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| | NachrichtenAufholjagd im Osten Wenn schon nicht in der ökonomischen Realität, so hat im Osten wenigstens das Wort "aufholen" Konjunktur. Aufholprozeß, Aufholjagd. Gemeint ist damit alles mögliche: die Wirtschaftskraft, die Produktivität, die Investitionen. Bis vor kurzem wurde damit auch die Angleichung der Ost- an die Westlöhne verbunden. Ein Prozeß, für den die IG Metall 1993 noch den bisher einzigen flächendeckenden Warnstreik im Osten - schließlich gab es damals noch ein paar Beschäftigte in Großbetrieben - organisieren konnte. Anlaß war die einseitige Kündigung des Stufentarifvertrags durch die Unternehmer. Nach den Massenprotesten wurde - was Linke gern als Niederlage bezeichneten - der tarifvertragliche Angleichungsprozeß zeitlich gestreckt. Knapp fünf Jahre später sieht die Welt im Osten anders aus: In der tarifgebundenen Metallbranche gelten wenigstens 100 Prozent bei den Grundlöhnen. Wovon der Duchschnitt im produzierenden Gewerbe nur träumen kann. Erstmals seit dem Anschluß der DDR ist selbst von minimaler Angleichung nichts mehr zu spüren. Stiegen im Westen die durchschnittlichen Bruttoverdienste innerhalb eines Jahres von 5 048 auf 5 121 Mark, so erhöhten sie sich im Osten im gleichen Zeitraum lediglich von 3 712 auf 3 765 Mark, also ein prozentual sogar geringerer Anstieg als im Westen. Bleibt nur alte Hoffnung: überholen ohne einzuholen. Neue Crashs an Seouler Börse Offensichtlich hat der größte Kredit, den der Interntionale Währungsfonds (IWF) jemals vergab, nicht viel geholfen. Ende vergangener Woche stürzte die südkoreanische Währung Won erneut dramatisch ab. Innerhalb von nur drei Handelsminuten verlor der Won ein Zehntel seines Wertes gegenüber dem US-Dollar, der Handel wurde daraufhin wie schon an den Vortagen ausgesetzt. Damit hatte der Won an vier aufeinanderfolgenden Tagen jeweils zehn Prozent eingebüßt, seit dem Sommer hat er die Hälfte seines Wertes verloren. Gleichzeitig sackten auch die Aktien um durchschnittlich 5,6 Prozent ab. Der Crash in Seoul hatte wieder weltweite Auswirkungen. In Malaysia verlor die Aktienbörse 7,4 Prozent, in Thailand und Indonesien 4,8 Prozent; auch in den USA und Europa rutschten die Kurse. Südkoreas Präsident Kim Young Sam, der am 18. Dezember wiedergewählt werden will, flehte den IWF um sofortige Hilfe an. 20 Milliarden Dollar braucht das Land noch in diesem Jahr; diese Summe würde allerdings nicht in irgendeiner Weise investiert, sondern direkt an die Gläubiger gehen. Für Investitionen sieht es bei dem dramatischen Währungsverfall und astronomisch hohen Zinsen - 25 Prozent - ohnehin schlecht aus. Die Krise dürfte sich also - knapp zwei Dutzend Banken wurden bereits dichtgemacht - weiter verschärfen. Steuer auf Trinkgelder Wer bei einem geringen Grundlohn von zehn bis 15 Mark in der Kneipe, im Café, in der Bar oder im Restaurant arbeitet, freut sich natürlich, wenn ab und zu einmal ein paar geizige Kunden die Faustregel "Zehn Prozent von der Gesamtrechnung sind Trinkgeld" einhält. Aber auch die Finanzämter freuten sich über ein Urteil des Bundesfinanzhofes: Trinkgelder sind steuerpflichtig, wenn es jährlich mehr als 2 400 Mark sind. Um das