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Nachrichten

Voynet sagt nicht mehr nee

So grün wie ein Maisblatt wäre sie gerne: die französische Umweltministerin Dominique Voynet. Das allerdings welkt zusehends, jedenfalls seit die Umweltaktivistin in der Regierung sitzt. Jetzt hat sie auch Freude an knallgelben Maiskolben gefunden - genetisch veränderten. Das freut den Schweizer Pharmakonzern Novartis, der nun eine Genehmigung erhalten hat und seine genmanipulierten Sorten in Frankreich anbauen darf. Verboten bleiben zunächst Freilandversuche mit genveränderten Rüben und Raps, beteuerte Voynet. Dies gelte so lange, wie wissenschaftlich nicht zweifelsfrei nachgewiesen sei, daß die Aussaat keinerlei Gefahr für Mensch und Umwelt bedeute, so die Grüne. Madame Voynet, das ist doch nicht Ihr Ernst! Gleichberechtigung für Mais, Raps und Rüben! Freiheit für alle Kreaturen, die in Labors gequält werden! Dies gilt solange, wie nicht wissenschaftlich zweifelsfrei nachgewiesen ist, daß Fahrrad fahren zu keinerlei Gefahr für Mensch, Hund und Ameise führen könnte. Andernfalls, Madame Voynet, werden Sie sich - Novartis ist überall - vom Pariser Acker machen müssen!

Transrapid: Kein Glück in Las Vegas

Wo am Hafen die Fische und die Schiffe schlafen, da ist Hamburg - das wissen wir spätestens seit den Lassie Singers. So blöd wie in Hamburg ist man in Lassies Heimat allerdings nicht. Los Angeles und Las Vegas haben sich offenbar von dem Gedanken verabschiedet, eine Transrapid-Trasse zwischen den beiden Metropolen zu bauen. Das gab jetzt einer zu, der nicht nur zwischen Hamburg und Berlin Transrapid-surfen will, sondern auch der letzte wäre, solch Kunde nicht zu verheimlichen. Ohne staatliche Unterstützung, so der Geschäftsführer der Thyssen Transrapid System GmbH, Hans Georg Raschbichler, habe sich der Ausbau der in Erwägung gezogenen Strecke als "betriebswirtschaftlich undurchführbar" erwiesen. Wenn es in den USA überhaupt noch etwas werden könnte mit dem Transrapid, dann höchstens auf der nur noch 64 Kilometer langen Strecke zwischen Washington und Baltimore, oder auch auf einigen Strecken zwischen den Flughäfen und den Innenstädten. Auch in China und Australien, die sich für Transrapid-Vebindungen interessieren sollen, sind die Magnetbahn-Manager noch keinen Schritt weitergekommen. Also zurück in den kalifornischen Traum: Von San Diego über Los Angeles und San Francisco nach Sacramento soll nun die Bahn auf Stelzen - ob aus Stahl oder Beton, wissen die Planer noch nicht so genau - geführt werden. Be carefull, Mister Raschbichler, pacific sharks don't sleep!

China will in die WTO

China will sich bessern. Für die angestrebte Mitgliedschaft in der Welthandelsorganisation WTO, wogegen die USA sich mächtig ins Zeug legen, sei man sogar bereit, auf hohe Zölle für bestimmte Produkte zu verzichten, berichtete jetzt EU-Handelskommissar Sir Leon Brittan. Das habe er am Rande der Konferenz der Asiatisch-Pazifischen Handelskooperation (Apec) in Vancouver erfahren. Chinas Konzessionen, so Brittan, seien die bisher weitestgehenden, die derzeit laufenden Beitrittsverhandlungen könnten nun zu einem Durchbruch gelangen, hofft Brittan. Den Durchbruch erhoffen sich allerdings auch die europäischen Konzerne auf dem chinesischen Markt. Da China aber in die WTO will, wird es sich beugen müssen - zumindest ein Stück, wie es die konfuzianische Höflichkeit gebietet.

Meidet die Döner, Ossis!

