Contite1.jpg (10220 Byte)

CONTRASTE im Februar 2012: Solidarische Ökonomie: Kultur der Kooperation · Eine weltweite Bewegung, Teil 2: Die Soziale Solidarische Ökonomie in der Wirtschafts- und Finanzkrise · Konzepte: Gibt es ein richtiges Leben im falschen?  · Forum Solidarische Ökonomie - Kultur der Kooperation: Das Forum zum Forum machen · RGW, Berlin: Über das Scheitern von Vernetzungsversuchen · Brasilien: Genossenschaftsgründung als Bildungsprozess · Forschungsarbeit zu Utopie und Praxis: Kritischer Blick auf Solidarische Ökonomie in Brasilien +++ Stuttgart 21 - Der Widerstand geht weiter · Eingebettete JournalistInnen: Pure Machtdemonstrationen+++ Kolumbe elis.corner: Die große Plünderung +++ Neuausrichtung der Agrarpolitik: "Wir haben es satt" +++ Autonome Stattzeitung für Politik & Kultur in Düsseldorf und Umgebung wurde 20 Jahre: TERZ 2.0 oder --- auf die nächsten 20 Jahre +++ Linke MedienAkademie 2012: Schnittstellen: Dialog, Synergien und Macht +++ Paris: Collectif Cetre-Culture +++ Netzwerk News: Denn man isst, was man isst +++ Recht auf Platz!: Ein Tag zu Besuch beim Wagenplatz Zomia +++ Kampagne zum Stopp weiterer Privatisierungen: 12 Jahre PPP - eine Katastrophe  +++ Ticker Repression & Rechtsfälle +++ Arbeitgeberzusammenschlüsse: Genossenschaftliche Kooperation hilft Unternehmen und Beschäftigten · Genossenschaftliche Mitarbeiterteilung: Arbeitskräfte (auf Abruf) nach Bedarf +++ Internationales Jahr der Genossenschaften: Streit über unterschiedliche Werte +++ u.v.m.

Monatszeitung für Selbstorganisation

 

Home Nach oben Bestellungen

September 2010

Aus dem Inhalt
Unsolidarische Ökonomie

AUTONOMES ZENTRUM KÖLN KALK

»Der Traum ist Haus«

Seit vielen Jahren wünscht sich die Kölner Autonome Szene ein richtig großes Haus, wo mensch sich versammeln kann, wo Partys, Konzerte, Lesungen, Filmvorführungen und vieles mehr veranstaltet werden kann. Im Frühling wurde das Traumhaus gefunden: die verlassene Werkskantine des Nutzfahrzeug- und Motorenherstellers Klöckner-Humboldt-Deutz (KHD) im rechtsrheinischen Stadtteil Kalk, einem Viertel, das aufgrund seiner überdurchschnittlichen Arbeitslosenquote und hoher Kriminalitätsrate als sozialer Brennpunkt gilt. Seit zehn Jahren stand das Kantinengebäude »op dr Schäl Sick« (hochdeutsch etwa: »auf der schlechten Seite«) leer. Im April 2010 wurde es von jungen Menschen rund um die Kölner »Kampagne Pyranha« besetzt und sogleich mit Leben gefüllt.

Von Ariane Dettloff, Redaktion Köln # Eine Volxküche, ein Umsonstladen, ein Partyraum, eine Galerie und Ateliers, eine Bibliothek, ein Garten, ein Sport- und Jugendraum, ein Nachbarschaftscafé und eine Beratungsstelle für Hartz-IV-EmpfängerInnen wurden eingerichtet. Wer will, kann hier kommerzfrei workshops und Kurse aller Art anbieten.

Im AZ in der Wiersbergstraße treffen sich nun verschiedene politische Gruppen und es begegnen sich unterschiedliche Milieus, ein sympathischer bunter Haufen, der sich breiter Unterstützung aus diversen Ecken erfreut – von Bezirksvertretern der Linken, der Grünen und der SPD bis zum Museumsdirektor. Dennoch droht die Räumung. Die Stadtsparkasse KölnBonn, der das Haus gehört, will keine Zwischennutzung zulassen, sondern pocht auf baldige Räumung und Abriss. Somit ist fraglich, ob die »pinkvermummten kreuz-und-queer-liebenden bäumeumarmenden aussteigenden Wesen« bei Erscheinen dieser CONTRASTE-Ausgabe sich noch im AZ Köln Kalk tummeln. Vielleicht hat die Stadt ja dann schon wie vor vier Jahren beim »Barmer Viertel« (siehe CONTRASTE-Ausgabe Sommer 2006) eine abgezäunte Brache an seiner Stelle angelegt. Versprochen haben die BesetzerInnen jedoch, sich nicht aufreiben zu lassen, sondern überall in Köln weiter ihr munteres solidarisches Wesen zu treiben.

Im August sah das so aus: Die Sparkasse ließ den Strom abschalten, da er angeblich nicht bezahlt wurde, die BesetzerInnen sich somit des Diebstahls schuldig machten. Die »Kampagne Pyranha« versichert aber, das Geld für Nebenkosten überwiesen zu haben. Zugleich wurde seitens der Sparkasse angekündigt, die Wasserversorgung des Autonomen Zentrums abzustellen, woraufhin die Kampagne folgendermaßen reagierte: »Schenkt uns Wasser! Bringt diese Wasserspenden in Eimern, Flaschen, Kanistern, Planschbecken, etc. in die Filialen der Sparkasse KölnBonn. Stellt sie einfach hin, gebt sie am Schalter ab oder verlangt nach den FilialleiterInnen oder....«

Der Nervenkrieg geht vorerst weiter. Trotz aller UnterstützerInnen aus der Nachbarschaft und aus Parteien mit höchst ungewissem Ausgang. GegnerInnen eines autonomen Freiraums wie des Kölner AZ könnte man folgende Gedanken des Bloggers Bert vom 6. August 2010 auf der Seite für ein Autonomes Zentrum in Dortmund ans Herz legen:

»über geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten. eine lebendige stadt ist nunmal der ort, wo viele verschiedene menschen und lebensentwürfe zusammenkommen. und ja, es kommt zu berührungspunkten, austausch, auseinandersetzungen, die durchaus spannungen produzieren (aber dadurch eben auch als spannend empfunden werden).

es ist stets »das andere«, wodurch sich die »wir« identität herausprägt. und nur mal so nebenbei: wenn du »das andere« ins off verbannst, weisst du ja gar nicht mehr wer du bist? die ewige drehung um die eigene achse hat bisher noch jedeN schwindelig gemacht.

anstatt die warum-frage zu stellen, ist es womöglich höchste zeit das »warum nicht« zu fokussieren. was passiert, wenn nichts passiert?«

(www.ruhrbarone.de/autonomes-zentrum-stattmuseumsruine/)

Schwerpunktthema Seite 7 bis 10

 

Home ] Nach oben ] Aus dem Inhalt ] Unsolidarische Ökonomie ]

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an: CONTRASTE
Copyright © 1999 CONTRASTE Monatszeitung für Selbstorganisation
Stand: 28. August 2010