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Monatszeitung für Selbstorganisation

 

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September 2005

Aus dem Inhalt
Repression gegen aaa

 

SELBSTHILFEGENOSSENSCHAFTEN - DIE WIR-EG

Arbeitsplätze durch Selbsthilfe

Selbsthilfe des Einzelnen führt schnell zu Überforderungen. Im Vergleich dazu bietet Selbsthilfe mit mehreren Betroffenen, die sich vernetzen und wechselseitig unterstützen, besondere Chancen. Gruppenselbsthilfe bedeutet symbolisch gesprochen, dass viele Hände gemeinsam ihre Arbeit miteinander verbinden und damit ihre Kräfte bündeln. Selbstverständlich ist die Gruppenselbsthilfe kein Allheilmittel. Unser Schwerpunkt geht der Frage nach, wie sie funktionieren kann. Nicht nur sehr unterschiedliche Unternehmenstypen werden anhand konkreter Beispiele veranschaulicht, sondern es wird auch deutlich, dass in vielen Fällen Selbsthilfe der Unterstützung bedarf. Oft lässt erst die Hilfe zur Gruppenselbsthilfe aus diesem Mythos konkrete Organisationen werden mit Menschen, die von Erfolgen und Misserfolgen ihrer gemeinsamen Anstrengungen geprägt sind.

Burghard Flieger und Peter Streiff, Red. Genossenschaften - Vorweg: Was aber sind überhaupt Selbsthilfegenossenschaften? Wesentliches Merkmal von Selbsthilfe ist, die eigenen Ressourcen in Form von Arbeitskraft, Kapital, Land und Fähigkeiten zu nutzen. Sie ist eine Reaktion auf objektive Notlagen oder auf subjektiv als unbefriedigend empfundene Situationen. Als Selbsthilfegenossenschaft gilt der Zusammenschluss einer Gruppe von Menschen, die Ausgrenzung und Benachteiligung erfahren oder unterhalb der Armutsgrenze leben, und die sich über wirtschaftliche Aktivitäten in einer Organisation selbst helfen. Sie ist nach den genossenschaftlichen Prinzipien, dem Förder-, Identitäts-, Demokratie- und Solidaritätsprinzip, strukturiert.

Hilfen für die Gründung

Bis die Mitglieder einer Selbsthilfegenossenschaft auf eigenen Beinen stehen, benötigen sie meistens Hilfe von außen über Beratung, Qualifizierung, Zuschüsse bei der Finanzierung etc. Diese sollte aber immer so angelegt sein, dass sie die Eigeninitiative und Selbstverantwortung der Beteiligten stärkt. Dabei steht die Hilfe in Form von Finanzierung nicht unbedingt an erster Stelle. Dies veranschaulicht Jost W. Kramer, Professor an der Hochschule Wismar, in seinem einleitenden Beitrag. Er spricht von beschäftigungsorientierten Genossenschaften und macht deutlich, dass die Berliner Förderkredite für Genossenschaftsgründungen zu kurz greifen. Er plädiert dafür, InteressentInnen im Rahmen eines "Cooperation Assessment Center" näher mit dem Genossenschaftskonzept vertraut zu machen.

Welche Schritte sinnvoll sind, um über Selbsthilfegenossenschaften neue Wege zur Sicherung und Erweiterung der Beschäftigung zu erschließen, veranschaulicht der zweite Beitrag. Im Mittelpunkt steht ein Überblick über geeignete Instrumente, die die Gründung und Stabilisierung von Selbsthilfeunternehmen in genossenschaftlicher Rechtsform erleichtern. Sie wurden in einer zweieinhalbjährigen Projektphase im Rahmen eines EQUAL-Projekts von der innova eG entwickelt. innova begleitet Erwerbslose bei der Neueinrichtung dauerhafter Arbeitsplätze in Genossenschaften. Zentraler Baustein der Arbeit sind Qualifizierungen. In diesen werden das Wissen und die Fähigkeiten erworben, die erforderlich sind, um gemeinsam mit anderen ein Unternehmen zu führen.

Wichtige Lobbyarbeit

Im Mittelteil des Schwerpunkts stehen drei ausführlich geschilderte Beispiele neu gegründeter Selbsthilfegenossenschaften. Bei ihnen geht es immer um die Schaffung oder Absicherung von Erwerbsarbeit, verwirklicht in sehr unterschiedlichen Formen. Bei der SAGES eG aus Freiburg sollen mittelfristig im eigenen Unternehmen sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze entstehen. Dagegen agieren die Mitglieder der Genossenschaft euregio-it eG aus Aachen als Selbständige, die untereinander auftragsabhängig Kooperationen eingehen. Wie andere Vorbilder zeigen, haben sie in der IT-Branche besonders gute Chancen, da hier die Mischung von Selbständigkeit und Kooperation zukunftsweisend ist. Das dritte Beispiel ist eine Stadtteilgenossenschaft. Sie zeichnet sich mehr als andere Genossenschaftsformen durch die Heterogenität ihrer Mitglieder aus. Größere Synergien, aber auch mehr Konflikte sind die voraussichtlichen Folgen. Trotz der unterschiedlichen Mitglieder verfolgt die Stadtteilgenossenschaft Sonnenberg in Chemnitz als zentralen Foerderauftrag, Arbeitsplätze mit Anstellungsverhältnissen zur Verfügung zu stellen.

In den beiden abschließenden Artikeln des Schwerpunkts stehen konzeptionelle Aspekte im Vordergrund. Burchard Boesche vom Zentralverband deutscher Konsumgenossenschaften setzt sich engagiert für die Chancengleichheit der Genossenschaft in der deutschen Rechtsformenlandschaft ein. Zu diesem Zweck plädiert er dafür, die Genossenschaftsprüfung für Kleingenossenschaften hinsichtlich der formalen Anforderungen und auch bei den Kosten erheblich zu entlasten. Als Ausblick und als Konsequenz aus der bisherigen Arbeit der innova eG wird eine Multiplikatorenfortbildung für genossenschaftliche Projektentwicklung dargestellt. Sie startet Anfang naechsten Jahres und soll Promotoren ansprechen, die sich verstärkt bei Neugründungen vor Ort engagieren wollen.

Schwerpunktthema Seite 7 bis 10 

 

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Stand: 20. Mai 2007