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Babys Top
Während die Welt immer wüster wird, die Anarchie des Marktes immer weiter um sich greift, wächst zugleich das Bedürfnis, die erheblichen Mengen an Symbolen, Informationswerten, Artikeln und Marken unter Kontrolle zu bringen. Mit dem Erstellen von Rankings aller Art beschäftigen sich nicht nur die amtlich fürs Sortieren einer lächerlichen und unendlichen ausgedehnten Empirie und ihrer Daten zuständigen Meinungs- und Verbraucherschutzinstitute, aus Listen, so nutz- wie witzlosen Fakten-Kolonnen kompilieren schlaumeiernde Professoren der Statistik mittlerweile sogar Bestseller - bibelschwere Bände, die suggerieren, man habe alles im Griff, werde nur der der karge Verstand bemüht, dieser minimalste Minimalvernunftrest der empirischen Sozialwissenschaften. Andererseits hat es einen als Kind schon manchmal recht ausgiebig beschäftigt, das Zusammensuchen und Anordnen der privat angesehensten Weltvorkommnisse: die besten Rennfahrer, die schönsten Tore, die heiligsten Bandbesetzungen. Aus wieder mutmaßlich ganz anderen Gründen ward die Bild-In/Out-Liste am 1.9. durch die Nennung "Babys (siehe IFA)" angeführt. "In: Babys (siehe IFA)". Nein, wieso eigentlich nicht - in Babys. Und warum siehe dann nicht auch gleich IFA. Es könnte sich immerhin lohnen. England Piss Off Derweil dieselbe Bild-Ausgabe, unweit der Baby-Erstplazierung, ihre Leser wissen läßt: "Englands Hunde - alle überfressen", soll heißen: "Die britischen Hunde sind die dicksten in Europa (Studie von Tierärzten). Knapp 70 Prozent von ihnen leiden an Fettleibigkeit. Hauptgründe: falsche Ernährung und zu wenig Bewegung." Was Bild nicht sagt: 70 Prozent der deutschen Herrchen leiden wegen zu wenig Ernährung und falscher Dünnleibigkeit an Bewegung (Studie von Atomphysikern). Statt dessen: "In Frankreich sind nur vier Prozent der Hunde zu dick." (Studie vom Erzfeind) Sozialistische Halbwertzeit Eine echte Witztruppe, die Stasi! Wie der Spiegel herausfand, setzte das Sicherheitsunternehmen "auch radioaktiv verseuchte Materialien ein", nämlich evtl. plutonium- oder cäsiumhaltige "Kontaktmittel", die konspirative Berührungen mit Geheimakten sichtbar gemacht hätten, wäre Kandidat Manfred Ludwig auf die Finte reingefallen. Doch der des Loyalitätsbruches prophylaktisch verdächtigte Carl-Zeiss-Physiker "faßte die Lock-Akte mit militärischen Forschungsgeheimnissen nicht an", womit er zwar keinesfalls des Hochverrats überführt werden konnte, die Entsorgung der hochtoxischen Superschwarte hingegen bis heute nicht geklärt ist, vielmehr zum Streitfall zwischen den höchsten und allerhöchsten Behörden mutiert. An dem heiklen Papierstoß mit "Wolke 13", so der hochvertrauliche "Codename" des "Mittels", will sich weder Niedersachsen (Gorleben) noch der benachbarte Franzose (La Hague), noch freilich der der schon mehrfach geschlagene Brite (Di, Hunde, EM) die Finger schmutzig machen. Erblast dieser Zeit: Die Gemüter halten ob solcher sozialistischer Spionageschmocker raunend den Atem an: "Läbbe gehd weider" (D. Stepanovic). Manche sind gleicher Pünktlich zur Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt/M. hat Daimler-Benz eine Werbebroschüre entworfen, die nicht nur über das aktuelle Warenangebot, sondern auch darüber informiert, wie der Mensch im allgemeinen und der Mensch im besonderen beschaffen ist. "Alle Menschen sind nicht gleich", lautet der Titelslogan, der einem auch deshalb so seltsam tautologisch vorkommt, weil er an die Zeit erinnert, als in der Öffentlichkeit noch über den Kommunismus debattiert wurde, und als auf das Argument des politischen Feindes, der Marxschen Theorie liege ein falsches Menschenbild zugrunde, stets entgegnet wurde, niemals und nirgends hätte je ein Marxist behauptet, die Menschen seien von Natur aus alle gleich. Wenn nun Daimler mit der Ungleichheit wirbt, heißt dies zunächst, daß die Kunden zu jenen Leuten gehöre, die gleicher sind als andere, was die Angesprochenen jedoch nicht irritieren wird, denn die Reklame des Autoherstellers dementiert das schlechte Gewissen, weil die verwendeten Begriffe, die an die soziale Differenz gemahnen könnten, keinen Sinn mehr haben: "Manche suchen die Gesellschaft", lautet der Spruch auf der zweiten Seite des Anzeigenheftes. Der Werbetexter hätte auch schreiben können: "Manche suchen die Gemeinschaft". Das klingt ähnlich, die Gemeinschaft ist derzeit ebenfalls sehr beliebt, obwohl bzw. weil jeder darunter etwas anderes versteht, und im übrigen paßt das Wort gut zu den folgenden Schlagzeilen der Kampagne: "Manche suchen die Zweisamkeit. Andere die Einsamkeit. Einige Menschen sind wählerisch. Andere wollen nicht entscheiden. Andere müssen Entscheidungen treffen. Manche Menschen lieben Eleganz. Andere lieben das Aufregende. Alle sind neugierig." Stellt sich nur die Frage, was zu tun ist, um einen Schlitten aus der S-Klasse vor die Tür der Sozialwohnung stellen zu können. Daimler gibt gerne Auskunft. Die Nummer: 0180 / 22 336. Landowsky-Sprech "Wo die Touristen früher auf Ratten und anderers lichtscheues Gesindel trafen ...", so eröffnete die ZDF-Mittagsmagazin-Moderatorin Ulrike Grunewald am Freitag,dem 12. September, einen Beitrag über Jazz in der New Yorker U-Bahn. Bei der vom Spiegel angezettelten Kampagne, mit der den Deutschen das Kriminalitätsbekämpfungskonzept "Zero tolerance" schmackhaft gemacht werden soll, macht nun auch der Rentner-Sender in bester Landowsky-Manier mit. Macht's wie Mutter Zum Tod von Mutter Teresa erklärt die kirchenpolitische Sprecherin der Grünen in einem Beileidsschreiben: "Mutter Teresa war eine unersetzbare Stimme der Armen in unserer Welt. Ihr Einsatz für Benachteiligte, Arme, Aids-Kranke, Wohnungslose war umfassend, weil sie die Kraft für ihre Nachfolge aus dem Gebet schöpfte ... In ihrer Bescheidenheit und ihrem Engagement für alle Benachteiligten bleibt sie ein Vorbild für die Jugend ...". Berichtigung Es gibt Schnauz-, Zottel-, Backen-, Oberlippen-, Zausel-, Dreitage-, Voll- und Milchbärte, aber keine Monjou-Bärte. Vielmehr heißt der nach Adolphe Menjou genannte Schmalschnäuzer Menjou-Bärtchen. Außerdem gibt es Damenbärte. Anjelica Houston trägt ihn in die "Die Ehre der Prizzis", kreierte damit aber keinen neuen Look.
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