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Nordmetall will keine Gewerkschaft
Wenn Auszubildende für eine Lehrstelle freiwillig auf Lohn verzichten, braucht man auch nicht zahlen, meint der Unternehmerverband Nordmetall Es war eine echte Zwickmühle, in der der Betriebsrat von Extel Systems Wedes (ESW) auf seiner letzten Sitzung Ende Oktober steckte: Entweder die Zukunft fünf junger Menschen zu gefährden oder klein beizugeben und zu dulden, daß die bei Hamburg gelegene Elektronikfirma demnächst zwei Klassen von Auszubildenden beschäftigt. Während die einen weiterhin die tariflich vereinbarte Ausbildungsvergütung von monatlich 1 050 Mark bekämen, müßten die anderen mit 590 Mark zufrieden sein. Entstanden war das Problem, als ESW per Zeitungsanzeige "jungen Schulabgängern, die noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, in einer Sonderinitiative" angeboten hatte, zehn weitere Lehrstellen einzurichten, wenn sich Interessierte fänden, die "bereit sind, für einen Ausbildungsplatz auf tarifliche Leistungen zu verzichten, um ihre berufliche Zukunft zu verbessern". Man habe damit nur Gutes tun wollen, heißt es aus der Geschäftsleitung des Unternehmens (730 Beschäftigte), das aus der AEG-Sondertechnik und der Dasa hervorgegangen ist. Und tatsächlich hatten sich 90 junge Frauen und Männer gemeldet, um Kommunikations- oder Industrieelektronik oder einen kaufmännischen Beruf zu erlernen. Aber da war der Betriebsrat dazwischen gegangen. Er begrüße zwar die Initiative, "aber nicht um jeden Preis", teilte er der Geschäftsleitung mit. Die antwortete: "Wir sind der Meinung, daß erkannte Notstände unverzüglich mit gemeinsamer Anstrengung aller angepackt und gelöst werden." Auslöser der Initiative, so Sprecher Ralf Henning, sei "die Hilflosigkeit öffentlicher Gruppen, den jungen Leuten zu helfen", gewesen. Abhilfe soll nun das Arbeitsgericht Elmshorn schaffen. Da er die Ungleichbehandlung nicht dulden wollte, hatte der Betriebsrat der untertariflichen Einstellung der fünf Lehrlinge zunächst widersprochen. Und wäre es nach Arbeitsrichterin Dorle Kröger gegangen, hätte sie diesem Widerspruch auch stattgegeben: Der Betriebsrat sei formell im Recht. Damit wäre allerdings auch die Ausbildung der umstrittenen Lehrlinge beendet gewesen. Also erklärte Betriebsratschef Walter Molterer: "Um die Zukunft der jungen Leute nicht zu gefährden, verzichten wir auf ein Urteil." Und die Richterin schlug vor, die Geschäftsführung könne in einem nachträglichen Ersetzungsverfahren beantragen, die Lehrlinge doch einstellen zu dürfen. Inzwischen hat der Betriebsrat dem Vergleich zugestimmt und hofft, daß im neuen Verfahren die ESW verpflichtet wird, den Tarif einzuhalten. Firmensprecher Henning dagegen hofft, "daß das Arbeitsgericht unser Vorgehen begrüßt und die Auszubildenden zu den jetzigen Bedingungen bleiben können". Daß das Unternehmen mit seinem Vorstoß allerdings wohl doch ein bißchen mehr ausprobieren wollte, als es nun zugibt, legt ein Vertreters des Arbeitgeberverbandes Nordmetall nahe. Gegen die untertarifliche Bezahlung von Auszubildenden habe man nichts einzuwenden, hatte Justitiar Horst Lierhaus schon während des laufenden Verfahrens gesagt. Überhaupt sehe sein Verband kein Problem darin, "Nichtorganisierte unter Tarif zu bezahlen". Der IG Metall-Bezirk Küste interpretiert das als Absicht der Unternehmer, noch einen Schritt weiterzugehen als ESW und künftig einen Trennstrich zwischen gewerkschaftlich organisierten und unorganisierten Beschäftigten zu ziehen. Während die einen ihr Tarifentgelt behalten sollen, sollen die anderen mit jeweils niedrigeren, noch auszuhandelnden Löhnen und Gehältern bezahlt werden. Dann würden organisierte Arbeitnehmer wohl gar nicht mehr eingestellt, mutmaßt man bei der IG Metall. Und IG-Metall- Bezirksleiter Frank Teichmüller erklärte, das sei der "bisher schwerste Angriff auf das Tarifsystem und das Grundgesetz der Bundesrepublik". Nordmetall-Sprecher Günter Willich mochte die Äußerung von Lierhaus auf Nachfrage weder bestätigen noch dementieren: "Die Selbstmordtheorie der IG Metall ist Unfug. Ähnlich einer Vereinbarung in Niedersachsen wollen wir mit der IG Metall über eine geringere Ausbildungsvergütung verhandeln, wenn Betriebe zusätzliche Plätze zur Verfügung stellen." IG-Metall-Tarifexperte Hartmut Meinel weiß nichts von einer solchen Vereinbarung. "Im Zusammenhang mit dem Tarifvertrag über die Lohnfortzahlung haben wir im ersten Ausbildungsjahr die Vergütung nicht erhöht und dafür die Zusicherung erhalten, daß fünf Prozent neue Ausbildungsplätze geschaffen werden."
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