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Herr Neudeck am Katzentisch
"Iz’etbegovic« war böse. Erstens ist er selbst, wie praktisch alle in Sarajevo behaupten, nicht korrupt. Aber angeblich ist es sein Sohn Bakir Iz’etbegovic«. Ich möchte jedoch nicht behaupten, daß das der Grund für seinen Zorn auf den englischen Außenminister Cook war. Ansonsten ist es kein Geheimnis, daß es in diesem Land Korruption verwunderlicher Ausmaße gibt. Das wußte man auch schon früher. Das haben alle gesagt, auch Michael Steiner, der ehemalige Stellvertreter des Hohen Repräsentanten in Sarajevo: Wenn die Mittel der Weltbank oder andere Zuwendungen über die Regierung gehen, geht die Hälfte dabei verloren! Und dafür haben die Bosnier einen Ausdruck - 'die Katze hat es aufgefressen'. Alle Mitarbeiter von staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen arbeiten scheinbar so - 'die Katze hat es aufgefressen!'" Rupert Neudeck, Journalist und Leiter der Hilfssorganisation Cap Anamur (Oslobodjenje, 6. August 1997) Herr Iz’etbegovic« ist empört "In der gestrigen Ausgabe ihres Blattes wurde ein Artikel des deutschen Journalisten Rupert Neudeck veröffentlicht. (...) Der Artikel wurde mit einer solchen Seelenlosigkeit geschrieben, wie sie charakteristisch ist für eine bestimmte Sorte von Journalisten, die glauben, sie könnten uns wie und wann immer sie wollen bespucken, denn wir können weder zur Zensur greifen noch gerichtlich gegen sie vorgehen. Und wenn es sich um ausländische Journalisten handelt, dann glauben sie, daß sie das Recht dazu hätten, weil ihre Regierungen uns seinerzeit ein Stück Brot gereicht haben. Von einigen Leuten erwarte ich Tiefschläge, aber ich muß gestehen, daß ich verwundert war, als ich feststellen mußte, daß eine so seriöse Zeitung wie Oslobodjenje auf so gleichgültige Weise mit der Ehre eines Menschen spielen kann. Seine einzige Schuld ist es, daß er mein Sohn ist, und es ist offensichtlich, daß man nicht Bakir, sondern Alija treffen wollte." Alija Iz’etbegovic«, Vorsitzender des besnisch-herzegowinischen Staatspräsidiums (Oslobodjenje, 7. August 1997) Herr Latic« mag keine Kroaten "Die Muslime von den Philippinen stehen mir emotional näher als die Kroaten aus Sarajevo." Dz’emaludin Latic«, Mitglied des engsten Führungskreises der muslimischen Regierungspartei SDA (Globus, 29. November 1996) Herr Bildt trauert den Serben nach "Unser größter Mißerfolg ist das, was in Sarajevo passiert ist. Und das ist der Weggang der Serben nach der Unterzeichnung des Dayton-Abkommens. Ich habe aufrichtig gehofft, daß Sarajevo eine multiethnische Stadt bleibt, mit mehr Serben und Kroaten. Leider haben wir darin keinen Erfolg gehabt." Carl Bildt, in seiner Abschiedsrede als Hoher Repräsentant der internationalen Gemeinschaft in Bosnien-Herzegowina (Verernje Novost, 19. Juni 1997) |