Zum Inhaltsverzeichnis / Zum Abo - Coupon / Brief an die Redaktion  

Lafontaine zerstört linke Hoffnungen 

Feuer und Wasser oder doch eher Pech und Schwefel? Eine Woche, nachdem SPD-Haider Gerhard Schröder den Rekord für rechtspopulistische Äußerungen aus der deutschen Sozialdemokratie verbesserte, ruhten zahlreiche Hoffnungen auf Mitbewerber Oskar Lafontaine. Zumal der seine Bereitschaft zur Kandidatur bekräftigte - leider in einem seiner rhetorisch schwächeren Momente: "Die SPD hat nicht wiederholt im Saarland absolute Mehrheiten gewonnen, wenn nicht auch Wähler der Mitte für mich gestimmt hätten." Der saarländische Kandidat sagte nun im ZDF: "Ich würde eben immer wieder darauf hinweisen, daß daß wir mit vielen ausländischen Mitbürgern sehr gute Erfahrungen gemacht haben. Aber die Forderung, daß Leute, die ihr Gastrecht mißbraucht haben, das Gastrecht nicht mehr in Anspruch nehmen dürfen, das ist in Ordnung." Lafontaine weiter: "Um die Kriminalität zu bekämpfen, darf man nicht demokratische Grundrechte unzulässigerweise einschränken." Wenigstens darin ist er nicht mit Schröder einer Meinung. 
 

Asylbewerber mußten 1 000 000 Mark zahlen 

Mehr als eine Million Mark hat die Bundesrepublik Deutschland bislang von Asylbewerbern kassiert, die die Kosten für ihre eigene Abschiebung zahlen mußten. Die Möglichkeit, bei den Flüchtlingen gefundenes Geld zur Deckung von Kosten einzubehalten, gibt es der Einführung des neuen Asylverfahrensgesetzes 1993. Aus der Antwort der Bundesregierung ist unter anderem ersichtlich, daß jeder Flüchtling Pech hat, der auf einen Grenzschutz-Beamten des gehobenen Dienstes trifft: Der kostet 90 Mark die Stunde, ein Grenzschützer des mittleren Dienstes nur 63 Mark. 
 

Haft für Nazi-Überfall 

Haft für alle elf Angeklagten hat das Stuttgarter Landgericht im Prozeß um den rechtsradikal motivierten Überfall auf einen Camper im schwäbischen Filderstadt ausgesprochen (Vgl. Jungle World 31). Wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung wurden die Skinheads zu Strafen zwischen vierdreiviertel Jahren und neun Monaten verurteilt. 
 

Fleißige Lauscher 

Rund 220 000 Telefonate ins Ausland hört der BND jedes Jahr ab. Wie die bayerische Landesregierung auf Anfrage der Fraktion der Grünen-Abgeordneten Irene Maria Sturm mitteilte, werden täglich rund 600 Telefonate mit Hilfe von auf Suchbegriffe programmierten Computern ausgefiltert. Von diesen 600 werden durchschnittlich etwa 45 als möglicherweise relevant ausgewählt und angehört, "nur etwa fünf der vorgenannten 45 Fernmeldeverkehre werden dann zur fachlichen Auswertung innerhalb des BND weitergeleitet". Macht auf's Jahr etwa 1 800. 
 

Böser Bassist vor Gericht 

Wenn sie schon immer mal wissen wollten, wie einer aussieht, der in Tel Aviv seine Hotelrechnung mit "Adolf Hitler" unterschreibt, dann sollten sie am 1. September ins Berliner Arbeitsgericht gehen. Da findet nämlich der erste Verhandlungstermin in Sachen Gerd Reinke gg. Deutsche Oper Berlin statt: Reinke möchte gerne weiter beim Rheingold den Baß streichen. 
 

Hessen bleibt Hessen, 
Thüringen wird Türingen 

Die Verwaltungsgerichte haben entschieden, daß das Wörtchen "daß" in Thüringen künftig "dass" geschrieben wir, daß "daß" in Hessen aber "daß" bleiben muß. Die Weimarer Richter sprachen sich für die Rechtschreibreform aus, die Kollegen in Mainz sind sehr dagegen. Möglicherweise wird es bei der absurden Situation bleiben, daß für beide Bundesländer eine unterschiedliche Rechtschreibung verbindlich ist: In den derzeit anhängigen Verfahren ist kein oberstes Bundesgericht zuständig (s. auch S. 23). 
 

Therapeut Gauweiler 

Gauweiler gehen die Ideen aus: Jetzt will der Münchener CSU-Vorsitzende wieder mal Junkies "zwangstherapieren" lassen. Das findet Gauweiler eine bessere Idee als den Plan der SPD, in der bayerischen Hauptstadt Fixerstuben einrichten zu lassen. 
 

Störsender Kinkelwitz 

Kinkel hat immer wieder mal eine neue Idee: Bei seinem jüngsten Besuch in Jugoslawien wurmte ihn die ständige antiwestliche Propaganda, die einen dort in jeder Kneipe berieselt. Als Carlos Westendorp, der Koordinator für den Wiederaufbau, kürzlich Bonn besuchte, schlug ihm Kinkel vor versammelten Journalisten vor, man könnte doch Störsender einrichten: Zack, ist Funkstille auf Wellenlänge Serbien. 
 

Todesurteile der Nazis aufgehoben 

Wo einst Unrecht war, ist jetzt gar nichts mehr: 31 Anträge auf die Aufhebung von Todesurteilen nationalsozialistischer Gerichte hat die Staatsanwaltschaft in Bremen gestellt, und auch in der einstigen Reichshauptstadt hat man sich entschlossen, das Todesurteil eines SS-Standgerichts gegen den Widerständler Hans von Dohnanyi aufzuheben. Dohnanyi hatte seine Position im Reichssicherheitshauptamt ausgenutzt, um Nazi-Gegner ins sichere Ausland zu schleusen. Er wurde im KZ Sachsenhausen ermordet. 
 

Mecklenburg-Vorpommern erleben 

Nahkampf im Naherholungsgebiet, Gewaltmärsche im Waldgebiet - so eine richtig schöne "deutsche Woche" verbrachte eine unbekannte Zahl zumeist jugendlicher Neonazis im mecklenburg-vorpommerschen Landkreis Parchim. Bei dem Zeltlager, zu dem die legale Nazi-Organisation Junge Nationaldemokraten augerufen hatte, sollte "absolut deutsches Verhalten" und "soldatische Handlungsweise" geübt werden. 
 

Run aufs Berliner Parlament 

Der sächsische Umweltminister Arnold Vaatz hat seine Kandidatur zum Bundestag angekündigt. Er könne sich der Unterstützung von Bundeskanzler Helmut Kohl sicher sein, hieß es. Vaatz' niedersächsische Ressortkollegin Monika Griefahn will auf dem Ticket von Bundeskanzler Gerhard Schröder reisen. 
  •  Die Nachrichten wurden von Andreas Dietl zusammengestellt. 

Zum Inhaltsverzeichnis / Zum Abo - Coupon / Brief an die Redaktion