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Paris im Belagerungszustand
Das Pariser Komitee für die anti-klerikale Repression (CRAC) konnte sich leider nicht durchsetzen. Anläßlich des 12. Weltjugendtreffens der Katholiken am Wochenende umzingelten 300 000 Nachwuchs-Gläubige aus 140 Staaten Paris mit einer 36 Kilometer langen "Kette der Brüderlichkeit". Später trafen sich 700 000 Katholiken und ein Haufen prominenter Künstler mit dem vom Alter gebeugten, 77jährigen Papst Johannes Paul II. auf der Pferderennbahn Longchamp zum Nachtgebet. Dort wollten auch einige tausend Gegen-Demonstranten vorsprechen; die Polizei hinderte sie jedoch daran. Zur Begrüßung am Donnerstag, die unter dem Motto "Meister, wo wohnst du? Kommt und seht!" stand, hatte der Pontifex 200 000 seiner Jünger mit einer Ansprache über das Thema der Fußwaschung derart frenetisiert, daß mehrmals La Ola über das Marsfeld lief. Die Organisatoren des machten anstelle der katholischen Pilgerstätte Sacré-Coeur sein republikanisches Gegensymbol, den aus Anlaß der Revolutionsjubiläen und als Monument des technischen Fortschritts errichteten Eiffelturm, zum Symbol des Treffens - und verzierten ihn mit einem Kreuz auf der Spitze. Am Freitag besuchte Gottes Stellvertreter auf Erden das Grab des 1994 verstorbenen Genetikprofessors, militanten Abtreibungsgegners und Begründers der Bewegung "Laissez-les vivre!" ("Laßt sie leben!"), Jérôme Lejeune. Einige Politiker, Frauen- und Familienverbände protestierten dagegen. Frohe Botschaft für Kuba Der Papst plant weitere Reisen. Im Januar 1998 will er Fidel Castro auf Kuba besuchen. Aus diesem besonderen Anlaß erhielt jetzt die Erzdiözese von Miami eine Ausnahmegenehmigung des US-Außenministeriums für das Reiseverbot, das seit 34 Jahren im Rahmen des Wirtschaftsembargos US-Bürgern Reisen auf die Karibik-Insel untersagt. Nun darf ein Pilgerschiff mit voraussichtlich 1 000 Katholiken an Bord auf große Fahrt nach Kuba gehen. Der Besuch des Pontifex ist aus Sicht der US-Regierung geeignet, "dem kubanischen Volk eine Botschaft von Hoffnung zu bringen". Kämpfe im Südlibanon Als Reaktion auf die zwei schwersten Raketenangriffe gegen die Sicherheitszone im Norden Israels seit mehr als einem Jahr durch die Hisbollah, bei der mehrere Personen verletzt wurden, führte Israel am Wochenende Artillerie- und Luftangriffe auf Stellungen der pro-iranischen Schiitenmiliz in Südlibanon durch. Schon Anfang vergangener Woche war es im Südlibanon zu Kämpfen zwischen der Israel nahestehenden Südlibanesischen Armee (SLA) und der pro-iranischen Hisbollah gekommen, nachdem ein Offizier der SLA auf eigene Faust den Tod zweier bei einem Bombenattentat getöteter Waisen eines früheren SLA-Kommandaten rächen wollte. Er feuerte mit einem Minenwerfer Granaten auf Sidon und tötete dabei sechs Zivilisten. Alarm, Alarm Mitte vergangener Woche hat der russische Präsident Boris Jelzin bei einer Sitzung des russischen Sicherheitsrates vor dem wachsenden Einfluß der USA im Kaukasus gewarnt; "ungeniert" würden diese "mit dem Vormarsch in dieser Region beginnen", dies stelle eine "alarmierende Entwicklung" dar. In erster Linie geht es um Öl. Die internationale Gemeinschaft müsse verstehen, daß Rußland seine nationalen Sicherheitsinteressen im "hochexplosiven" Kaukasus verteidigen müsse, zitierten ihn Nachrichtenagenturen. Außerdem müßten zur Beilegung verschiedener nordkaukasischer Konflikte "Stabilisierungsmaßnahmen" ergriffen werden. Eine der letzten solcher Maßnahmen in Tschetschenien hatte zu einer besonderen Stabilisierung beigetragen - zu der der Mafiotisierung. Problemlösung in Panama Freunde in hohen Staatsämtern hat sich der aus Peru stammende Journalist Gustavo Gorriti mit seinen Recherchen bislang kaum gemacht. Vorzugsweise beschäftigte er sich mit Korruption und den sogenannten Menschenrechtsverletzungen. Nach dem "Selbstputsch" von Perus Präsidenten Fujimori 1992 landete er in Peru im Gefängnis. Nach seiner Freilassung suchte er Exil in Panama, konnte aber auch dort von seiner Leidenschaft nicht lassen. Als Vize-Chefredakteur der Zeitung La Prensa war er beteiligt an Enthüllungen über den Unternehmer Nicol‡s Gonzales Revilla, der eine Monopolstellung beim Privatfernsehen Panamas erlangen wollte. Kein großes Problem für ihn, ist er doch Vetter von "El Toro", dem Präsidenten Ernesto Pérez Balladares. Ende Juli wurde Gorriti von Panamas Arbeitsminister die Verlängerung der Arbeitserlaubnis verweigert, Ende August läuft sein Visum aus, dann droht ihm die Ausweisung. Aus dem Umfeld von Balladares verlautete, peruanische Militärs hätten ein Kopfgeld auf Gorriti ausgesetzt - die naheliegende Lösung aller Probleme: abschieben, damit er anderswo umgebracht wird. Laut der peruanischen Zeitung La Republica hatte Gorriti auch in Sachen Narcoschecks recherchiert, mit denen Balladares seinen Wahlkampf finanziert haben soll. Fujimoris Geburtsort geheim Gefangenenbesuche werden den Delegierten des Komitees des Internationalen Roten Kreuzes (IKRK) in Peru auch weiterhin verwehrt. Seit der Besetzung der japanischen Botschafterresidenz in Lima durch ein Tupac-Amaru-Kommando Ende letzten Jahres war das vertraglich vereinbarte Besuchsrecht von der Fujimori-Regierung einseitig aufgehoben worden. Präsident Alberto Fujimori teilte dem IKRK-Präsidenten Sommaruga vergangene Woche in Lima mit, die Bedingungen für die Wiederaufnahme der Besuche seien nicht gegeben. Ob Fujimori überhaupt Präsident Perus sein darf, interessiert das peruanische Parlament wenig. Nachdem eine Zeitschrift berichtet hatte, er sei in Japan geboren, lehnte das Parlament nunmehr eine Untersuchung der Frage nach Fujimoris Geburtsort ab. Die Wahl eines gebürtigen Ausländers zum Präsidenten verbietet die peruanische Verfassung. Atomkraftwerke für Nordkorea 100 offizielle Vertreter und Journalisten aus neun Ländern durften der Sprengung beiwohnen, mit der vergangene Woche im nordkoreanischen Kumho der Startschuß für den Bau von zwei Leichtwasserreaktoren gegeben wurde. Sie sollen ein altes AKW sowjetischer Bauart ersetzen, in dem auch atomwaffenfähiges Plutonium angefallen war, was im Ausland für ein gewisses Unbehagen sorgte. Den Fünf-Milliarden-Dollar-Auftrag hat sich ein Konsortium unter Führung der USA, Japans und Südkoreas gesichert. Wenn alles klappt, wird es in zehn Jahren genug Strom für Elektroherde geben, auf denen die Bevölkerung ihre kaum vorhandenen Nahrungsmittel erhitzen kann.
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