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Brüssel bremst Das erwartete Weihnachtsgeschäft der Medienkonzerne Bertelsmann und Kirch beim digitalen Fernsehen ist empfindlich gestört. Nach Informationen des Spiegel informierte die Wettbewerbskommission der EU unter Karel van Miert die beiden Pay-TV-Partner, daß die gemeinsame Vermarktung des Decoders d-Box sofort einzustellen sei. Das für das neue TV nötige Empfangsgerät dürfe bei Premiere digital nicht mehr verkauft werden, bis die EU-Kommission über die beantragte Fusion der Pay-TV-Sender Premiere und DF 1 von Bertelsmann und Kirch entschieden habe. Über diese Allianz soll das neue Fernsehen eingeführt werden; die Konzerne warben bereits für ihren Decoder, den bis vor Monaten nur Kirch genutzt hat. Van Miert will mit seinem harten Eingriff verhindern, daß Fakten geschaffen werden, die nicht mehr veränderbar sind. Gleichzeitig müssen Bertelsmann und Kirch öffentlich klarstellen, daß ihre Pay-Fusion noch nicht genehmigt sei und die d-box-Technologie nicht den einzigen Standard auf diesem Gebiet darstelle. Bertelsmann-Manager Rolf Schmidt-Holz kann die Entscheidung "juristisch nicht nachvollziehen". Er hofft, den EU-Kommissar bei einer Anhörung am 3. Dezember noch überzeugen zu können. Adel hungert Auch der schwedische Adel muß jetzt hungern. Wie das Königshaus in Stockholm offiziell mitteilt, leidet Prinzessin Victoria (20) unter "Eßstörungen". Nach der Veröffentlichung von Bildern, die eine abgemagerte Prinzessin im Ballkleid zeigten, war in der Presse über die Ursachen der plötzlichen Magerkeit der bisher eher rundlichen Thronfolgerin spekuliert worden. Die Eltern von Victoria, König Carl Gustav und Königin Silvia, entschlossen sich daraufhin, öffentlich über die Gewichtsschwankungen der Tochter zu sprechen. Zugleich erinnerte Königin Silvia daran, daß auch sie selbst als Teenager mit leichten Figurproblemen kämpfen mußte, bis sie schließlich zu ihrer jetztigen Form gefunden habe. Ob Victoria, wie die Presse vermutet, am Diana-Syndrom Bulimie leidet, darüber schwiegen sich die Eltern aus. Weitere Parallele: Wie schon Prinzessin Di hatte auch Victoria in der Vergangenheit eine besondere Liebe zu einem Pferdepfleger bewiesen. Jetzt fehlt nur noch der falsche Chauffeur. Lenin spart Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin, besitzt ein Sparbuch bei der Zürcher Kantonalbank. Als der in die Schweiz emigrierte Bolschewik 1917 via Deutschland gen Rußland aufbrach, ließ Lenin noch ganze 5,05 Franken auf seinem Sparbuch und übergab es an Raissa Charitonowa, die damals die Parteifinanzen verwaltete. Damit sollte der noch ausstehende Mitgliedsbeitrag des Revolutionärs beglichen werden. Aber die Charitonowa hob das Geld nicht ab, mit den Worten "Die Anlage ist nicht groß, aber dafür ist der Anleger ein großer Mann" nahm sie Sparbuch vielmehr mit nach Moskau, wo es im Archiv des Instituts für Marxismus-Leninismus brav aufgehoben wurde. Bis 1939 wuchs der Restbetrag auf dem Konto-Nr. 611361 durch Zinszahlungen auf 12,90 Schweizer Franken, danach wurde das Geld auf ein Sammelkonto überführt und galt als "nachrichtenlos". Olga Uljanowa, eine Nichte Lenins, erhob jetzt gegenüber der Moskauer Tageszeitung Komsolmolskaja Prawda Anspruch auf den seit Jahrzehnten vor sich hinzinsenden Betrag. Fraglich ist noch, wie die Zinsen von 1939 bis heute zu berechnen sind. Legt man einen Zinssatz von vier Prozent pro Jahr zugrunde, hätte Uljanowa Anspruch auf 125,47 Franken, das sind umgerechnet knapp 155 Mark. Libeskind kontert Der Architekt des Jüdischen Museums in Berlin, Daniel Libeskind, hat einen Vorschlag des Präsidenten der Berliner Akademie der Künste, György Konrad, zurückgewiesen, wonach der von Libeskind geschaffene Bau als Ersatz für das geplante Mahnmal für die jüdischen Opfer des Holocaust dienen solle. Im Magazin "Kulturzeit" auf 3sat erklärte Libeskind, das Jüdische Museum sei keine "Gedenkstätte, sondern ein lebendiges Museum, das die gemeinsame Geschichte über den Holocaust hinaus bis in die Zukunft der Stadt hinein zeigen soll". Konrad hatte die vier Entwürfe für das Mahnmal, über die im Januar endgültig entschieden wird, in einem Beitrag der Frankfurter Allgemeinen als "gnadenlosen Kitsch" bezeichnet und angeregt, statt des Mahnmals lieber einen "Garten des Spiels und der Besinnung" zu schaffen. Libeskind, von dem einer der vier Wettbewerbsvorschläge stammt, entgegnete: "Ich bin gegen eine Gedenkstätte, die die Erfahrungen des Mordes in eine Art von Karneval oder in ein Geisterhaus verwandeln." Sein Entwurf für das Denkmal für die ermordeten Juden Europas sieht vor, die Hohlräume des Jüdischen Museums ausgießen zu lassen und den Abdruck auf eine Kiesfläche in Form des Reichstag-Grundrisses zu stellen. Seliger Wittgenstein Die Erkenntnis, daß Philosophie im wesentlichen Theologie ist, verdanken wir dem unglücklichen Ludwig Wittgenstein. Genau achtzig Jahre, nachdem er mit dem scharfen Rasiermesser seines "Tractatus" untheologische Sätze von theologischen abtrennte, wurde der Vatikan auf ihn aufmerksam. Gerade erklärte der durch seinen Osservatore Romano, Wittgenstein könne doch vielleicht bei der "Klärung und Reinigung traditioneller religiöser Thesen" nütze sein. Das ist - wenn man unter Reinigung nicht Abschaffung versteht, die ja gelegentlich reinigend wirkt - schwer vorstellbar. Nicht ganz falsch liegt die Zeitung immerhin mit ihrer Einschätzung, der Sprachphilosoph habe nichts gegen Religion einzuwenden gehabt, solange man sie nicht mit Wissenschaft verwechselt. Seinen Geist soweit zu drosseln, bis er endlich Gott sieht, gelang dem Melancholiker allerdings bis zu seinem Tode im Jahr 1951 nicht. Ob das zur Seligsprechung reicht? Unseliger Artaud "Ich verneine die Taufe und die Messe. Es gibt keine menschliche Handlung, die (Ö) bösartiger wäre als die Ausgießung des sogenannten Jesus Christus auf den Altären." Daß diese poetischen Sätze noch einmal aus unseren Transistors dringen würden, hätten wir nicht für möglich gehalten. Und dann auch noch zerkaut, gedehnt und gebrüllt von M. Antonin Artaud, dem Meister der "cruauté"! Bei der ersten Ausstrahlung seines Hörspiels "Pour en finir avec le jugement de dieu" ("Schluß mit dem Gottesgericht", 1947) in Deutschland (letzte Woche auf Deutschlandfunk) störte nur das protestantische Timbre der Übersetzerstimme, eine geradezu bösartige Ausgießung.
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