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Monatszeitung für Selbstorganisation

 

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Sommer 2005

Aus dem Inhalt
Sozialforum

 

WEGE AUS DER EXKLUSION

Interkulturelle Gärten

"Die Geschichte der neuen Exklusion beginnt bei und mit den Flüchtlingen, das Asyl-, das Flüchtlings- und Ausländerrecht war und ist ihr Exerzierfeld, dort wurden Rechtsverkürzung, Leistungsverkürzung, Ausgrenzung erstmals ausprobiert und praktiziert. Bei den Flüchtlingen wurde die Politik der Entsolidarisierung eingeübt, Opfer waren die Schwächsten der Schwachen. Seitdem folgen die anderen Schwachen."

Stiftung Interkultur - Heribert Prantl, Chef des Ressorts Innenpolitik der Süddeutschen Zeitung zeigt in seinem neuen Buch "Kein schöner Land" auf, wie unwürdig der deutsche Staat mit Flüchtlingen und Asylsuchenden umgeht und verweist zugleich darauf, wie wichtig es gerade für Ausgegrenzte ist, nicht vollständig abgeschnitten zu sein von ihren Fähigkeiten, ihrer Kreativität und ihren vielfältigen produktiven Potenzialen. Das gilt für MigrantInnen, die ihre Produktionsmittel, ihre sozialen Netzwerke und ihre vertraute Umgebung verlassen haben, ebenso wie für eine wachsende Zahl von Einheimischen.

Integrationspotenziale bieten Projekte mit ressourcenorientiertem Ansatz der Eigenversorgung und Eigeninitiative wie zum Beispiel Interkulturelle Gärten. In diesen Projekten zeigt sich deutlich, dass Tätigkeiten wie der Anbau von Obst und Gemüse für den eigenen Bedarf, die Selbstorganisation von Deutschkursen oder die Entwicklung von interkulturellen Bildungskonzepten weit über den materiellen Nutzen der jeweiligen Aktivitäten hinaus Bedeutung haben: Die aktive Gestaltung der eigenen sozialen Umgebung hilft den MigrantInnen zum einen, sich selbst sozial und identitär in der neuen Umgebung wiederzufinden. Zum anderen leistet sie einen bedeutenden Beitrag zur Zivilgesellschaft. Die Dynamik der Aneignung des Vorgefundenen über das Aktivieren und Fruchtbarmachen der mitgebrachten Kompetenzen führt zur Entstehung eines neuen sozialen Raums des "Dazwischen", in dem sich die moderne Migrationsgesellschaft immer wieder neu herstellt.

Zweifellos sind Interkulturelle Gärten keine "Modellprojekte" oder Patentlösungen für Desintegrationsprobleme in modernen (Einwanderungs-) Gesellschaften. Selbsthilfe allein wird die Folgen einer neoliberalen Politik wie Armut oder Kriminalität kaum auffangen können und vermag nicht originäre Aufgaben des Staates wie die Gewährleistung von sozialer Gerechtigkeit zu substituieren.

Dennoch: Das Zusammenspiel mehrerer Faktoren macht die Interkulturellen Gärten zum privilegierten Ort der Produktion inter- oder transkulturellen Wissens. Die praktische Ebene der gärtnerischen und handwerklichen Arbeiten schließt auch das Teilen und Organisieren von Raum-Zeit und die kulturelle Repräsentation und Reflexion des "Eigenen" gegenüber den jeweils anderen Kultur- bzw. Sinnzusammenhängen ein.

Dieses öffentlich stattfindende und daher auch (zumindest mikro-)politisch bedeutsame Spiel kultureller Repräsentation gibt den beteiligten kulturellen Gruppen die Möglichkeit des Bergens ihrer eigenen kulturellen Besitztümer, die nun in Prozessen des Vermittelns, Verhandelns und Anerkennens in Beziehung zu anderen gesetzt werden. Die hier vollzogene Bewegung ist also - und das ist signifikant - eine doppelte: Zum einen sind bei den beteiligten Akteuren Prozesse des Bewahrens und der Abgrenzung ihrer eigenen kulturellen Identität zu beobachten. Andererseits geht damit eine reflexive Verortung dieser eigenen kulturellen Position in einer interkulturellen "Landkarte" einher. Es scheint, dass genau diese Dialektik des Wieder-(Er-)Findens und der Neuverortung einen höchst effektiven Lernmechanismus von Selbst- und Weltaneignung in Gang setzt. Dass dieser die intelligentere Alternative zu den eindimensional argumentierenden Leitkulturvisionen darstellt, liegt auf der Hand.

Dieser CONTRASTE-Schwerpunkt vermittelt Einblicke in Geschichte und Alltag Interkultureller Gärten und die vielfältigen Aufgabenfelder der Stiftung Interkultur. Er dokumentiert das Konzept der Interkulturellen Umweltbildung und zeigt auf, welche Antworten Interkulturelle Gärten auf alltägliche Praktiken des Rassismus zu geben in der Lage sind.

Schwerpunktthema Seite 7 bis 10

SCHWERPUNKTTHEMA

Überblick: Salbei für die Seele 
Seite 7

Die Münchener Gärten für Kulturen 
Seite 8

Internationale GärtnerInnen in Dessau 
Seite 8

"Wir sind Deutsche, aber keine echten" - Interkulturelle Gärten als Sozialräume des Empowerment 
Seite 9

Interkulturelle Umweltbildung 
Seite 10

Forschungsnetzwerk Interkulturelle Gärten 
Seite 10 

 

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Stand: 20. Mai 2007