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Hillus Lehr- und Wanderjahre
Von Katja Leyrer Da ist man doch richtig traurig. Also eher mitfühlend-traurig, so als Frau. Und irgendwie aber auch zutiefst befriedigt: Daß der das auch passiert ist, hat etwas Tröstliches. Die frühere niedersächsische Landesmutter jetzt in den Abgründen von allerlei Beziehungsknatsch - das tut gut. Es ist zwar nicht ganz so aufregend wie damals bei Elizabeth Taylor oder der verehrten Lady Diana, aber für hiesige Verhältnisse machen die das schon ganz gut in Hannover. Gute Zeiten - schlechte Zeiten. So ist das Leben, wir wissen es ja. Für die Seele hat das ja was, für dasjenige in uns, das nach geknechteten Frauen verlangt. Das so gerne sich nicht ganz individuell alleine fühlt mit jenen, von denen nach einer alten statistischen Beobachtung der Frauenbewegung jeder zweite ein Vergewaltiger sein soll und überhaupt jeder ein Schwein (aber lieb sind sie doch). Nun hat es also die Hiltrud erwischt. Wie wir heute dank Bild wissen, hat der Teufelstyp an ihrer Seite nicht nur ihr Vertrauen gebrochen, ihre Öko-Mahlzeiten verabscheut, sondern auch ihre pubertären Töchter vernachlässigt. Was muß unsere Hilli-Hillu ausgehalten haben die ganzen Jahre! Und dabei hat sie immer so tapfer in die Kameras gelächelt, und die Geschichte damals, wie die beiden sich kennengelernt haben: SPD-Wahlkampf, Fahrrad, keiner war gekommen, nur sie! Das war einfach zu schön. So schicksalhaft, man konnte sich das so richtig vorstellen als Frau, wie der große Schröder die kleine Hiltrud bezaubert hat mit seinem Landesvaterzukunftslächeln. Und da hat sie eben mitgemacht, denk' ich mir mal (man kriegt nicht so schnell einen Landesvater ab). Und nun hat sie nach so vielen Jahren erst gemerkt, daß der auch nur ein Frosch war und kein Prinz (weniger als'n Frosch eigentlich, doch ich will jetzt nicht ideologisch werden; von wegen Singers Utilitarismus und den autonomen Tierschützern). Ein Mann! Dieser Schröder. Kürzlich erst - das war Hillu aber sowieso immer alles egal, sein Beruf eben, nicht ihrer - hat er mal richtig gesagt, was er so denkt: Des Polizisten bester Freud will er jetzt sein und in vorderster Front all die Kriminellen unter uns, auch die ausländischen, jawoll, bekämpfen. Auch wenn das Frohlocken bei der CSU ausgelöst hat. Schröder ist jetzt frei, ein freier Mann. War der schon immer so? Bestimmt, arme Hillu, das passiert ja unsereins auch, daß wir nicht so recht ahnen, mit wem wir das Bett teilen, und dann ist es irgendwann zu spät. 16 Jahre in den Sand gesetzt. Und dann steht frau da, hat nur noch ein Haus, für das so einer bezahlt, muß selbst "für unser Umfeld zu Hunden und Pferden" ackern gehen. Schlimm, das. So richtig traurig und gemein. Und schön aber eben auch, fast wie bei der Diana, die jetzt ihre Klamotten verkaufen gehen muß. Aber eben nur fast. Der Unterschied ist, daß das hier nur sozialdemokratischer Wahlkampf ist und dorten geht es um die königliche Moral. Diana hätte auch nie über Currywürste und vegetarisches Essen geplaudert, als Charles dann eine andere hatte. Das ist eben auch eine Frage des Stils. |