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Billig in den Urlaub mit Zapata-Reisen 

In Spanien fand vom 25. Juli bis zum 3. August das zweite Treffen für eine menschliche Gesellschaft und gegen Neoliberalismus statt 

Zumindest ein konkretes Ergebnis hatte das "II. Intergalaktische Treffen für die Menschlichkeit und gegen den Neoliberalismus": Eine während des Kongresses angesetzte Räumung des besetzten Zentrums "La Vaker'a" in Barcelona wurde ausgesetzt. Vielleicht der einzig greifbare Erfolg des Treffens, dessen erklärtes Ziel es war, ein internationales Netz der Widerstände zu knüpfen. 

Angereist waren 2 500 Menschen aus allen fünf Erdteilen und über 50 Ländern, nur geeint durch den Willen, sich "für die Menschlichkeit und gegen Neoliberalismus" einzusetzen. Faßbarer als diese unbestimmten Begriffe war da noch die gemeinsame Solidarität mit den Aufständischen im mexikanischen Chiapas. Oder, wie Inaki Garc'a von der Vorbereitungsgruppe "Casa de la Solidaridad" aus Barcelona es formulierte: Das Encuentro sei vor allem dazu da, um die Schuld an die aufständischen Zapatistas in Chiapas/Mexiko abzubezahlen. 

Auf prominente Unterstützung beim Tilgen der kolonialen Hypothek mußte diesmal allerdings verzichtet werden. Danielle Mitterrand und Oliver Stone, die zum ersten Intergalaktischen in den chiapanekischen Urwald gereist waren, blieben dieses Mal zu Haus. Auch die Zapatistas schickten nur eine Compa-era und einen Compa-ero. Die beiden waren aus einem "durchschnittlichen", aufständischen Dorf ausgewählt worden, um die EZLN - das Zapatistische Heer der nationalen Befreiung - auf dem Treffen zu repräsentieren. Auch wenn es nicht der Sub war, die versammelte Solidaritätsgemeinde brachte den beiden Zapatistas frenetischen Applaus entgegen, als sie bei der Eröffnungsveranstaltung in Madrid Mitbringsel aus ihrer Heimat präsentierten: einen Stein, einen Maiskolben, die mexikanische Flagge, eine Handvoll Erde und sich selbst - eine Mischung aus Gottesdienst und Erntedankfest. Die inhaltlichen Beiträge der Zapatistas beschränkten sich auf Ausrufe, wie: "Nie mehr eine Welt ohne uns (alle)" und "Demokratie, Freiheit, Gerechtigkeit". 

Nach der Eröffnungszeremonie verteilte sich der Kongreß über ganz Spanien. In den fünf Orten Madrid, Barcelona, El Indiano, Almunécar und Ruesta die "Mesas" (Arbeitstische) zu Neoliberalismus und ...konomie, Internationalismus, (Gegen-) Kultur und Informationen, Patriarchat, Land und ...kologie sowie Kampf gegen alle Formen der Ausgrenzung statt. 

Die organisierte spanische Linke war auf dem Kongreß nicht präsent. Die Parteigänger von Izquierda Unida, der großen spanischen Linkspartei, hatten kein Interesse, sich an dem II. Encuentro zu beteiligen. Schon die lateinamerikanische Linksparteien, die im Foro S‹o Paulo organisiert sind, hatten das ersten Treffen ignoriert, um ihr gutes Verhältnis zur mexikanischen Staatspartei nicht zu gefährden. Getragen wurde das Treffen in Spanien von einem Bündnis aus Solidaritätsgruppen, Autonomen, Frauengruppen und HausbesetzerInnen, die ihre "casas ocupadas" für das Encuentro zur Verfügung stellten. 

Auf dem Treffen dominierten die TeilnehmerInnen aus Italien, Spanien, Frankreich und Deutschland. Während die Delegationen aus Italien und Frankreich mit gut vorbereiteten Diskussionspapieren und ÜbersetzerInnen anrückten, kamen die 150 Deutschen fast ohne Vorbereitung auf das Treffen. Das Spektrum verteilte sich auf internationalistische Soligruppen, FeministInnen, Infoläden, Basisgruppen, linke Zeitungsprojekte, Antifa-AktivistInnen, AnarchistInnen, HausbesetzerInnen, linke StudentInnengruppen und Wendland-Aktive - die nach kurzem Aufenthalt in Madrid gleich nach El Indiano zur Arbeitsgruppe "Land und ...kologie" verschwanden. 

