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Elchtest, die Letzte
Ein finales Bonmot zum Elchtest (dann muß aber auch irgendwann gut sein!): Seit Bekanntwerden der neuralgischen Gleichgewichtsschwäche des A-Klässlers beim sog. Elchtest Anfang November hat der Kurs der Daimler-Aktie um satte zehn Prozent nachgegeben - da macht also quasi das Rentier dem Rentier einen Strich durch die Rechnung. P. S.: Ein Nachtrag ist doch noch fällig: Wie die Thüringer Allgemeine meldet, hat ein Trabbi den Elchtest mit Bravour bestanden. Auf dem ehemaligen russischen Militärflugplatz Kindel bei Eisenach hatte man den Testaufbau nachgestellt und ein Serienmodell der Marke Trabant zunächst mit 50, dann mit 60, schließlich mit 75 Kilometern in der Stunde durch die Schikane gejagt, ohne daß die Rennpappe auch nur Anstalten machte, in die Vertikale zu gehen. "Trotz seines viel zu leichten Hecks ist der Trabant ungeheuer spurstabil", kommentiert Testfahrer Mario Schumann vom "MC Gotha". Wie lautete noch gleich der alte Ostblock-Slogan? Richtig: "Überholen, ohne umzufallen!" Sexy I Der Spiegel erklärt uns in seiner letzten Ausgabe, was in Zusammenhang mit der Steuermaterie sexy ist: "Sexy ist alles, was die Tausender dem Fiskus vorenthält. Und so pumpen Anleger ihr Geld bedenkenlos in Schiffe 'Made in Korea', Windkraftanlagen, Heizkraftwerke bei Cottbus, Seniorenresidenzen bei Leipzig oder Plattenbauten in Marzahn." Lapsus hin oder her - schöner wurde im deutschen Journalismus der Fetischcharakter des Geldes und die subtile Erotik des Kapital-Vorschießens wohl kaum je in Worte gefaßt. Wir stellen uns dickbäuchige, zigarreschmauchende Pfeffersäcke vor, die mit Schiffen und Immobilien kopulieren, um beim Höhepunkt immense Geldbeträge in deren Inneres zu "pumpen". Der Höhepunkt bringt natürlich einen Tiefpunkt bei der Einkommensteuer mit sich: von 41,5 Milliarden 1992 sank das tatsächliche Aufkommen auf geschätzte fünf Milliarden 1997. Sprich: leitende Angestellte und Selbständige zahlen demnächst bald gar keine Steuern mehr. Der Satz Omne animal post coitum triste, trifft in diesem Fall, um im Bild zu bleiben, nur auf das Bonner Tier mit den Augenbrauen zu. Sexy II Neben Geld auch unheimlich sexy: Autos. Allein im Oktober wurden EU-weit 1,16 Millionen Fahrzeuge neu zugelassen, was einem Anstieg gegenüber der entsprechenden Vorjahreszahl von 8,9 Prozent entspricht. Maßgeblich zu verantworten haben das die Italiener, weil es dort staatliche Anreize für den Erwerb eines Neuwagens gibt; dort liegt die Zahl für Oktober 58,3 Prozent über der des Vorjahres. Europäischer Marktführer bleibt die VW-Gruppe mit einem Anteil von 17,1 Prozent. Wieviele Italiener sich im Oktober einen Volkswagen zugelegt haben, geht aus den Zahlen jedoch nicht hervor. Ebenso kann nicht ausgeschlossen werden, daß VW-Aufsichtsratsmitglied Gerhard Schröder demnächst auch hierzulande eine staatliche Bezuschussung von Neuwagenkäufen in die Diskussion bringen wird. Behinderte Arbeitgeber Was Arbeitgeberverbände nicht alles ausrechnen lassen, wenn der Arbeitstag eh schon lang genug ist Ö Die vorgeschriebene Pflichtquote zur Beschäftigung von Schwerbehinderten sei mit sechs Prozent zu hoch angesetzt. Zwar beschäftigt kaum ein Betrieb tatsächlich die entsprechende Zahl an Schwerbehinderten; die meisten kaufen sich davon frei. Aber genau darum geht es dem BDA: Die zusätzlichen Sozialabgaben der Unternehmen, so rechnet er vor, könnten um 500 Millionen DM runter gehen, wenn die Pflichquote um ein Prozent gesenkt würde. Auf deutsch: Unternehmen fühlen sich durch diese Quote in der freien Ausübung ihres Rechtes auf Gewinnerzielung behindert. Zwar halten sich gegenwärtig die Zahl der arbeitslosen Schwerbehinderten und die der offenen Stellen mit 160 000 in etwa die Waage, aber, so die Logik des BDA, in Zeiten allgemein schlechter Beschäftigung dürften für Krüppel keine Sonderkonditionen gelten. Das ist mithin, was Arbeitgeber unter affirmative action verstehen: Gleiches Recht auf Arbeitslosigkeit für alle! Weltrekord Während wir vorhin für 16,50 Mark - das entspricht etwa 9 US-Dollar - Bier vom Büdchen geholt haben, ist in Übersee gerade der größte Deal ever unter Dach und Fach gebracht worden. Für 36,5 Milliarden Dollar übernimmt der US-amerikanische Telekom-Anbieter Worldcom den britischen Anbieter MCI. Gemeinsam machen die beiden jetzt 30 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr und reichen damit fast an den Giganten AT&T heran (50 Milliarden Dollar Umsatz). Natürlich hatte Worldcom die 36,5 Milliarden Dollar auch nicht mal eben so auf der hohen Kante; es handelt sich hier um die zunehmend in Mode kommende Praxis des leveraged takeover, bei dem ein Bankenkonsortium das Geld vorschießt und hofft, daß sich das alles über die gestärkte strategische Marktposition des fusionierten Unternehmens irgendwann rechnen wird. Wird es auch, vermutlich. Deshalb werden wir auch in Zukunft von dieser Sorte Übernahme gerade im Telekommunikationssektor, wo alle Zeichen auf Konzentration stehen, noch die eine oder andere erleben. Dennoch: 36,5 Milliarden Dollar, das ist vorläufiger Weltrekord; der größte Betrag, der jemals für ein einzelnes Unternehmen auf den Tisch geblättert wurde. Nur zur Veranschaulichung: Für das Geld kann man etwa 400 Millionen Mal Bier holen gehen. Lex Schröder Leider zu spät für den ehemaligen März-Verleger Jörg Schröder (drei Offenbarungseide) tritt jetzt eine Novelle in Kraft, die das Insolvenzrecht entschärfen und behutsam angelsächsischen Gepflogenheiten anpassen soll. Bisher galt für persönliche Schulden stets eine Verjährungsfrist von dreißig Jahren und somit de facto der Grundsatz: einmal pleite, immer pleite. Einzige Möglichkeit, den Konkurs abzuwenden, war ein Vergleich, bei dem die Gläubiger auf einen Teil ihrer Schulden verzichten, um den Fortbestand des Unternehmens zu ermöglichen. In Zukunft soll es dem Schuldner möglich sein, sich ohne Zustimmung der Gläubiger von seinen Restschulden zu befreien. Nach einer Bewährungsfrist von sieben Jahren (Wohlverhaltensperiode), werden diese dann ganz gestrichen, vorausgesetzt, bei der vollständigen Offenlegung der wirtschaftlichen Verhältnisse treten keinerlei Ungereimtheiten auf. Weil das Gesetz jedoch kaum rückwirkend gelten dürfte, bedeutet es Erleichterung lediglich für Crash-Piloten in spe, nicht für bereits avancierte.
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