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Monatszeitung für Selbstorganisation

 

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November02

Aus dem Inhalt
USA: Jimmy Carter

 

...weiterhin Maul halten!

Nichts wirklich Neues zu Anna und Arthur

Die Rede ist von "staatlicher Repression". In welcher
Form und auf welcher Rechtsgrundlage sie heutzutage
stattfindet wird hier geschildert. Und vor allem der
Frage nachgegangen, was zu machen ist, wenn die
Staatsgewalt an die Tür klopft. Mit diesem
Schwerpunkt löst CONTRASTE ein Versprechen ein,
welches in der Diskussion um den vorherigen
Schwerpunkt "Selbstorganisation von unten" gegeben
wurde...


Von Kurt Regenauer aus Portugal - Der Anlass zur
Veröffentlichung dieser Seiten liegt schon länger zurück. Im
März befand das Redaktionsplenum unserer Zeitung
eine Kürzung der Seite im Schwerpunkt "Selbstorganisation von
unten", die sich mit dem Thema "Staatliche Repression" befasste. Die AutorInnen vom "Hoppetosse-Netzwerk" wurden gefragt, ob sie in der Propagierung der Selbstorganisation von Beziehungen zu
Organen staatlicher Machtausübung wirklich so weit gehen
wollten, wie sie es in den gekürzten Stellen getan hatten.
Am Ende wollten sie nicht.

Trotzdem dieser Schwerpunkt: wir wollen hier nicht
vorgeben, dass unsere Ordnungsbehörden ein gesteigertes
Interesse an alternativer Ökonomie haben. Immerhin steht auch
sie ab und an im Visier der Ermittler mit ihrem notorischen Interesse an Finanzen und Beziehungen. Und nicht jeder Zusammenstoß mit den Bütteln staatlicher Gewalt verläuft so glimpflich wie der klassische
Crash in den achtziger Jahren am Plärrer Nürnberg, als sich
polizeiliche Rotlichtsünder mit Karacho in die Front des CONTRASTE-Golfs bohrten. Die Beamten hatten schlichtweg vergessen, ihr Blaulicht einzuschalten...

CONTRASTE, skurriles und buntes Blatt vieler Szenen, stand
schon öfter im Fadenkreuz der Fahnder von VS und Staatsschutz und dies nicht nur deshalb, weil sie eben auch im Knast gelesen wird: "geistige Nahrung!", wie mir ein befreundeter Knacki gerade schrieb. Das freut uns. Es heißt aber auch, dass wir bespitzelt werden,
abgehört werden und immer mal wieder einE RedakteurIn oder
AutorIn angequatscht wird, ob er/sie nicht mitspitzeln will.
Das ist uns klar und das macht uns zum Thema äußerst sensibel.

Denn wir leben davon, die Authentizität und Qualität zu behalten, "geistige Nahrung" bleiben zu können. Wir leben daher auch von einem Vertrauensbonus, den uns diverse Szenen entgegenbringen, wenn sie uns informieren. Nur so werden wir glaubwürdig bleiben können.

Nun hat sich einiges enorm geändert auf dem weiten Gebiet staatlicher Gewaltausübung in den letzten dreißig Jahren: neben dem Thema "Krieg" ist aber wohl das brisanteste Thema die Verquickung von Staatsgewalt und Medien. Seit Herolds kühnem Entwurf eines
"Sonnenstaates" hat sich hier so einiges getan.

Mit staatlicher Repression ist eben auch gemeint, dass Vater Staat mittels einer neuen, vierten Gewalt, sic: den Medien, massiven Einfluss auf unsere Köpfe und was wir so meinen, ausüben kann. Und das tut er hemmungslos. Da werden Fahndungsfotos in Web gesetzt, weil Jugendliche auf Demos auffällig geworden sind - auf den offiziellen Seiten eines rot-roten Senats, versteht sich (siehe S. 2). Da werden Artikel lanciert und Stimmung gemacht - Intelligence-Arbeit heißt so was und ist in Wirklichkeit die Nutzung von Medien als Fälscherwerkstatt, um Stimmung zu machen. Da werden gigantische Abhöranlagen installiert und Mailverkehr gescannt. Da wird zur Not auch mal rechte Hassmusik produziert und gefummelt und geschummelt.

All dies ist die nicht direkt sichtbare staatliche Repression und auch sie engt den Spielraum für Alternativen und ihre kulturellen und sozialen Zusammenhänge spürbar ein. Der Schock des deutschen Herbstes 1977, als es mit den Ereignissen in Stammheim und Mogadischu zu einer förmlichen Gleichschaltung fast aller Medien kam, sitzt noch in einigen Köpfen. Volkszählungseskapaden taten ihr
Übriges. Die Erkenntnis bleibt: Leben, auch und gerade alternatives Leben, heißt leider immer wieder, Objekt staatlicher Gewaltausübung zu bleiben.

Repression ist damit weiterhin ein Thema, was uns brennend interessiert. Sie mag mit der Nutzung neuer Medien in einem neuen Gewand daherkommen, aber es entstehen auch neue Mittel zum Widerstand. Wann wird die vom Berliner Senat betriebene elektronische Denunziationsmaschinerie das erste Mal dadurch ad absurdum  geführt, dass Hacker die Konterfeis der zu denunzierenden 53 Jugendlichen mit Bildern von Senats- und Abgeordnetenhausmitgliedern austauschen? Solche Publikationsmethoden erhalten ihr repressives Geschmäckle
eigentlich auch dadurch, dass sie ursprünglich von rechten Hass-Websites entwickelt wurden und vielleicht auch noch eine gemeinsame Schnittmenge finden könnten. Spätestens dann wird der Büttel zum Blockwart und die Dienste verzahnen sich in aller Offenheit mit dem braunen Untergrund.

CONTRASTE jedenfalls nimmt dies zum aktuellen Anlass, in diesem Schwerpunkt auch ausführlich über die Rechte zu berichten, die jedeR hat, wenn er/sie einst mit der Staatsgewalt konfrontiert wird. Außerdem haben wir den rot-roten Senat bei der Preisverleihung des
Big-Brother-Awards 2003 (www.bigbrotherawards.de)
wärmstens empfohlen. Auch das ist ein Stück Widerstand.

Alles in Allem bleibt aber trotzdem unsere Erkenntnis: es mag
so manche neue, kreative, witzige und selbstorganisierte
Widerstandsform geben. Jene kindische Vorstellung von
Selbstorganisation, mensch könne nach dem Straßenkampf auch ruhig einmal mit der Bullerei eine Pizza essen gehen, ist im Übrigen gar nicht so neu und "offensiv". Zuletzt wurde sie in den wilden siebziger
Jahren von der Fischer-Gang in der "Wir Wollen Alles" (Spontizeitung) vertreten. Jetzt sitzen die in der Bundesregierung. Für Anna und Arthur hat sich also gar nicht so viel geändert. 

Doch: sie können www.rote-hilfe.de  anklicken...

Wir danken der Roten Hilfe Heidelberg für
die Erstellung unserer
Schwerpunktseiten 7 bis 10.

 

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Copyright © 1999 CONTRASTE Monatszeitung für Selbstorganisation
Stand: 20. Mai 2007