ganze zu kontrollieren, sollten die Kneipiers dafür bei ihren Beschäftigten nicht nur die Bons, sondern auch die Trinkgelder überprüfen. Die lehnten diesen Mehraufwand dankend ab, und der Bundesgerichtshof gab ihnen recht. So bleibt alles beim alten: Wer Trinkgelder versteuert, ist bescheuert. Ex-Vulkanwerft im Osten verkauft Nach der gescheiterten Vulkan-Privatisierung wurde jetzt die Volkswerft Stralsund verkauft: an den dänischen A.P. Moelller-Konzern. Folge ist ein weiterer Arbeitsplatzabbau: Im Jahr 1998 soll die Zahl der Beschäftigten von derzeit 1 400 auf 1 100 sinken. Für die Jahre 1998 bis 2002 verpflichtete sich Moeller, durchschnittlich lediglich 800 Arbeitsplätze zu erhalten. In Stralsund sollen nun überwiegend mittelgroße Containerschiffe gebaut werden. Auch die MTV-Werft in Wismar steht unmittelbar vor dem Verkauf. Die besten Chancen werden dabei dem norwegischen Konzern Ullveit-Moe eingeräumt. Arbeitslosengeld am Monatsende Wer arbeitslos wird, hat Pech gehabt: doppelt. Da die meisten frischgebackenen Arbeitslosen im ihrem entbehrungsreichen Arbeitsleben ganz viel Knete angehäuft haben, können sie sich ruhig einmal eine private Einnahmepause gönnen, meinen die Arbeitsämter. Ab dem kommenden Jahr werden die Bezüge nicht mehr alle zwei Wochen, sondern nur noch monatlich überwiesen, und zwar nachträglich. Nur in besonderen Härtefällen könnten Ausnahmen gemacht werden, so ein Sprecher der Bundesanstalt für Arbeit. Für letztere rechnet sich die Verschlechterung des Zahlmodus: Die nicht auszuzahlenden Beträge können zinsgünstig geparkt werden. Konrad kann bald strahlen Das niedersächsische Umweltministerium hat in der vergangenen Woche angekündigt, rasch einen positiven Planfeststellungsbeschluß für das Atommüll-Endlager Schacht Konrad in Niedersachsen zu fällen. Nach 15 Verfahrensjahren kann Bundesumweltministerin Angela Merkel nun frohlocken. Mit der Genehmigung von Konrad für die Endlagerung radioaktiver Abfälle mit geringer Wärmeentwicklung sei ein Durchbruch in der Umsetzung des Entsorgungskonzeptes der Bundesregierung gelungen, so Merkel. Schacht Konrad biete ausreichend Platz, um 95 Prozent des vorhandenen und in den nächsten Jahrzehnte anfallenden deutschen Atommülls "dauerhaft und sicher endzulagern", meinte Merkel. Mondo-Versand hat ausgedient Was vor zehn Jahren im Osten noch gut lief - schließlich wurden Kondome nur verschämt unter der Ladentheke von Drogerien gehandelt -, hat nun ausgedient: der Versand von Präservativen. Der Dresdener H.Kästner-Versand, dessen diskret-muffige Werbung in jeder Ostzeitung präsent war, stellt zum Jahresende seinen Betrieb ein. Grund: der rapide Rückgang an Bestellungen, in diesem Jahr liefen nur noch 1 800 ein. Zu DDR-Zeiten waren es jährlich noch zwei Millionen. Daß die Ossis - nur weil sie ihre Päckchen-Mondos nicht mehr mögen - nun vor lauter Vereinigungsverliererfrust weniger vögeln würden, ist noch nicht bewiesen. Fakt aber ist: Sie brauchen mehr Stimulation. Die Erotik-Shop und - Videotheken schossen in den vergangenen Jahren wie Pilze aus dem Boden, und auch der H.Kästner-Versand ist mit der Zeit gegangen: Sein Erotik-Engagement wird ausgebaut.
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