Im Osten geht die Sonne auf. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) macht jetzt den Ossis Hoffnung auf baldige Besserung. Die Mehrzahl der Ostunternehmen gehe zuversichtlich in das neue Jahr, so das IW. Fast zwei Drittel der befragten Unternehmen wollten die Produktion steigern, knapp die Hälfte mehr investieren, und allenthalben werden steigende Gewinne erwartet. Daß es, wenn es Kapitalisten gutgeht, den Lohnabhängigen nicht unbedingt so gehen muß, das haben die Ossis zwar im Staatsbürgerkunde-Unterricht gelernt, aber wieder vergessen. Auch im nächsten Jahr dürften netto weitere 30 000 Arbeitsplätze im Osten abgebaut werden. Im Mai noch war die Welt in Ordnung. Ein sogenanntes Bündnis für Arbeit Ost war eigens von Bundeskanzler Helmut Kohl geschmiedet worden, jährlich 100 000 neue Arbeitsplätze im Osten dadurch zu schaffen, daß westliche Handelsriesen aufgefordert wurden, Würstchen aus Eberswalde, Haloren-Kugeln aus Zschkopau und Küßchen aus Grabow einzukaufen.

Seitdem ist viel geschehen: Just 100 000 Menschen östlich der Elbe haben ihren Job verloren, die Arbeitslosenquote liegt bei knapp 20 Prozent. Änderung nicht in Sicht. Gute Nachrichten also für Gollwitzer und Dolgenbrodter. Wer keinen Job hat - da sind sich Manfred Stolpe von der SPD und Ellen Brombacher von der Kommunistischen Plattform in der PDS einig - darf sein, was er oder sie ist: ein rassistisches Arschloch. Ein Umstand, den nach Westberlin pendelnde Ossis, die Nichtdeutsche vom Arbeitsmarkt verdrängt haben, leidvoll erfahren müssen. Unzählige Opfer, die von den Medien verschwiegen werden, damit es nicht zum Bürgerkrieg kommt: Täglich werden in Kreuzberger und Neuköllner Slums - Ausländerarbeitslosigkeit bei über 30 Prozent - alle, die irgendwie ostdeutsch aussehen oder riechen, von Pitbulls zerfleischt, mit Goldkettchen erdrosselt, mit Knoblauch vergiftet, von Cabrios zu Tode gehetzt und im Dönerladen aufgespießt. Meidet die Döner, Ossis!

Euro braucht Eurofighter

Daß eine Weltregion, die gegen Ostasien und Nordamerika anstinken will, schlechterdings Kampfflugzeuge von Chinesen, Russen oder Amis, also den künftigen ökonomischen und militärischen Konkurrenten - kaufen kann, nur weil diese moderner oder billiger sind; daß also die westeuropäische EU darauf bestehen muß, ihren Eurofighter - koste es, was es wolle - selber zu bauen, um industrie- und militärpolitisch mit den Nebenbuhlern Schritt zu halten - das sehen die Beschäftigten der Dasa ein. Anders als zum Beispiel SPD und Grüne, die zwar auch für ein Euro-Europa sind, aber gegen den Eurofighter polemisieren. Die Dasa-Belegschaft begrüßt den Beschluß zum Bau des Eurofighters, versicherte die Gesamtbetriebsratsvrositzende Ingrid Lüllmann in der vergangenen Woche. Zu kurz wäre gegriffen, den Dasa-Beschäftigten zu unterstellen, ihnen gehe es nur um die 18 000 Arbeitsplätze, die der Eurofighter-Auftrag langfristig sichert. Die Dasa-Beschäftigten haben verstanden, und sie werden auch nur wenig murren, sollte die Straffung des europäischen Airbus-Konsortiums - der weltweit einzige Konkurrent des

US-Flugzeug- und Rüstungsmultis Boing/McDonnel-Douglas - zu Stellenverlusten an einzelnen europäischen Standorten führen. Schließlich dürfte die Triadenkonkurrenz zu rasant steigenden Auftragszahlen führen.

  •  Die Nachrichten wurden von Richard Rother zusammengestellt


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