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| | Erlösung von der DOSe
Computerspiele sind nicht so blöde, wie alle denken: Es gibt sogar welche für MACs Computerspiele sind, darauf können sich die meisten Menschen, die noch niemals ein Game gespielt haben, einigen, etwas ganz Schreckliches. Aus den unterschiedlichsten Gründen: Zum Beleg dafür, daß Computerspiele von Neonazis manipuliert werden, wird in den einschlägigen kulturpessimistischen Sorgenmacher-Programmen im Fernsehen regelmäßig ein Standfoto aus dem indizierten Game "Doom" vorgeführt. Es zeigt eine schwer bewaffnete Gestalt mit Hakenkreuzbinde und hat trotzdem keinerlei Fascho-Einflüsse, denn im Spiel geht es exakt darum, den Nazi-Soldaten und seine Kumpels abzuknallen. Ebensowenig totzukriegen ist das zweite Vorurteil über Computergames: Sie machen einsam. Ein durchschnittlich komplexes Spiel ist allerdings allein kaum zu knacken, jedenfalls nicht, wenn man Wert auf Spaß liegt. Deswegen sitzen in der Regel auch mehrere Personen vor dem Rechner, wobei derjenige, der die Maus oder den Joystick bedienen muß, nicht unbedingt in der beneidenswertesten Position ist. Denn "Latsch doch nicht da lang, ich hab dir doch von Anfang an gesagt, daß da nur ein Monster ist" und "Demokratie sollst du entwickeln!" - die Mitspieler wissen alles besser, haben exakte Vorstellungen, die sofort umgesetzt werden müssen, und es ja gleich gesagt. Sie sind dem Mausinhaber einen Schritt voraus. Immer. Dabei sah es lange Zeit so aus, als seien die Computerbesitzer eine Zweiklassen-Gesellschaft. Die DOSen, soviel war klar, waren in der Überzahl, benutzten ihre Rechner hauptsächlich zum Spielen und schafften so eine riesengroße Nachfrage. Die feineren MAC-User hingegen taten in erster Linie vernünftiges Zeugs mit ihrem Computer, den sie in erster Linie zum Arbeiten nutzten. Bloß Spielen taten sie nicht. Das dachte sich jedenfalls Sid Meier von Microprose, einer Games-Firma, die der Welt eine ganze Menge Plan-Abenteuer-Spiele schenkte und erklärte, ab sofort keines seiner Games mehr für den MAC herausbringen zu wollen. Plötzlich stellte sich aber heraus, daß die schnieken MACs ihre Rechner durchaus auch zur Zerstreuung nutzen. Kurz nach Meiers Bekanntmachung entlarvten sich die MACies als nur ein weiterer Haufen Spielwütiger. Das Hauptgesprächsthema auf ihren Parties lautete sinngemäß "Hast du schon gehört..." und enthielt die Vision eines Rechners, der von oben bis unten nur mit nützlichem Zeug vollgestopft ist und mit schrecklich veralteten Spielen, die man schon auswendig kann - erste Abweichler beschlossen gar: "Jetzt kauf ich mir ne DOSe! Natürlich nur zum Spielen, was dachtest du denn? Kann man denn noch was anderes damit tun?" Das war schrecklich langweilig, deswegen konnte man in allen MAC-bezogenen Newsgroups die E-mail-Adresse von Sid Meier finden. Ein paar Monate voller MAC-Verzweiflung und viele verstopfte Mail-Boxes später hatte Meiers Microprose sich die ganze Sache dann noch einmal überlegt. In der Zwischenzeit hatte man sich natürlich auf dem weltweiten Spielemarkt umgetan, nicht nur in selbstquälerischer Absicht, um nachzuschauen, was einem in Zukunft entgehen würde und wieviel Spaß die DOSen haben, und war dabei auf die Shareware gestoßen. Shareware-Games werden über das Internet angeboten, man kann sie sich umsonst auf den eigenen Rechner laden, und bezahlt, wenn man mit dem Game zufrieden ist, freiwillig fünf oder zehn Dollar an den Erfinder. Der spekuliert weniger darauf, von