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Jüdisches Museum wird scheinautonom
Das Jüdische Museum in Berlin soll künftig kulturelle und finanzielle Autonomie besitzen, allerdings im Rahmen der Stiftung Stadtmuseum. Damit ist der Streit zwischen Senat und Jüdischer Gemeinde zwar vorerst beigelegt, fraglich bleibt jedoch, ob das Zugeständnis von Kultursenator Peter Radunski, der nur aufgrund massiven öffentlichen Drucks zu diesem Kompromiß bereit war, die versprochene Autonomie dauerhaft sichert, denn die Kritik an der zentralistisch organisierten Stiftung Stadtmuseum bleibt in dem jetzt vorgeschlagenen Modell unberücksichtigt. So kritisierte der kulturpolitische Sprecher der PDS, Thomas Flierl, der Berliner Senat halte an seinem "autoritäten Verfahren zur Lösung der Probleme um das Jüdische Museum fest". Zwar stellten die vorgesehen Veränderungen "zweifellos einen Fortschritt dar", forderten aber einen "zu hohen Preis". Zuletzt war die schon im Sommer 1997 ausgesprochene Kündigung des Direktors des Jüdischen Museums, Amnon Barzel, in eine fristlose Entlassung umgewandelt worden. Die Maßregelung Barzels, der sich vehement gegen die Vorstellungen des Senats ausgesprochen hatte, jüdische Geschichte als eine Variante der Berliner Stadtgeschichte darzustellen, war der Höhepunkt der Querelen um die Konzeption des Museums (Jungle World, Nr.41/1997). Die Kunst des Editorials Das Fußballmagazin Hattrick läßt uns per Geleitwort seiner November-Ausgabe wissen: "Shirley (ein Reporter) hat beeindruckende Bilder zu einer Geschichte mitgebracht, die in die Abgründe eines gesellschaftlichen Umbruchs führt, in dessen Windschatten der polnische Fußball ins Chaos stürzt." Nun ja, so läßt es sich auch sagen. Windige Wunderheiler Im Windschatten des kapitalistischen Schweinekinos aus Hollywood gedeihen zarte Pflanzen deutschen Filmschaffens, die sich den kulturimperialistisch verdrängten Wundern der spirituellen Heilkunst zuwenden. Schon 1993 produzierte die in Much bei Bonn ansässige Grete Häusler GmbH-Film das cineastische Epos "Der Wunderapostel", spendenfinanziert, und sämtliche Beteiligte "arbeiten unentgeltlich aus rein idealistischen Gründen". Der Film, der alle Fesseln sprengt!" kam nun in Frankfurt/Main zur Aufführung. "Zahlreiche Kritiker bezeichnen ihn als überraschend gutes Erstlingswerk" des "noch unbekannten Jungregisseur(s) und Hauptdarsteller(s) Thomas Busse", dem "ein einzigartiges Meisterwerk mit tieferem Hintergrund gelungen" sei. "In einigen Kinos sogar mit stehendem Applaus", in anderen wieder nicht. Dem die tieferen Geheimnishöhen des medizinischen Antikantianismus lüftenden Ereignis ("Eintritt frei") zur Seite gestellt wurden "sensationelle Informationen": "Können Zuschauer durch den Film eine geistige Heilkraft empfangen und sogar erleben?" Man vermutet es. Jedenfalls macht uns das auf der Leinwand gemeisterte Schicksal des "berühmte(n) Geigenvirtuose(n) Beatus Klingohr" glauben, Bruno Grönings (1906 bis 1959) Heilstrom-Methode führe zum Erfolg. "Die Heilungen waren in aller Munde", referiert Grete Häusler, "die selbst von drei unheilbaren Leiden spontan geheilt wurde" und den Bruno-Göring-Freundeskreis (BG-F) "leitet". Ein Wunder mehr: Gröning erreichte das 53. Lebensjahr. 'Tagesspiegel' expandiert Der in Berlin erscheinende Tagesspiegel expandiert. Zwar gibt es keine Zuwächse bei den Abonnenten, dafür wird das Herausgeber-Gremium, dem bisher Hellmuth Karasek und Hermann Rudolph angehören, aufgestockt. Der Newcomer heißt Heik Afheldt und hat das herausgebertypische Alter von 60 Jahren. Afheldt, der bereits Erfahrungen in der Mitherausgabe von Zeitungen bei der Wirtschaftswoche und dem Handelsblatt sammeln konnte, soll den Bereich der Wirtschaftsberichterstattung des Tagesspiegel beratend unterstützen, um die "führende Position als Hauptstadtzeitung" zu verstärken. Sex ist Käse Was tun bei Erektionen? Vielleicht mal die Freundin wecken? Auf diese naheliegende Idee kam kürzlich auch ein Berliner Autonomer. Jetzt muß sich der streng vegan lebende Mann wegen des "unschönen und wohl auch sexistisch zu nennenden Übergriff(s)" (Interim) bzw. wegen "Vergewaltigung" (Interim) vor einem autonomen Laienkiezgericht verantworten. Über "Tathergang" und "Bewegungsabläufe" in jener Nacht sowie über Hintergründe berichtet das Berliner Autonomenblatt Interim auf acht Sonderseiten. Die Freundin des Angeklagten war nach Darstellung des Blattes belästigt, attackiert und vergewaltigt worden, indem "er - der zum Zeitpunkt des Geschehens ihr Liebhaber war - sie nachts dadurch aus dem Schlaf weckte, daß er seinen erigierten Schwanz an ihrem Bein rieb und ihr ins Ohr flüsterte, daß er nun mit ihr Liebe machen wolle ('Jetzt wird nicht mehr geschlafen!'). Als sie daraufhin 'hör auf' sagte, hat er mit seinen Annäherungsversuchen aufgehört." Die "sexuelle Attacke auf eine Schlafende" (Interim) soll jetzt mit dem Ausschluß des Mannes aus der Tierrechtsbewegung geahndet werden. Sex und Käse sind Folter! Brigitten machen Fernsehen Die älteste Frauenzeitschrift der Bundesrepublik, Brigitte, benannt nach der gleichnamigen Diät, wird ab Ende Januar in der ARD ein eigenes Frauenmagazin senden. Das knapp einstündige Format Brigitte TV wird wahrscheinlich eine Art Mona-Lisa (ML) mit Diät-Tips, Klamotten-Vorführen und Human-Interest-Themen. Das Erste erhofft sich, mit Brigitte-TV (samstags 18.45 Uhr) nicht nur ein paar Frauen zu erreichen, sondern glaubt, auch die männlichen Zuschauer vom Fußball auf Sat.1 abhalten zu können. Dreht die ARD jetzt durch? Mist, dieses Mißverstehen "Deutschland ist nicht Utopia", kommentierte die FAZ am 20. Oktober Günter Grassens Laudatio auf den Friedenspreisträger Yasar Kemal. Wohl wahr. "Auch gibt es gelegentlich Fremdenhaß, der widerlich ist", neben solchem, der den Gesetzen der Hermeneutik gehorcht und ohne Brandsätze und Eisenstangen exekutiert wird. "Darf man keine realistische Asylpolitik betreiben, nur weil rechtsradikale Schläger das mißverstehen? Diese werden immer alles mißverstehen." Also, künftig nicht vergessen: Ohne Goethe im Tornister kein Negerklatschen mehr! Sonst gibt's paar hinter die Ohren.
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