Das Fehlen einer klaren politischen Strategie war das eigentliche Dilemma des Encuentros. Dieser Mangel, der in Chiapas historisch erklärbar ist - dort scheiterten bereits Mitte der siebziger Jahre maoistische Kader, und die städtischen Revolutionäre mußten sich etwas anderes ausdenken -, verurteilte das Treffen in Spanien zur Bedeutungslosigkeit. Eine gemeinsame Perspektive gegen Neoliberalismus und für Menschlichkeit - was auch immer das im Einzelnen heißen mag - ist weit entfernt. Schon auf dem Treffen letztes Jahr in Chiapas sollte ausgiebig der Neoliberalismus analysiert werden - ohne wirkliches Ergebnis. Und so blieb es auch diesmal bei Schlagworten. Die Zapatistas wiederholten ihren Forderung nach "Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit". Diskutiert oder in Frage gestellt wurden sie auch dieses Mal nicht. Da half es auch nicht, die mehr oder weniger linken Ideale Autonomie, Gerechtigkeit, Selbstversorgung, Gemeinschaft und (nationale) Selbstbestimmung in einen Topf zu werfen, wie die Zapatistas es zu tun pflegen. 

Eine kleine Ausnahme machte die Arbeitsgruppe zum Thema "Patriarchat". Diese Mesa war neu eingerichtet worden, nachdem die Frauen letztes Jahr zusammen mit "anderen marginalisierten Gruppen" in eine Arbeitsgruppe gesteckt worden waren. Schon vor dem Treffen war aus der Unzufriedenheit von Feministinnen mit dem ersten Encuentro in Chiapas ein unabhängiges, europäisches Frauen-Lesben-Netzwerk entstanden. 

Bei der gemeinsamen Abschlußfeier, die in El Indiano (C‡diz) auf besetztem Boden stattfand, und für die eigentlich ein eigenes Dorf aufgebaut werden sollte, kamen die TeilnehmerInnen aus ganz Spanien wieder zusammen, um sich gegenseitig die Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen vorzulesen. Diskutiert wurden diese Ergebnisse nicht. Und so blieb dieses Mal das von den Zapatistas interkontinentale Netz der Widerstände so nebulös wie beim ersten Encuentro der Begriff Neoliberalismus. Dennoch wurde eifrig schon für ein drittes Encuentro geplant. Als Reiseziele waren diesmal im Gespräch: Kurdistan, Marokko, Brasilien. Den größten Zuspruch fand schließlich der Vorschlag, das nächste Treffen in Mexiko-Stadt stattfinden zu lassen. Dort wäre die reisende Solidaritätsgemeinde wieder auf ihren Ausgangspunkt, die Solidarität mit den Zapatistas, zurückgeworfen. Gleichzeitig würde die internationale Aufmerksamkeit wieder stärker auf low intensitity warfare gegen die Menschen in Chiapas gelenkt. Vielleicht das beste, was InternationalistInnen heute noch zu bieten haben. Über die endgültige Tourplanung sollen die nächsten kontinentalen Treffen entscheiden. 

Doch wozu sich noch einmal treffen? Ist die Schuld an die Zapatistas immer noch nicht abbezahlt? Und wer wird ein drittes Mal kommen? Schon das Treffen in Spanien wurde von den meisten TeilnehmerInnen als kostengünstige Urlaubsalternative mit anschließender Möglichkeit zur individuellen Verlängerung genutzt. Wo gibt es heutzutage noch handgefertige Che Guevara-Devotionalien und zehn Tage Unterbringung, Verpflegung mit Animation inklusive Ausflugsfahrten für 230 Mark? Zapata-Reisen! 

Die Homepage des Encuentros ist: http://www.pangea.org/encuentro 


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