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Zanon in Gefahr

ARGENTINIEN

Zanon in Gefahr

Zanon ist eine Keramikfabrik in Neuquén (Patagonien), die nach mehreren Streiks im Oktober 2001 von den ArbeiterInnen besetzt wurde. Eine der bekanntesten Fabriken in Selbstverwaltung kämpft nun ein weiteres Mal um ihr Überleben. Am 20. Oktober 2007 wurde der Belegschaft der Weiterbetrieb unter den bislang gerichtlich abgesicherten Bedingungen untersagt. Die ArbeiterInnen hatten sofort Rechtsmittel eingelegt und für den 25.10. einen Protestmarsch angekündigt.

Redaktion Heidelberg - Im Juli 2006 überstellte Richter Rafael Barriero den in Konkurs gegangenen Betrieb an die Kooperative der KeramikerInnen. Das Gericht hatte der Kooperative eine dreijährige Betriebserlaubnis zugesagt, die nun aufgrund einer von dem ehemaligen italienischen Zulieferkonzern SACMI S.A. betriebenen Berufung von der Berufungskammer des Handelsgerichtes in Buenos Aires um ein Jahr verkürzt wurde. Anschießend soll die Fabrik versteigert werden.

SACMI S.A. ist einer der Gläubiger des ehemaligen Fabrikbesitzers Luis Zanon. Luis Zanon schuldet ihr 30 Millionen Pesos (1 US-Dollar= 3,10 Pesos). Andere Hauptgläubiger sind die Weltbank, die Schweizer Kreditbank und Regierungsinstitutionen. Die Gesamtschuld beläuft sich auf 170 Millionen Pesos, davon entfallen 22 Millionen US-Dollar auf die Weltbank.

Mariano Pedrero, Rechtsanwalt von Zanon, sieht in der Berufung eine klare Komplizenschaft von Luis Zaron und der SACMI, die Luis Zaron von seiner persönlichen Haftung befreien soll. "Es ist eindeutig, dass SACMI und Luis Zaron gemeinsam operieren, um die Selbstverwaltung der ArbeiterInnen zu beenden und deshalb die Räumung und Versteigerung fordern."

Die ArbeiterInnenkooperative FASINPAT, derzeitige Ansprechpartnerin für Regierung und Gerichte, fordert hingegen die Enteignung und Verstaatlichung von Zanon. Sie will eine Versteigerung verhindern. Auf einer Pressekonferenz wurde angekündigt, vor dem Obersten Gerichtshof Rechtsmittel gegen die Berufung einzulegen. Ferner fordern sie ein Gespräch mit dem Gouverneur Jorge Sapaq, um erneut über die Enteignung und Verstaatlichung zu diskutieren. In der Vergangenheit wurden diese Forderungen schon dem Provinzparlament und dem Nartionalkongress unterbreitet.

"Mehr als jemals zuvor fordern wir öffentlich diese Zusammenkunft und wir werden diese Forderung zudem durch einen Marsch am 25. Oktober zum Ausdruck bringen. Denn wir werden nicht zulassen, dass Zanon unter ArbeiterInnenkontrolle versteigert wird. Wir werden nicht zulassen, dass der soziale Sinn der Fabrik zerstört wird und hunderte von Familien auf der Straße stehen", so die autonome Belegschaft in ihrem Kommunique. "Sie wollen den sozialen Sinn zerstören, den die Fabrik durch die Selbstverwaltung erhalten hat, im Gegensatz zu dem, was sie zuvor gewesen ist", so Alejandro López, der zudem ankündigte, dass bei einer Versammlung der KeramikerInnengewerkschaft in Neuquén die Organisationen über den Beschluss und alle weiteren Schritte informiert werden.

Unter der Selbstverwaltung der Belegschaft wurden 250 neue Arbeitsplätze geschaffen und Millionenbeträge investiert, um die Maschinen anzupassen und in Stand zu halten. Die Gefahr von Arbeitsunfällen wurde beträchtlich vermindert und tausende Meter Kacheln an soziale Organisationen gespendet. Im Monat September fand der erste Export nach Chile statt.

Die Geschichte beweißt, dass die Fabrik in den Händen der ArbeiterInnen trotz des politischen, justiziellen und legislativen Boykotts effizient geführt worden ist. Die Geschichte Zanons ist eine der erfolgreichsten im Hinblick auf die Zurückeroberung der Fabriken, sowohl was die Produktivität anbelangt, als auch bezüglich der politischen Entwicklung der Region.

siehe auch CONTRASTE Nr. 243, Dezember 2004: "Wozu einen Chef?" - Fabrikbesetzungen in Argentinien.

Links: 

Die ArbeiterInnen von Zanon: www.obrerosdezanon.org 

Zanon: Räumung verhindert: www.wildcat-www.de/aktuell/a027arge.htm

 

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Stand: 30. Oktober 2007