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NachrichtenLeuna 2000 Der französische Petrolkonzern Elf - wir erinnern uns: Zu einem Spottpreis hatte Elf seinerzeit von Ex-Verkehrsminister Günther Krause sämtliche ostdeutschen Raststätten gekauft, den Problembezirk Bitterfeld gab's gratis dazu, nebst einigen unerheblichen Subventionsmilliönchen - teilt via Anzeige mit: "Gewiß, leicht war es nicht. Doch dank exakter Planung und hervorragender Zusammenarbeit mit allen Beteiligten hat Leuna 2000, Europas modernste Raffinerie, Mitte Oktober mit dem Einbringen des ersten Rohöls in die Anlage den Probebetrieb aufgenommen. Was uns dabei besonders stolz macht, ist die Tatsache, daß wir alle Herausforderungen gemeistert haben. Der Zeitplan wird exakt eingehalten, die kalkulierten Kosten werden nicht überschritten, und die mit der Raffinerie verbundenen 2 550 Arbeitsplätze werden geschaffen bzw. erhalten. Von nun an ist es nur noch ein kleiner Schritt, bis die größte Einzelinvestition in den neuen Bundesländern abgeschlossen sein wird." Unter dem Logo "Das ist Elf" stehen dann noch untereinander die Begriffe: Modernität, Erfahrung, Menschen, Fortschritt, Investitionen, Erlebnis, Zukunft, Forschung, Innovation, Infrastruktur, Globalisierung, Umweltschutz, Arbeitsplätze, Logistik, Kultur, Technologie, Savoir Vivre, Leuna 2000. Liest man die fettgedruckten Anfangsbuchstaben hintereinanderweg, ergibt das: MEMFIEZFIIGUALKTSL. Und so etwas nennt sich heutzutage Public Relations. Krupp 2000 Was Krupp in Essen, sind wir im Trinken - dieser Satz wird in Zukunft lauten müssen: Was Krupp in Thyssen, sind ... beziehungsweise: Was Krupp-Thyssen in ... Egal. Jedenfalls haben die beiden Stahlgiganten jetzt, nachdem eine feindliche Übernahme gescheitert und eine Kooperation im Stahlsektor bereits vereinbart war, die Vollfusion beschlossen (Jungle World, 39/97). Die Aktiennotierungen beider Konzerne tendierten auf diese Ankündigung hin freundlich, weil mit der Fusion ein erneuter Arbeitsplatzabbau und also eine Effizienzsteigerung zu erwarten ist. Shareholder Value lautet der zugehörige Euphemismus. Allerdings, so ist zu hören, werde die Zahl der wegrationalisierten Arbeitsplätze hinter dem bereits erfolgten Abbau zurückbleiben, so daß es keinen Grund zur Aufregung gebe. Wie mal jemand in ganz anderem Zusammenhang bemerkt hat: Sie drehen das Wasser in der Badewanne so langsam heißer, daß man nicht weiß, wann man schreien soll. Euro 2000 Der Streit um den Vorsitz der Europäischen Zentralbank geht vorerst weiter. Nachdem bereits klar ist, daß die Bank, die dermaleinst für die Herausgabe und Kontrolle des Euro zuständig sein wird, ihren Sitz in Frankfurt haben wird, wo man etwas von Geld versteht, sind jetzt die Franzosen auf den absurden Gedanken verfallen - gemäß dem Motto: Jeder Vorstoß ein Franzos' -, einer der Ihren könne den leitenden Posten dort übernehmen. Als Kandidaten schickten sie den unbekannten Jean-Claude Trichet gegen den allseits favorisierten Niederländer Wim Duisenberg ins Rennen. Große Chancen darf er sich jedoch nicht ausrechnen, denn erstens hat Duisenberg den cooleren Namen, und zweitens ist ja wohl hinlänglich bekannt, daß Franzosen sowieso mit Geld nicht umgehen können. Inzwischen hat sich die Liste der Kandidaten allerdings erneut erweitert, und endlich hat mal jemand den einzig vernünftigen Vorschlag gemacht, daß doch der deutsche Notenbankchef Tietmeyer das Amt bekleiden solle, weil der ja ohnehin schon in Frankfurt wohnt. Und zwar stammt der Vorschlag vom italienischen Finanzminister Ciampi, auch Ministerpräsident Prodi signalisierte, er habe "nichts dageggen". Na, mit der bewährten Achse Frankfurt- Rom wird der welschen Vermessenheit doch ein für allemal Einhalt zu gebieten sein. Busfahrer 2000 Vor dem Hamburger Arbeitsgericht klagen 64 Busfahrer der Hochbahn AG gegen einen von ihrem Arbeitgeber mit der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) im Frühjahr 1996 abgeschlossen Tarifvertrag. Im Gegensatz zu den rund 2 000 Busfahrer, die vor dem 1. Januar 1991 den Dienst im öffentlichen Nahverkehrsunternehmen angetreten haben, bekommen rund 500 Busfahrer, die nach diesem Datum bei der Hochbahn eingestellt wurden, weniger Gehalt, haben weniger Pausen und Urlaub und müssen länger arbeiten. Um die Arbeitsplätze denoch zu halten, schluckte die ÖTV eine Kröte und stimmte einem Tarifvertrag zu, der besagt, daß alle Busfahrer die nach dem 1. Januar 1991 eingestellt wurden, rückwirkend einige Tarifgruppen niedriger eingruppiert werden. Außerdem fiel die Bezahlung einer täglichen Pause von einer halben Stunde weg und anstatt 37 Stunden, arbeiten die Busfahrer 38,5 Stunden. Im Gegenzug verzichtete die Hochbahn auf betriebsbedingte Kündigungen bis zum 31. Dezember 2000. Gegen die finanzielle Schlechterstellung klagen nun die 64 Busfahrer. Reiche 2000 Daß die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden werden - das wissen nicht nur Robin Hood und Spiegel, sondern das hat jetzt auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) höchstwissenschaftlich belegt. Immerhin hat der ideelle Gesamtbundesbürger rund 4,6 Billionen Mark auf der hohen Kante - als Spar- und Bauspareinlagen, Wertpapiere oder Lebensversicherungen. Allerdings: Die Verteilung ist höchst unterschiedlich. Ein Fakt, der sich aber nur grob belegen läßt, da derartige Daten nur unzureichend erhoben werden. Die aktuellsten Daten zur Streung der Vermögen enthält die Einkommensstichprobe von 1993 - diese erfaßt allerdings nur Haushalte mit einem monatlichen Einkommen bis zu 35 000 Mark, ignoriert also rücksichtsvoll die Superreichen. 40 Prozent der Geldvermögen, so das DIW, werden damit nicht erfaßt. Das unterste Zehntel der Haushalte besaß höchstens 4 000 Mark, die wohlhabensten sechs Prozent der erfaßten Haushalte nannten Rücklagen von mehr als 200 000 Mark ihr eigen, ihnen gehörte knapp ein Drittel des Gesamtvermögens. Neidisch sind wir, die tapferen Jungle-Kämpferinnen und -Kämpfer, jedenfalls nicht: Lieber arm, gesund und sexy als reich, fit und schön! Crash 2000 Der Große Börsencrash, den viele nach der Asiengrippe schon heraufziehen sahen, ist auf das Jahr 2000 verschoben worden. "Dann bricht hier eh alles zusammen, weil unsere Computer das Datum nicht mehr raffen", so ein Insider.
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