Zum Inhaltsverzeichnis / Zum Abo - Coupon / Brief an die Redaktion


Eine kleine Backgammon-Trainingslehre

Gewinnt man beim Backgammon, hat man Würfelglück, sonst nichts. Gewinnt man zwanzig, dreißig Mal hintereinander, hat man halt zwanzig, dreißig Mal Würfelglück gehabt. So reden Verlierer.

Weist man darauf hin, daß im Backgammon - regional und national jeweils unter anderen Namen bekannt - auch Wettkämpfe bis hin zur Weltmeisterschaft ausgetragen werden, erntet man, wenn man Glück hat, ein doofes Lächeln, oder es gibt eine ganz softe Form der Türken-, Libanesen-, Israeliverachtung, dort ist Backgammon nämlich besonders beliebt, oder, wenn man ganz großes Pech hat, muß man sogar bösen Worten über die Theorie und Praxis des Sports an sich lauschen. So reden nämlich Verlierer.

Ich selbst spiele Backgammon nur in der ganz einfachen Form, ohne diesen bescheuerten Multiplizierwürfel, den ich noch nie verstanden habe, und der, soweit ich ihn doch verstanden habe, nur die Zufälligkeit in dieses so sportliche, also trainierbare und auf Taktik angelegte Spiel bringt.

Die einfache Variante lebt nur von der Taktik. Der erste Wurf bestimmt, welche der, ich systematisier' mal sehr grob, prinzipiell drei Spielweisen man zu praktizieren hat.

1. Würfelt man gleich etwas Hohes, Fünf-Sechs zum Beispiel, verläßt man halt mit einem Stein ganz schnell den gegnerischen Bunker, und es ist völlig klar: Das Spiel wird langweilig. Man spielt nämlich auf Sieg, und in der Regel, also in 70 bis 80 Prozent aller Fälle, gewinnt man auch.

2. Würfelt man etwas Mittleres, eine Vier-Zwei oder Fünf-Drei oder auch Fünf-Vier, geht man in die etwas spannendere Offensive. Man baut selbst Barrikaden, die sich sofort oder erst im zweiten oder dritten Zug errichten lassen, und die Variationsmöglichkeiten des Gegenüber erkennbar minimieren, seine Flüche freilich maximieren.

3. Würfelt man etwas Kleines - Zwei-Eins ist bei den Spielen, zu denen ich mich hinreißen lasse, immer nur Zwei-Eins, nie Sechser-Pasch, oder was es noch für Regeln gibt - und wiederholt sich das mit den kleinen Würfen noch zwei, drei Mal, dann hilft nur eins: Man muß das Spiel von hinten heraus spielen. Da muß man dafür sorgen, daß man in der ersten Phase sich überall rauswerfen läßt, beim Reinwürfeln aber viele kleine, möglichst auf Eins bis Drei stehende Barrikaden baut. In der zweiten Phase baut man dann die Barrikaden sehr sorgfältig, soll heißen: von Sechs bis Eins, im eigenen Bunker auf. Und dann achtet man darauf, daß man seinen Gegenüber so oft irgend möglich rausschmeißt, ihn entnervt, ihn zermürbt. Steht der eigene Bunker prima, löst man die Barrikaden im gegnerischen Bunker langsam auf und geht in kleinen Gruppen, ohne neue Barrikaden zu bauen, nach vorne, um den Gegenüber, der ja schon so entnervt und zermürbt immer wieder angeschlichen kommt, so oft als möglich wieder rauszuschmeißen.

Mit dieser Taktik kann man auch so richtig hoch gewinnen und sich richtig freuen. Hat man nämlich zum Beispiel die erste Taktik gewählt, spielt also von Beginn auf Sieg, wird es nur ein niedriger Sieg, aber dafür ein sicherer. Diese Taktik macht die Meisterschaftsbegegnungen für Zuschauer so langweilig.

Hat man dann gewonnen, war es nur das Würfelglück, sonst nichts.


Zum Inhaltsverzeichnis / Zum Abo - Coupon / Brief an die Redaktion