuegi den Urheberrechtsstreit mit der Anklage sexueller Ausbeutung zu verbinden wußte.

"Wenn irgendjemand beweisen kann, daß Brecht mehr als fünf Prozent von 'Dreigroschenoper' geschrieben hat, dann möchte ich das sehen", sagte Fuegi und warf dem Berliner Ensemble vor, "Etikettenschwindel" zu betreiben. Wenn das Theater im Brecht-Jahr Stücke wie "Happy End" oder "Der Jasager" auf den Spielplan setze, ohne auf den Theaterplakaten den Namen Elisabeth Hauptmann zu erwähnen, könne man dies nicht anders nennen. Den Ausgang des jetzt angestrebten Urheberrechtsverfahrens prognostizierte der amerikanische Literaturprofessor so: "Die Erben erwartet jahrzehntelanger Ärger und am Ende vielleicht ein bißchen Geld."

Sollten sich alle als Musen verkappten mitarbeitenden Ehefrauen, Geliebten, Sekretärinnen bedeutender Autoren bzw. deren Erben am Vorbild Hauptmann orientieren und ihre Ansprüche geltend machen, muß die Literaturgeschichte womöglich umgeschrieben werden.

Plagiatvorwurf II

Geht diese subversive Marketing-Strategie auf? Der rechte Motorbuch Verlag aus Stuttgart hat den linken Hamburger Verlag Libertäre Assozation mit der Androhung eines kostspieligen Gerichtsverfahrens gezwungen, das Titelblatt des Buches "Handbuch der Kommunikationsguerilla" zurückzuziehen. Das von der autonomen a.f.r.i.k.a-gruppe herausgegebene Buch bietet einerseits einen theoretischen Überblick über die Geschichte von Kommunikationsguerilla-Ansätzen; zum anderen gibt es praktische Vorschläge und Tips zur Umsetzung dieser Theorien - von der Gründung eigener Medien, über innovatives Layout und Fälschungsvorschläge bis hin zu den mehr oder weniger bewährten Subversions-Strategien. Der Motorbuch-Verlag hatte behauptet, das Layout des Titelblattes sei direkt aus der Reihe des Motorbuchverlags "Jetzt helfe ich mir selbst" übernommen. Die Bücher, die zeigen, wie jeder seine Karre selbst reparieren kann, haben beim Motorbuchverlag eine Auflage von rund 9 Millionen Exemplaren.

Da die Chancen, einen Plagiatprozeß gegen den Motorbuchverlag zu gewinnen, als relativ schlecht eingeschätzt wurden und sich die Prozeßkosten in fünfstelliger Höhe bewegt hätten, hatte sich der Verlag Libertäre Assoziation im November dazu bereit erklärt, das jetzige Titelblatt ab dem 1. Januar 1998 zurückzuziehen, um den Buchtitel mit einem neuen Layout zu versehen. Bis dahin sind die Bücher mit dem Originaltitelblatt noch in allen gut sortierten Buchhandlungen erhältlich.

Der Motorbuchverlag ist nicht nur durch die "Jetzt helfe ich mir selbst"-Bücher bekannt; unter dem Reihentitel "Zeitgeschichte - hautnah erlebt" beispielsweise findet sich eine Sammlung revisionistischer, kriegs- und wehrmachtsverherrlichender Titel wie "Das Ostfront Drama 1944", "So fiel Königsberg" und "1945 - Panzer an der Weichsel". Daran schließt sich dann die Reihe "Maschinen und Piloten" mit Titeln wie "Erich Hartmann - Der erfolgreichste Jagdflieger der Welt" oder "Deutsche Tag- und Deutsche Nachtjagd" an.

Kurze Notiz zum langen Penis

Glaubt man einer Darstellung der BamS - und es gibt keinen Grund dies nicht zu tun -, hat ein deutscher Urlauber an der dänischen Küste nur knapp eine Wal-Penis-Attacke überlebt. Der Mann hatte die verendeten phallusgestaltigen Tiere am Strand mit einer Videokamera filmen wollen, als ein 1,5 Meter langer, 30 Kilo schwerer Walpenis haarscharf an seinem Kopf vorbeisauste. Der Schwanz war raketenartig aus dem Tierkadaver herausgeschossen, angetrieben durch Faulgase, die sich im Walbauch gebildet hatten.

Der Zirkus geht weiter

Trotz erfolgten "Streßaufbautrainings" (Ricky) konnten die durch Bandmitglied Ricky ausgelösten Querelen im Girltrio Tic Tac Toe nicht beigelegt werden. Zur Aufzeichnung der TV-Weihnachtsshow "Menschen Tiere Sensationen" erschienen nur noch Jazzy und Lee, um auf einem Elefanten durch die Manege zu reiten. Auch bei der nächsten CD der Band, die möglicherweise einen neuen Namen erhält, wird Ricky nicht mehr beteiligt sein, teilte ein Sprecher der Plattenfirma BMG Ariola in München mit. Umfragen unter Teenies hatten ergeben, daß niemand Ricky vermissen würde.

  •  Die Nachrichten wurden von Heike Kleffner bzw. Runge zusammengestellt


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