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| | Ohne Yen nichts los
Von der asiatischen Finanzmarkt-Krise ist auch Japans Bankenwesen betroffen Der Stuhl von Japans Ministerpräsident Ryutaro Hashimoto wackelt. Die Bankenkrise des Landes hatte den liberaldemokratischen Regierungschef bereits 1991 den Posten des Finanzministers gekostet. Damals offenbarte sich bereits in Ansätzen die brisante Kreditvergabe der japanischen Banken, die in dem asiatischen Inselstaat mittlerweile eine Pleitewelle verursacht. Ausgelöst wurde die Krise durch die Situation auf den regionalen Finanzmärkten. Mehr als umgerechnet 460 Milliarden Mark haben Japans Kreditinstitute in den letzten Jahren den Ökonomien Asiens zur Verfügung gestellt. Deren Rückzahlung ist durch die aktuelle Situation unsicher. Dabei arbeiten Japans Banken seit Jahren verlustreich. Denn vorrangige Aufgabe ist die Finanzierung von Spekulationsgeschäften der nationalen Industrie. Um den Bauboom Ende der achtziger Jahre zu finanzieren, vergaben die Banken großzügige Kredite an Unternehmer; allerdings konnten diese Immobilien nicht gewinnbringend veräußert werden, so daß keine Rückzahlungen erfolgten. Auf diese Situation reagierten die Banken, indem sie gegenseitig den Kunden anderer Institute neue Kredite verschafften, damit diese dort ihre Darlehen abzahlen konnten. Mindestens 350 Milliarden Mark, wurde 1992 von Experten angenommen, sollen so in die Wirtschaft gesteckt worden sein, ohne daß jemals eine Rückzahlung zu erwarten sei. Aktuell beziffern die 19 japanischen Banken ihre "Problemkredite" auf etwa 240 Milliarden Mark. Das dürfte aber nur der Anfang sein. Als die Yamaichi Securities in der vergangenen Woche die Rückgabe ihrer Bankenlizenz und damit den Bankrott des Hauses ankündigte, wurden Verlustverschiebungen in großem Ausmaß bekannt. Einen Teil der ungedeckten Kredite hatte das Institut einer Briefkastenfirma auf den Kaiman-Inseln zugeschrieben. Gleichzeitig wurden sogenannte tobashi-Geschäfte im großen Umfang bekannt. Dabei werden Spekulationsverluste zwischen den Kunden hin- und hergeschoben, um an langjährige Anleger "Verlustausgleiche" in Millionenhöhe auszahlen zu können. Einspringen muß jetzt das Finanzministerium, das Anfang vergangener Woche den Kunden der Yamaichi Securities eine Absicherung versprach: Die Verbindlichkeiten der Bank in Höhe von umgerechnet knapp 465 Milliarden Mark werden vom Fiskus übernommen. Allerdings, so berichtet die japanische Tageszeitung Asahi Shimbun, habe man im Finanzministerium schon zuvor über die Situation bei Yamaichi Securities Bescheid gewußt, hätte jedoch nicht angemessen reagiert. Das Ministerium bestreitet diese Darstellung jedoch. Der Vorwurf ist nicht neu, auch 1991 beschuldigte man die Politik, sie habe von der Praxis der Kreditvergabe gewußt. Ohne umfangreiches deficit spending hätte Japan seine momentane wirtschaftliche Stellung nie erreichen können. Tokio finanzierte auf diese Weise auch den Boom der gesamten Region. Transaktionen innerhalb des ostasiatischen Raums erfolgten zu sieben Zehnteln als "weiche" - d.h. risikoreiche - Kredite, der Rest galt als "Entwicklungshilfe" Japans. Mit dieser Strategie wollte man eigentlich auch die aktuelle Krise durchstehen, durch die Vergabe neuer "weicher" Kredite im Rahmen eines asiatischen Währungsfonds. Wie die Tageszeitung International Herald Tribune hatte nämlich auch Tokio erkannt, die Krise sei "die Gelegenheit für Japan, sich selbst zu helfen, indem es der Region hilft". Die USA machten das allerdings zunichte, weil sie auf der Konferenz der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftskooperation (Apec) in der vergangenen Woche einem solchen Fonds nur zustimmen wollten, wenn dieser sich an den Kreditvergabekriterien des Internationalen Währungsfonds (IWF) orientiere, also deficit spending ausschließe. Die Opposition fordert von der liberaldemokratischen Regierung Hashimotos bereits seit dem 12.November, als die Bankenwerte an Tokios Börse die ersten starken Einbußen verzeichneten, eine Sanierung des Kreditwesens. Wie in anderen Staaten der Region hätte das aber auch eine Schließung einiger Institute bedeutet, weshalb sich das Kabinett dem widersetzte. Premier Hashimoto wurden bereits während seiner Zeit als Finanzminister besonders gute Kontakte zu den Bankenhäusern Yamaichi Securities, Daiwa Bank, Nikko und Nomura nachgesagt. Sie sollen insbesondere bei den Finanzkrisen von 1987 und 1990 in Absprache mit dem damaligen Finanzminister verhindert haben, daß Tokios Börsenkurse genauso stark fallen wie an der Wall Street oder in Europa. Im Gegenzug hat Hashimoto bisher den Finanzsektor des Landes vor ausländischer Konkurrenz geschützt. Zum größten Teil handelt es sich genau um jene Institute, die sich jetzt in einer prekären finanziellen Lage befinden. Nikko und Daiwa gehören zu jenen Instituten, deren Kurse seit Mitte November fallen, aber immerhin haben sie bisher überlebt, während neben Yamaichi bereits drei andere Institute aufgegeben haben. In einem am 18. November verabschiedeten Maßnahmenpaket zur "Konjunkturstimulierung" ist jetzt nicht nur festgeschrieben, daß die Regierung aus einer Extra-Kasse des Finanzministeriums die krisengeschüttelten Banken unterstützen wird, sondern auch eine Marktöffnung im Bereich Telekommunikation, bei Pflegediensten, Tankstellen sowie Inlandsflügen. Außerdem sollen die Bebauungsvorschriften gelockert werden. Der somit ermöglichte Bau höherer Gebäude in Ballungsgebieten solle die Konjunktur ankurbeln. Die Investition in Immobilien wird aber erneut vorfinanziert werden müssen - das Spielchen kann also von vorn beginnen.
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