Zum Inhaltsverzeichnis / Zum Abo - Coupon / Brief an die Redaktion


Gute Geschäftsidee wird nicht honoriert I

Wenn man versucht, in einer 136-Quadratmeter-Dienstwohnung drei Bäder unterzubringen, dazu eine Sauna und einen Whirlpool, dann wird's, Marmorböden hin oder her, eng. Eng wird's nun auch für Ewald Matejka, den ehemaligen Geschäftsführer der AOK Chemnitz. Die zum Spaßbad umgebaute Wohnung in einem ehemaligen Schwesternwohnheim gehörte seinem Stellvertreter Franz Xaver Mager, und als der aufflog, fielen auch weitere Unregelmäßigkeiten bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse im ehemaligen Karl-Marx-Stadt auf: Für rund 18 Millionen Mark hatte der gebürtige Bayer Matejka namens der AOK Computer-Software eingekauft - weit überteuert und praktisch ausschließlich bei Firmen im Freistaat, zum Teil auch bei derjenigen seiner Frau. Im Juni erhob die Staatsanwaltschaft Chemnitz Anklage. Sie geht davon aus, daß sich Matejka das Geld mit seinen Geschäftspartnern teilte. Jetzt steht er vor Gericht, das Urteil soll Mitte November fallen.

Freundschaft ist billig

Eingestellt wurde dagegen das Verfahren gegen Rudi Märkle. Der oberste Finanzbeamte Baden-Württembergs hatte seinem Stammtischbruder in einer Stuttgarter Beize erzählt, daß gegen den Konzertveranstalter Matthias Hoffmann ein Ermittlungsverfahren wegen Steuerhinterziehung anhängig sei. Der Stammtischbruder war zufällig ebenfalls Konzertveranstalter und mit Hoffmann befreundet. Der wiederum war kurz nach dem Gespräch verschwunden. Dadurch seien aber die Ermittlungen "nicht erkennbar erschwert oder gar vereitelt" worden, sagte der Staatsanwalt.

Gute Geschäftsidee wird nicht honoriert II

Ein Teilgeständnis hat der Autohändler und frühere CDU-Spendeneintreiber Hans Müller abgelegt. Müller soll, wie der stern 1994 berichtete, regelrechte Drückerkolonnen eingesetzt haben, die potentiellen Spendern ein Geschäft vorschlugen, zu dem sie nicht Nein sagen konnten: Wer der Kohl-Partei spendet, der erhält anschließend beim Autokauf Rabatt. Die Masche scheint so gut funktioniert zu haben, daß Müller irgendwann frech wurde und sieben Spendern einfach kein Auto lieferte. Da war freilich Schluß mit der Parteifreundschaft. Jetzt hat Müller die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, soweit sie den Auto-Deal betreffen, als "objektiv zutreffend" bezeichnet.

Seminar zur Sonderbehandlung

An den Universitäten hat das Semester wiederbegonnen - mit all seinen unangenehmen Begleiterscheinungen: An der Uni Mainz wird ein Seminar zum Thema "Ethik des Lebensrechts" angeboten, am Philosophischen Seminar der TU Braunschweig soll die "Praktische Ethik", das Hauptwerk des Euthanasie-Befürworters Peter Singer, Gegenstand einer Lehrveranstaltung sein. Der Braunschweiger Seminarleiter Peter Buschlinger hat bereits deutlich gemacht, welche Intention er mit der Lehrveranstaltung verfolgt: Es gehe darum, "Singer positiv zu rezipieren, sich an seine Grenzüberlegungen heranzudenken". Das "Herandenken" ist in Deutschland allerdings kaum mehr nötig: Hier hat die These vom "nicht lebenswerten Leben" Tradition.

Monika zu Monika

Die RAF existiert nicht mehr. Doch die RAF-Jäger jagen weiter. Dabei ist der Frankfurter Prozeß gegen Monika Haas, der die Justizbehörden vorwerfen, als Mitglied des palästinensischen Kommandos "Martyr Halimeh" an der Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" beteiligt gewesen zu sein, mittlerweile zum Hauptvorwand für die regelmäßige Einvernahme von RAF-Leuten avanciert. Am 27. Oktober mußte die 1992 wegen der Schleyer-Entführung zu sieben Jahren Haft verurteilte Aussteigerin Monika Helbing zu einem Bericht der Zeitschrift Der Spiegel Stellung nehmen. Das Hamburger Blatt hatte behauptet, "eine RAF-Aussteigerin" - die namentlich nicht genannt wurde -, habe Haas im Herbst 1977 im Bagdader Haus jenes Führers der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) gesehen, der auch für die Landshut-Entführung verantwortlich gewesen sei. Helbing bestätigte, im Oktober 1977 in der irakischen Hauptstadt gewesen zu sein, aber "eine Frau Haas habe ich dort nicht gesehen". Im Laufe dieser Woche soll die seit 15 Jahren einsitzende Brigitte Mohnhaupt zu den Spiegel-Behauptungen vernommen werden.

Keine Liebe für Vera

Die Hoffnungen der von den Grünen zur CDU gewechselten Ex-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld, wenigstens von den Christdemokraten liebgehabt zu werden, scheinen nicht ganz aufzugehen. Um im Wahlkreis Weimar-Apolda-Sömmerda wieder für den Bundestag kandidieren zu dürfen, muß die chronisch verschnupfte Politikerin zwei männliche Mitbewerber aus dem Rennen schlagen, von denen einer in der vergangenen Legislaturperiode direkt ins Parlament gewählt wurde und der andere bereits Pressesprecher der CDU-Fraktion im thüringischen Landtag war.

Zu Besuch bei Eva, Adolf und Blondi

Daß Hitlers Lieblingsberg zu einer "Wallfahrtstätte für Ewiggestrige" werden könnte, fürchtet die bayerische Staatsregierung, seit die Amerikaner vom Obersalzberg bei Berchtesgaden abgezogen sind. Das ist der Berg zwar schon längst: Rund 300 000 Besucher lassen sich alljährlich vom düsteren Charme des Führers als Privatmann anlocken. Aber künftig kann man auch beim Skilaufen oder beim Golfspiel die Luft atmen, die Hitler inspirierte. Dazu soll schon im nächsten Frühsommer ein Dokumentationszentrum kommen, das "einem überwiegend emotionalen, wenn nicht sogar mythischen Geschichtsbild" entgegenwirken soll: Unter anderem mit Ausstellungen zu "Hitlers Beziehung zur Alpenregion" und der "Entwicklung des Obersalzbergs zum Fremdenverkehrsort".

Wie es ihnen gefällt

Mit internationaler Besetzung will vom 20. bis 23. November das Berliner Musikerinnen-Festival "Wie es ihr gefällt" brillieren. Musizierende Frauen aus Italien, Frankreich, Japan, Finnland, den USA und der Tschechischen Republik haben sich im Grünen Salon der Volksbühne angesagt. Bei soviel Internationalität wollten die Veranstalterinnen offenbar auf professionelle Hilfe nicht verzichten: Neben der alternativen tageszeitung und dem ebensolchen Stadtmagazin zitty - die dafür nichts können - prangt auf den Plakaten der Schriftzug der Firma Sorat. Und die betreibt in Berlin die am meisten gefürchteten Wohnheime für Asylbewerber.

  •  Die Nachrichten wurden von Andreas Dietl zusammengestellt


Zum Inhaltsverzeichnis / Zum Abo - Coupon / Brief an die Redaktion