einer der großen Firmen entdeckt zu werden, sondern ist in der Regel Anhänger der Idee, die hinter Free- und Shareware steckt. Sie besagt, daß Programme allen zugänglich und nicht Eigentum von Konzernen sein sollen und nicht viel kosten dürfen. Dabei ist die Qualität der Shareware-Games sehr unterschiedlich, sie reicht vom schwarz-weißen Text-Adventure bis zum farbigen "Bloodsucker", in dem es darum geht, blutsaugende Insekten zu töten, bevor sie einen leergesaugt haben. Sportgames, Abenteuer und kleinere Simulationen werden ebenso angeboten, aber ein richtiger Ersatz für ein richtiges Spiel, mit dem man Tage verbringen kann, sind die Shareware-Produkte nicht. Zumal sie sich hauptsächlich mit Ballerei beschäftigen. Denn ballern, so lautet ein drittes Vorurteil gegenüber den Rechner-Spielen, wollen längst nicht alle User. Genauso interessant können Simulationen, kurz Sims genannt, sein - "SimCity", die selbstentworfene Stadt, "SimTower", das allein erstellte Hochhaus inklusive Büros, Wohnungen, Läden und gelegentlichen Besuchen von VIPs in der towereigenen Hotelsuite oder der "SimFarm", die eher sterbenslangweilige Simulation eines Farmbetriebs, bei dem man sich aussuchen kann, ob man Erdbeeren oder Mais anbaut oder Schweine oder Schafe. "ThemePark" hingegen simuliert einen Vergnügungspark. Dazu gehören Würstchenbuden, Karussells, Leute, die den Müll wegmachen und Aufseher - weil "ThemePark" zu den komplexeren Sims gehört, kann man auch mit Aktien spekulieren, Eintrittspreise aushandeln, Neuerungen entwickeln. Nun durften MACies und DOSen wieder ähnliche Spiele spielen - und schon waren die MAC-User sauer. Denn DOS-Games unterschieden sich von den anderen immer dadurch, daß sie in der Darstellung eher grob waren, , durch eher kindgerechte Pixel-Grafiken und dämliche Illustrationen. Und dann das: Die lange mit Spannung erwartete Fortsetzung des Klassikers "Civilization" (Civ), ein Spiel, in dem es nicht nur darum geht, die Welt zu erobern, sondern auch, das eigene Volk durch zivilisatorische Fortschritte weiterzubringen, erschien endlich in der MAC-kompatiblen Fassung. Und plötzlich sah der MAC aus wie ein PC: Die anmutig gezeichneten Kanonen und Ritter, die man nach zwei Tagen Dauerspiel vor sich sah, wann immer man die Augen schloß, sind großen wandernden Figuren gewichen, ebenso grob gezeichnet wie gepixelt, und nun muß man sich sowas im Traum ansehen. Die Verbesserungen, mehr Schwierigkeitsstufen, mehr Ausgangsländer, mehr Gimmicks, werden dadurch nicht wettgemacht. Bei einem anderen Meier-Game, "Colonization", durfte man dann wieder zufrieden sein. Auch hier geht es darum, die Welt zu besiedeln, aber im Gegensatz zu Civ I und II darf man nicht auf alles schießen, was im Weg ist. Denn "Colonization" ist auch auf dem MAC ein PC-Spiel - die Siedler in einer neuen Welt, die sich schließlich für unabhängig erklären sollen, müssen Kultur und Handel, Wissen und berufliche Fertigkeiten erweitern und bekommen Minuspunkte, wenn sie die einheimischen Indianerstämme niedermetzeln, anstatt friedlich mit ihnen zu koexistieren. Die anderen Europäer darf man hingegen ganz ausdrücklich umbringen, denn die stehen dem großen Plan im Weg und wollen die neue Welt ganz allein besitzen. Das einzige Problem bei den Computerspielen ist eines, über das selten berichtet wird: Sie sind zu groß. Deswegen muß man sich bessere Rechner kaufen, denn sonst kann man die ganzen schönen Spiele einfach nicht mehr spielen.
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