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Monatszeitung für Selbstorganisation

 

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Sommer03

Aus dem Inhalt
Antikriegskongress der BUKO

 

GENOSSENSCHAFTEN IN DER ARBEITSMARKTPOLITISCHEN DISKUSSION

Seifenblase oder Rettungsanker?

Zum Selbstverständnis von Genossenschaften gehören
die unternehmerische und soziale Beteiligung der
Mitglieder. Allein schon deshalb können sie als
innovative Lösungsansätze zur Bekämpfung von
Diskriminierung und Ungleichheiten auf dem
Arbeitsmarkt angesehen werden. Sind sie deshalb
schon als arbeitsmarktpolitisches Instrument zu
betrachten? Der CONTRASTE-Schwerpunkt thematisiert
diese gegenwärtig hochaktuelle, konträr geführte
Diskussion.

Burghard Flieger, Red. Genossenschaften - Über eine abgesicherte Einbindung der Mitglieder, die den arbeitsmarktpolitischen Zielgruppen zuzurechnen sind, helfen genossenschaftliche Ansätze mehr als andere Unternehmensformen, die individuellen Fähigkeiten und Motivationen ihrer Mitglieder zu mobilisieren. Vor diesem Hintergrund stellt ihre innerbetriebliche Organisation, gekennzeichnet durch ein Experimentieren mit neuen Entscheidungs- und Managementformen, ein Innovationspotenzial an sich dar, das besondere ökonomische und politische Möglichkeiten eröffnet.

Allerdings wird die Rechtsform der Genossenschaft in Deutschland für Unternehmen mit sozialen Zielsetzungen wie der Schaffung von Arbeitsplätzen bisher wenig genutzt. In anderen Ländern der
Europäischen Union gelang es mit Hilfe der großen genossenschaftlichen Organisationen - der Konsumenten oder der Landwirte - auch im sozialen Sektor die genossenschaftliche Selbsthilfe zu aktivieren. Hier besteht die Möglichkeit zur Entwicklung neuer Wege, von anderen Ländern der Europäischen Union zu lernen. Für die geringe Zahl der Neugründungen von Genossenschaften ist eine Reihe von Hürden ausschlaggebend. Ihre Beseitigung bzw. ihr Abbau können zu einem wichtigen Impuls für verstärkte Gründungen von Selbsthilfegenossenschaften beitragen. Die wichtigsten Barrieren sind: 

  1. Mangel an Kenntnissen über die genossenschaftliche
    Rechtsform;
  2. Defizite bei Beratung und Qualifizierung;
  3. Mangel an geeigneten Finanzierungsformen;
  4. Defizite bei Kooperationsfähigkeit und Motivation;
  5. Fehlen praxisnaher Entscheidungshilfen.

Kein Wundermittel

Allerdings bewirken auch Genossenschaften keine Wunder. Sie ermöglichen weder den Aufbau von Arbeitsplätzen, wo es keine Arbeit im Sinne bezahlter Tätigkeiten gibt, noch können soziale Probleme, bei denen Sozialarbeit und staatliche Interventionen seit Jahren wirkungslos bleiben, durch Genossenschaften eine entscheidende Trendwende erfahren. Entsprechend reagieren Sabine Smentek und Margrit Zauner eher kritisch gegenüber aktuellen Bestrebungen, Produktivgenossenschaften vorrangig als arbeitsmarktpolitisches Instrument zu betrachten. Sie befürchten, dass sie zu sehr mit gesellschaftspolitischen Zielen überfrachtet werden. Nach ihrer Einschätzung müssen Genossenschaften aber immer dort scheitern, wo sie als Vehikel für die Durchsetzung von gesellschaftspolitischen Interessen dienen und ihre eigentlichen betriebswirtschaftlichen Stärken gar nicht erst zum Tragen kommen.

Das Beispiel der hauswirtschaftlichen Dienstleistungsgenossenschaft HausGemacht eG, gegründet im Mai 1998, veranschaulicht allerdings, welche Möglichkeiten in der Genossenschaft stecken. Sie wurde gegründet, um mit einem niedrigschwelligen Angebot dauerhafte Arbeitsplätze für arbeitslose Frauen zu schaffen. Die Verknüpfung des arbeitsmarktpolitischen Ansatzes mit dem Modellcharakter der Rechtsform Genossenschaft diente als Begründung, um über das Programm "Zukunftsoffensive" des Landes Bayern eine Förderung zu erhalten. Die beiden folgenden Artikel kritisieren dagegen vor allem die Hemmnisse, mit denen genossenschaftliche Neugründungen konfrontiert werden. Hintergrund hierfür sind in vielen Fällen, so Delal Atmaca, die ideologische Fixierung auf das Einzelunternehmertum. Die Folge ist, dass Genossenschaften aus vielen staatlichen Gründungsförderungen ausgeschlossen bleiben. Hier, so ihr überzeugendes Plädoyer, gilt es schnellstens Abhilfe zu schaffen. 

Schwerpunktthema Seite 7 bis 10

 

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Copyright © 1999 CONTRASTE Monatszeitung für Selbstorganisation
Stand: 20. Mai 2007