Contite1.jpg (10220 Byte)

CONTRASTE im Februar 2012: Solidarische Ökonomie: Kultur der Kooperation · Eine weltweite Bewegung, Teil 2: Die Soziale Solidarische Ökonomie in der Wirtschafts- und Finanzkrise · Konzepte: Gibt es ein richtiges Leben im falschen?  · Forum Solidarische Ökonomie - Kultur der Kooperation: Das Forum zum Forum machen · RGW, Berlin: Über das Scheitern von Vernetzungsversuchen · Brasilien: Genossenschaftsgründung als Bildungsprozess · Forschungsarbeit zu Utopie und Praxis: Kritischer Blick auf Solidarische Ökonomie in Brasilien +++ Stuttgart 21 - Der Widerstand geht weiter · Eingebettete JournalistInnen: Pure Machtdemonstrationen+++ Kolumbe elis.corner: Die große Plünderung +++ Neuausrichtung der Agrarpolitik: "Wir haben es satt" +++ Autonome Stattzeitung für Politik & Kultur in Düsseldorf und Umgebung wurde 20 Jahre: TERZ 2.0 oder --- auf die nächsten 20 Jahre +++ Linke MedienAkademie 2012: Schnittstellen: Dialog, Synergien und Macht +++ Paris: Collectif Cetre-Culture +++ Netzwerk News: Denn man isst, was man isst +++ Recht auf Platz!: Ein Tag zu Besuch beim Wagenplatz Zomia +++ Kampagne zum Stopp weiterer Privatisierungen: 12 Jahre PPP - eine Katastrophe  +++ Ticker Repression & Rechtsfälle +++ Arbeitgeberzusammenschlüsse: Genossenschaftliche Kooperation hilft Unternehmen und Beschäftigten · Genossenschaftliche Mitarbeiterteilung: Arbeitskräfte (auf Abruf) nach Bedarf +++ Internationales Jahr der Genossenschaften: Streit über unterschiedliche Werte +++ u.v.m.

Monatszeitung für Selbstorganisation

 

Home Nach oben Bestellungen

November 2011

UNSER TÄGLICH BROT VERKAUFE UNS HEUTE...

Nahrung ist (k)eine Ware

Unter dem Aspekt der Gesundheit, seltener unter dem des Genusses, umwirbt uns das Lebensmittelbusiness. Dass wir es in der Branche mittlerweile auch mit großen Konzernen und global Playern zu tun haben, ist vielen nicht bewusst. Die meisten Firmen sind kaum bekannt. Das Schlagwort des rebellischen Galliers Bové vom Kampf gegen la malbouffe, den schlechten Fraß, hat in Frankreich breite Sympathien geweckt.Womit könnte mensch die Leute hierzulande auf den Trug einer Vielfalt, die längst ihren guten Geschmack eingebüßt hat und erhebliche Probleme verursacht, aufmerksam machen?

von Werner Ruhoff # In Deutschland werden fast 20 Millionen Tonnen Lebensmittel jährlich in den Abfall geworfen. Umso skandalöser wirken die zahlreichen Hungerkatastrophen und die Tatsache, dass täglich 100.000 Menschen an Hunger und seinen Folgen sterben. Laut Focus money online wurden 20% der us-amerikanischen Maisernte 2006 in 4,9 Mrd. Gallonen Bioethanol verwandelt, und die US-Regierung verfolge das Ziel, die Produktion bis 2017 auf 35 Mrd. Gallonen zu erhöhen. Eine Überschrift lautet: »Agrarrohstoffe stehen nach Einschätzung der Deutschen Bank vor der längsten Rallye der Geschichte «. Der Preisauftrieb für Weizen hat sich seit der Jahrtausendwende zur Freude der SpekulantInnen vervierfacht. In den arabischen Ländern werden Rebellionen durch Brotpreiserhöhungen ausgelöst. »Für Börsianer eröffnen sich exzellente Gewinnchancen. « Die Boerse-express.com weist darauf hin, dass »Goldman Sachs« Mais als Investment empfiehlt. Und dann wird für eine Empfehlung das schlechte Gewissen beruhigt: »Obwohl Lebensmittelspekulationen ethisch eine sensible Sache sind, sollte man zumindest eine kleine Portion Agrarrohstoffe ins Depot legen.« Der oder die »Expertin« weiß auch warum: »damit der Weltmarkt für die Versorgung der Weltbevölkerung funktioniert!« Chapeau! Damit das anlegende Publikum sein Gewissen total besänftigen kann, fehlt neben den Überschriften nicht der Hinweis auf die Welthungerhilfe – »hier Online- Spenden und helfen!«

Die vorliegenden Beiträge befassen sich weder mit solchen Unappetitlichkeiten kapitalistischer Reichtums- und Notvermehrung, noch mit den Auswirkungen des Klimawandels oder der Ausbeutung von LohnarbeiterInnen, die beispielsweise als MigrantInnen in Andalusien unter sklavenähnlichen Bedingungen für das Geld der PlantagenbesitzerInnen, für Konzerne und KonsumentInnen schuften.

Unter dem Aspekt der Selbstorganisation kommen widerständige Eigeninitiativen zum Ausdruck, die sich gegen das aggressive Agrarbusiness Freiräume schaffen und sich zu behaupten suchen. Dazu gehören die Proteste und Zusammenschlüsse gegen die anstehende Saatgutgesetzgebung der EU, die Organisierung einer weltweiten Bewegung für die Ernährungssouveränität oder beispielhaft die Gründung einer Initiative, die im ehemaligen Industrievorort Köln-Kalk zwischen alten Fabrikhallen ein Freigelände nutzt und dort Gemüse anbaut.

Eine deutliche Betonung des Schwerpunktes liegt auf der Herstellung von Milchprodukten, die selten in den öffentlichen Focus gerät. Milch wird als Rohstoff gehandelt und die Molkereien sind mit 20 Mrd. EUR Jahresumsatz und ca. 35.000 Beschäftigten der größte Zweig der Lebensmittelindustrie in Deutschland. Der Maschinenbau hat einen gewaltigen Einfluss auf ihre Entwicklung und kalkuliert mit Zuwächsen, vor allen Dingen in Asien und Afrika. »Tetra Pak« und »GEA« gehören zu den weltweit agierenden Technologiekonzernen, welche die Branche technologisch und damit auch ökonomisch wie »ökologisch« entscheidend strukturieren. Die regionale Bindung der Milchversorgung ist längst passé. Was steckt nun hinter all dem, womit wir vor dem Kühlregal konfrontiert sind?

Als die Molkerei im Sauerländischen Willingen- Usseln Anfang der neunziger Jahre von den damaligen Milchwerken Köln-Wuppertal aufgekauft und anschließend geschlossen wurde, ergriff Bauer Jacobi mit zwei Kollegen die Initiative, eine Biomolkerei zu gründen, in der die Bauern selbst bestimmen. Dazu gibt es mit ihm im vorliegenden Schwerpunkt ebenfalls ein Interview. Für alle diejenigen, die mal selbst ausprobieren wollen, wie sie Frischkäse machen können, gibt es zum Schluss noch ein Rezept.

Schwerpunktthema Seite 7 bis 10

 

Home ] Nach oben ]

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an: CONTRASTE
Copyright © 1999 CONTRASTE Monatszeitung für Selbstorganisation
Stand: 01. November 2011