"Für die Deutschen sind die Flüchtlinge eine Investition""Wir wissen alle, daß die Deutschen nicht gerade zu Liebe und Mitleid neigen. Warum also haben sie eine so große Zahl bosnischer Flüchtlinge aufgenommen?" fragt die Tageszeitung Nova BosnaIn den ersten Jahren hat niemand in Deutschland auszurechnen versucht, wieviel der Aufenthalt von an die 400 000 Flüchtlingen im Jahr kostet. Wir haben alle geglaubt, daß es sich um die "Großherzigkeit" unserer Gastgeber handelte und daß sie aus Einsicht gegenüber unserem Unglück und unserer Tragödie nicht darüber sprechen wollten. In letzter Zeit jedoch, wo der Augenblick der Trennung näherrückt, wird in der Öffentlichkeit immer öfter der Preis genannt, den der Aufenthalt der Flüchtlinge kostet. Es handelt sich um Zahlen, bei denen einem schwindlig wird."Wir haben in den vergangenen fünf Jahren 400 000 Flüchtlinge aus Bosnien aufgenommen, und unsere Gemeinden haben zu diesem Zweck etwa 14 Milliarden Mark verbraucht", sagte der deutsche Außenminister Klaus Kinkel bei seinem Besuch in Sarajevo. Diese Zahl wurde zwar immer wieder inoffiziell genannt, aber niemand nahm sie ernst, bis Kinkel sie öffentlich nannte. Dabei versuchte Kinkel noch nicht einmal zu begründen, wie er auf diese astrononomische Ziffer gekommen ist. Nur zum Vergleich - diese Zahl ist dreimal so groß wie die Summe, die die internationale Gemeinschaft in den Wiederaufbau Bosniens zu investieren gedenkt. Wenn es stimmt, daß wir 14 Milliarden Mark "gekostet" haben, dann kommt man grob gerechnet zu dem Schluß, daß Deutschland für einen bosnischen Flüchtling 40 000 Mark ausgeben mußte. Allein aus dieser Angabe ist mehr als offensichtlich, daß es sich um reinen Betrug handelt. Denn man darf nicht vergessen, daß mehr als die Hälfte der bosnischen Bürger in Deutschland selbst arbeitet und ihr Brot verdient. Wenn man das weiß, dann sieht es so aus, als ob diejenigen, die Sozialhilfe bekommen haben, den deutschen Staat 80 000 Mark gekostet haben, oder noch deutlicher: In vier Jahren hätte eine vierköpfige Famile 320 000 Mark aus dem Budget unserer Gastgeber geschluckt! Es ist nicht schwer zu beweisen, wie falsch eine solche Summe ist. Wenn wir weitergehen und von dieser Zahl die Steuern abziehen, die unsere beschäftigten Bürger an die deutschen Finanzbehörden abgeführt haben, dann müßte man von Kinkels Ziffer wenigstens vier bis fünf Milliarden Mark abziehen. Und das ist noch nicht alles: Jede Mark, die direkt an die Flüchtlinge gegangen ist, wurde auch in Deutschland ausgegeben, und Ökonomen wissen, daß dieses Geld auf verschiedenen Wegen und um 50 Prozent reduziert wieder im Staatshaushalt landet. Weitere Rechnungen würden unsere Leser nur ermüden, aber das bisher Gesagte genügt, um ganz eindeutig zu beweisen, daß Kinkels Ziffer wenigstens fünfmal größer ist als die reale. Also sollte man sich lieber mit den Motiven beschäftigen, die Deutschland dazu veranlaßt haben, eine so große Zahl von Flüchtlingen aufzunehmen. Wir alle wissen nämlich, daß die Deutschen nicht gerade zu Liebe und Mitleid neigen. Warum also haben sie uns so zahlreich aufgenommen? Die kürzeste Antwort ist: Für den deutschen Staat sind die bosnisch-herzegowinischen Flüchtlinge eine der besten langfristigen Investitionen. Analytiker sagen, daß in den vergangenen Jahren mehr als 50 000 junge Menschen deutsche Schulen besucht haben. Damit begründen sie ihre Behauptung, daß die Deutschen auf diese Weise ihre Anwesenheit in Bosnien auf längere Sicht gesichert haben und zwar in allen gesellschaftlichen Bereichen, vor allem jedoch im wirtschaftlichen. Diese jungen Fachkräfte werden morgen, wenn sie fertig sind, ausschließlich mit dem deutschen Staat und deutschen Firmen zusammenarbeiten, denn sie beherrschen die deutsche Sprache perfekt oder haben auf verschiedene Weise bereits Kontakte mit der deutschen Geschäftswelt. Deswegen werden sie nicht auf die Idee kommen, eine geschäftliche Zusammenarbeit mit Frankreich oder Großbritannien zu suchen. Wie groß der Nutzen von diesen Geschäften sein wird, kann man in diesem Augenblick nicht absehen, aber es ist völlig sicher, daß er ein Mehrfaches von Kinkels Ziffer betragen wird. "Allein zum Zwecke ihrer Rückkehr werden die Flüchtlinge Waren im Wert von etwa fünf Milliarden Mark einkaufen, und zwar Waren, die man sonst niemandem in Deutschland verkaufen könnte (gebrauchte Kraftfahrzeuge, Möbel, Maschinen für kleine Handwerksbetriebe und ähnliches)", behaupten Kenner der bosnischen Verhältnisse. Wenn alle nach Hause zurückkehren, werden 100 000 Bürger aktiv der deutschen Sprache mächtig sein, während sich die anderen wenigstens passiv der Sprache bedienen können. Das bedeutet, daß 20 Prozent der bosnischen Bevölkerung mit ihren ehemaligen Gastgebern kommunizieren werden. Zur Illustration: Wenn nur zehn Prozent von ihnen Geschäftsbeziehungen mit deutschen Firmen haben sollten oder der gleiche Prozentsatz Urlaub in Deutschland machen sollte, kommt man zu einer schwindelerregenden Zahl. Zieht man all dies in Betracht, dann wird die "Liebe", die man uns entgegenbringt, klarer. Es wird klarer, warum sich 400 000 von uns in Deutschland eingefunden haben, und wir bekommen auch die Antwort auf die Frage: Wieso "wollten" uns die Italiener, Franzosen oder Engländer nicht? Es hat sich einfach auch diesmal gezeigt, daß die Deutschen weit besser rechnen können als die anderen und daß sie bewiesen haben, daß man aus allem Profit ziehen kann. Aufgrund dieser Erkenntnisse ist es klar, daß auch Bosnien sein "Erdöl" hat. Man muß es nur finden können, wie die Deutschen es getan haben.
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