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Wie der Stahl
gehärtet wird Bei Thyssen und Krupp steht die Totalfusion bevor - und niemand ist dagegen Geschönt zum Ersten Mathematisch ist es ganz einfach. Um die Erwerbslosenquoten zu senken, muß man entweder den Zähler - die Anzahl der Arbeitslosen - verkleinern oder den Nenner - die Anzahl der Erwerbstätigen - vergrößern. Kostet keinen Pfennig Geld und macht sich prima in der Bilanz. Mit der ersten Möglichkeit hat die Bundesregierung in den vergangenen Jahren erfolgreich herumexperimentiert: Nach und nach fielen Schulabgänger ohne Lehrstelle oder Hochschulabsolventen ohne Arbeitsplatz aus der Statistik, Kurzarbeiter wurden extra gerechnet, über arbeitsmarktpolitische Maßnahmen Beschäftigte ebenso wenig gezählt wie Arbeitslose, die keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld oder -hilfe haben und sich deswegen nicht mehr beim Arbeitsamt melden - insgesamt verschwanden zweieinhalb bis drei Millionen. Jetzt bietet ausgerechnet das eher sozialdemokratische Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung neue Argumentationshilfen für die zweite Möglichkeit an. Mindestens zwei Millionen Frauen und Männer tauchten bislang zu wenig auf der Erwerbstätigenseite auf, erklärten die Statistiker Ende der vergangenen Woche. Bonner Experten rechneten flugs nach und kamen auf eine neue gesamtdeutsche Arbeitslosenquote von nur 9,3 statt der bisherigen 10,3 Prozent. Ein Ergebnis, das in Richtung USA weist: Denn genau wie dort kann bei den neuen "offiziell Erwerbstätigen" keine Rede davon sein, daß sie von ihrer Arbeit leben können - es handelt sich ausschließlich um sozialversicherungsfreie Beschäftigungen. Und für die gelten als Obergrenze 610 Mark im Monat. Geschönt zum Zweiten Wen überrascht, daß die Bundesregierung umstandslos zugegeben hat, der Eurofighter 2000 werde rund 25 Prozent teurer als ursprünglich geplant, braucht nicht an seinem Einschätzungsvermögen zu zweifeln. Denn mit dem schnellen Eingeständnis hat Bonn lediglich davon ablenken wollen, daß auch dieser Preis bereits um den gleichen Prozentsatz geschönt worden ist. 25 Millionen Mark für Geräte und Ersatzteile, die eigentlich Bestandteil des Stückpreises sind, sind offenbar an anderen Stellen im Haushalt versteckt worden. Das berichtet die Wirtschaftswoche. Und räumt gleich noch mit einem anderen Argument auf: Daß ohne den Eurofighter die "technologische Basis für den Bau militärischer Flugzeuge in Deutschland verloren" gehe, wie Rühe glauben machen wolle, sei Humbug. Schließlich habe die Dasa als einziger relevanter Hersteller längst erklärt, nach dem Eurofighter komplett aus der Militärfertigung auszusteigen. Kein Teilen in der Klasse Nicht wer Arbeit hat, muß abgeben, sondern wer von der Arbeit anderer profitiert. Auf diesen Standpunkt einigten sich Hauptvorstand und Bezirksvorsitzende der Gewerkschaft öffentliche Dienste, Transport und Verkehr noch rechtzeitig vor der am 7. Oktober anlaufenden neuen Tarifrunde. Sie pfiffen damit ÖTV-Chef Herbert Mai zurück, der Anfang September mit der Unternehmerperspektive gespielt und erklärt hatte, wer Arbeitszeitverkürzung wolle, müsse gegebenenfalls auch Lohneinbußen hinnehmen. Lufthansa will sich unbeliebt machen Noch sind es fast drei Wochen, bis die letzten 37,45 Prozent Bundesanteile an der Lufthansa am 13. Oktober auf den Markt geworfen werden, Bundesfinanzminister Theodor Waigel (CSU) hat noch keinen Pfennig der erhofften fünf Milliarden Mark Erlös - von denen er vier bereits ausgegeben hat (Jungle World, Nr. 38/97) - gesehen. Und schon versuchen sich die neuen Oberbosse im Shareholder Value, indem sie die Anleger mit Umstrukturierungs- und Umbauplänen beeindrucken und so die Aktie in die Höhe treiben. Bis 1999, so trompetete Lufthansa-Vertriebschef Stefan Pichler in der vergangenen Woche, werde er das Geschäft auf Vordermann gebracht, die Kosten um 20 Prozent gesenkt sowie die Produktivität pro Mitarbeiter um 16 Prozent gesteigert haben. Eine halbe Milliarde soll das einsparen und den Rekordgewinn von 397 Millionen Mark für das erste Halbjahr 1997 toppen. Wieviele der zuletzt noch rund 54 000 Beschäftigten dabei auf der Strecke bleiben, sagte Pichler nicht, wohl aber, daß es für die deutschen eine Extrawurst geben und lediglich "die natürliche Fluktuation genutzt" werden solle. Und daß die Verbliebenen sich neuen Verhaltensvorschriften anpassen müßten. Mit guter Kundschaft fleißig Kaffee zu trinken, ist künftig unerwünscht. Pichler: "Beliebtheit ist nicht gefragt." Telekom will sich beliebt machen Zuletzt hatte sich die Telekom das vor dem Börsengang mit mehrstelligem Millionensummen und Promi-Besetzung von Werbespots und Fahrrädern so mühsam erworbene Image gründlich versaut. Statt die Mehreinnahmen durch die von Bundespostminister Wolfgang Bötsch befohlene Gebührenerhöhung bei der Telefonauskunft an die Kunden weiterzugeben und günstigere Tarife einzurichten, drohte Chef Ron Sommer zusätzlich mit teureren Grundgebühren. Das Hickhack um die Freigabe von Leitungen für die Konkurrenz, das von Gejammer über die mangelnde Kostendeckung begleitet wurde, tat ein übriges. Nun müssen die Marketing-Experten wieder ran. Und sie zeigen, worauf es dem Konzern für den liberalisierten Telekommunikationsmarkt ankommt: auf das Vertrauen der Börse. Entsprechend präsentierte der Vorstand auf seiner Halbjahrespressekonferenz - neben horrenden Gewinnmargen und noch erschreckenderen Zahlen beim Personalabbau - keine neue Leistungspalette, sondern "Strategien für den zunehmenden Wettbewerb". Ganz oben auf der Liste: weitere Kostenersparnisse. Pflege reißt's nicht raus Bis zu einer Million neue Arbeitsplätze sollten durch die Pflegeversicherung in Krankenhäusern und vor allem bei ambulanten Anbietern entstehen, hatte die Bonner Regierung 1995 versprochen. 700 000 feste und der Rest als ungesicherte 610-Mark-Jobs. Gleichzeitig werde durch Professionalisierung unheimlich viel gespart werden. Nun sind die ersten Trendmeldungen raus, und sie zeigen: Zwar haben die Beschäftigten mit ihren Beiträgen und dem gestrichenen Feiertag zwischen vier und acht Milliarden Mark Überschuß in die Pflegeversicherung hineingewirtschaftet, Arbeitsplätze sind aber lediglich im Teilzeitbereich, vor allem bei den geringfügigen Beschäftigungsbereichen entstanden - und höchstens in fünfstelliger Höhe.
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