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| | NachrichtenHacker Hitler Daß hinter der geläufigen Rede vom Tod der Intellektuellen und vom Ende der Kritik bisweilen nichts anderes steht als eine uneingestandene Sehnsucht nach Faschismus, demonstrierte gerade Dirk Baecker. Einem Bericht der Berliner Zeitung entnehmen wir, der Niklas-Luhmann-Schüler habe während eines Vortrags in Berlin erklärt, mit der Moderne verschwinde auch der Intellektuelle (dessen Rolle zuletzt noch Günter Grass, Cathérine David und - man staune - Roman Herzog gespielt hätten) und mit ihm verflüchtigten sich Kategorien wie Wahrheit und Wirklichkeit. Im Geiste seines Lehrers verkündigte Baecker das Ende der "Kultur der Kritik", sie weiche einer "Kultur des Vergleichs". Schon werde die Theorie durch das Virus abgelöst, schon stehe als Leitfigur der Postmoderne der Hacker bereit. Als einer der größten Hacker der luhmännischen Epoche könne - neben Stephen King und Bill Gates - der fitte Führer Jörg Haider gelten, der den "politischen Code Österreichs" geknackt habe. Adolf Hitler aber sei einer der "Großhacker des Jahrhunderts" gewesen. Baecker, ständiger Mitarbeiter der Hacker-Zeitung taz, ist Professor für Unternehmenskultur an der Privatuniversität Witten-Herdecke. Bahro tot "Die Alternative" hieß das Buch, das ihn 1977 schlagartig berühmt machte. Eine Abrechnung mit der DDR und seiner eigenen Vergangenheit als Parteisoldat. Nach eigenem Bekunden hatte Rudolf Bahro zuvor an die offiziellen Lehren geglaubt "wie Luther an das Evangelium". Nach Veröffentlichung seines Buch, das zuerst in Auszügen im Spiegel erschien, wurde Bahro exkommuniziert, verhaftet und schließlich in die BRD entlassen. Einen Hang zum Religiösen behielt er. Nach einem Intermezzo bei den Grünen wurde er Bhagwan-Anhänger, besuchte den Meister in den USA, schrieb die "Logik der Rettung". 1989 ging er zurück nach Ost-Berlin, lehrte an dem von ihm geleiteten "Institut für Sozialökologie". Am 7. Dezember starb Rudolf Bahro 61jährig an einem Krebsleiden. (Ein ausführlicher Nachruf folgt.)
Galilei ohne Eisler-Scheibe Wieder mal machen Erben Ärger, diesmal die Eisler-Erben. Die Absicht des Berliner Ensembles, bei seiner Neuinszenierung von Bertolt Brechts "Leben des Galilei" auf die Musik von Hanns Eisler zu verzichten, stößt auf den Widerstand der Rechte-Inhaber des Komponisten. Für die Neuinszenierung von "Galilei" zum 100. Geburtstag des Autors in der Regie des Brecht-Schülers B.K. Tragelehn hatte das Berliner Ensemble den Kompositionsauftrag an Friedrich Goldmann vergeben. Erben und BE streiten jetzt darüber, ob bei einer Neuinszenierung die Musik Hanns Eislers Pflicht ist. Sitzen für Zana Rund 7 000 Frauen aus 15 europäischen Ländern haben sich mit der in einem Hochverratsprozeß wegen "separatistischer Propaganda" zu einer 15jährigen Haftstrafe verurteilten kurdischen Abgeordneten Leyla Zana solidarisiert. Zu den Unterzeichnerinnen des Solidaritätsschreiben gehören zahlreiche Prominente. So erklären u.a. die Bürgerrechtlerin Angela Davis, die Schriftstellerinnen Beno"te Groult und Elfriede Jelinek, die Schauspielerin Hanna Schygulla sowie die Regisseurin Margarete von Trotta ihre Bereitschaft, einen Tag der Haftstrafe Zanas zu übernehmen, um deren Freilassung zu erreichen. Der türkische Staatsanwalt, der im Prozeß Ende 1994 die Todesstrafe für Zana gefordert hatte, äußerte gegenüber der Angeklagten: "Ich habe weniger Achtung vor Ihnen als vor meinem Hund." Leyla Zana hatte vor kurzem in einem Brief an Danielle Mitterrand, die ebenfalls bereit ist, einen Haft-Tag abzusitzen, kritisiert, daß sich die westlichen Länder "zu oft der türkischen Politik anpassen".
Frauen in Unterwäsche Die schwedische Sektion von Hennes & Mauritz zieht mit sofortiger Wirkung die Plakate für die "jährliche Unterwäsche-Kampagne" zurück. Während in allen anderen elf Ländern, in denen H & M Boutiquen betreibt, weiterhin das besonders dünne Modell Georgina Grenville zu sehen ist, wirbt in Schweden die bedeutend fülligere Norwegerin Sophie Dahl für schwarze Unterhosen mit Blümchenapplikationen. Vermutungen, die Entscheidung von H & M Sverige habe mit der kürzlich bekanntgewordenen Bulimie-Erkrankung von Kronprinzessin Victoria zu tun, wies das Unternehmen zurück: "Wir glauben ganz einfach nur, daß ein anderes Modell für den schwedischen Markt viel passender ist", erklärte Pressesprecherin Kristina Stenvinkel. Wie sich diese Entscheidung auf die Aktienkurse des Textil-Discounters auswirken wird, steht noch nicht fest. Die Experten des Wirtschaftsblattes Dagens Industri hatten für die letzten Jahren einen direkten Zusammenhang zwischen der Oberweite der jeweiligen H & M-Modelle und den Börsennotierungen des Unternehmens nachgewiesen. 1994 und 1996, als Natascha Henstride und Bridget Hall auf den Plakaten zu sehen waren, stiegen die Kurse drastisch an. Männermodels wirken dagegen grundsätzlich eher kurssenkend: Als 1995 ein leicht bekleideter Mann für H & M warb, "sanken die Kurse wie ein Stein". Das Unternehmen hat auf diese Untersuchung reagiert: Es wird auf seinen öffentlich ausgehängten Plakaten keine Männer mehr zeigen. Tony Ward, Madonnas Ex-Lover, wird europaweit nur in den Geschäften zu bewundern sein.
Zu netter Nikolaus Der niederländische Nikolaus, Sintaklaas genannt, ist kein gütiger Opa mit weißem Bart und viel Verständnis. Jahrzehntelang fürchteten sich die Kinder vor dem polternden, nachtragenden Mann, der gerne Vorwürfe machte und dank seines goldenen Buches nie etwas vergaß. Sein Kompagnon, der Zwarte Pit, war womöglich noch gemeiner: Aus seinem Sack schauten die manchmal zappelnden Beine von bedauernswerten Kindern heraus, die zur weiteren Bestrafung von dem Paar gekidnappt worden waren - der Anblick erschreckte Generationen. Anfang der siebziger Jahre setzten sich die neuen Ideen in der Erziehung langsam auch bei Sintaklaas und dem Zwarten Pit durch, jetzt allerdings soll Schluß sein mit dem Nett-zu-Kindern-Sein: In den Niederlanden mehren sich die Stimmen derjenigen, die vom Nikolaus wieder eine härtere Gangart fordern, unter anderem, damit "die Kinder wieder Respekt lernen".
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