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Monatszeitung für Selbstorganisation

 

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Mai04

Aus dem Inhalt
Castorwiderstand

 

Die ufaFabrik in Berlin-Tempelhof wird 25

Die Stadt der kurzen Wege hat Geburtstag


Üben, üben, üben, - so werden Träume wahr...

Es war so etwas wie ein Gründerzeit-Boom, was sich in
den Jahren 1978/79 in Berlin und anderswo ereignete.
Nach dem "Deutschem Herbst" in Stammheim/
Mogadischu 1977 und dem Westberliner
Tunix-Kongress zu Anfang 1978 ging es so richtig zur
Sache. Die KritikerInnen nannten das, was sich überall
in Form der neu entstehenden "Alternativbewegung"
ausbreitete, entweder reformistische Angepasstheit
oder Kapitulation vor den herrschenden Zuständen,
Flucht aus dem nötigen Kampf gegen das kapitalistische
System. Vergessen wurde meist, dass zuvor, - im
Ghetto des revolutionär-militanten Kampfes in der BRD
gegen die Täter-Gesellschaft, die Auschwitz
hervorgebracht hatte -, viele gut gemeinte Projekte in
Mord, Knast und Verrat gescheitert waren. Es kann
dieser 1978er-Bewegung mancherlei Kritisches ins
Stammbuch geschrieben werden, eines allerdings nicht:
dass sie nicht die Ärmel hochgekrempelt und nach 1977
etwas neues geschaffen oder alt-neues wiederbelebt
hätte. Zu den vielen Jubiläen, die die Alternativen
mittlerweile begehen können, gesellt sich nun auch die
Berliner ufaFabrik.

Thomas-Dietrich Lehmann, Redaktion Selbstorganisierte
Lebensgemeinschaften
- Auch wir von CONTRASTE liefern unseren Blumenstrauß ab, sagen: Herzlichen Glückwunsch, GenossInnen! Und: Auf die nächsten 25!!

Wir haben uns auf die Socken gemacht auf diesem 18.000-qm-Gelände des ehemaligen UFA-Filmkopierwerks, einer Stadt der kurzen Wege, haben geguckt und gefragt, recherchiert, was ihr zu bieten habt, real und medial, und herausgekommen ist ein hoffentlich anregender CONTRASTE-Themenschwerpunkt für diesen Monat. Schon gedrucktes ist dabei, wie die Auszüge aus einem Gespräch mit Juppy - der lebendigen, manchmal skurilen, aber immer unterhaltsamen und medienwirksamen Personalityshow der ufaFabrik (Alles Liebe dir, Juppy!), aber auch Einsichten in die etwas verborgenere Welt der Ufa-Kommune (Interview mit Bärbel Dachtler) und natürlich Überblicke über's Gelände mit seinen derzeitigen Betrieben und Ausblicke aufs Jubiläum rund um den 9. Juni 2004 (Artikel von Sigrid Niemer).

Es kommen Seiten dieses alternativen Groß-Projektes zum Vorschein, die vielleicht eher unbekannt sind, wie die Tatsache, dass hier nach wie vor eine der ältesten bundesdeutschen Kommunen existiert (gegründet 1972), eingebunden in ein Netzwerk der politischen Kommunen in Deutschland ("Kommuja"-Netz). Wer weiß schon, dass ein Veteran des 20.ten Jahrhunderts hier mit 78 Jahren in die Kommune einstieg, 16 Jahre lang hier lebte und mitarbeitete, sogar versuchte, sie um eine lebenswerte Alterskommune zu erweitern. Walter Hinze (Portrait von Bärbel Dachtler) hat das leider nicht erleben können, das Projekt stagniert, - und bleibt doch ein gesellschaftspolitisch dringliches Experiment. Walter starb mit 94 Jahren in der Ufa-Kommune.

In vielem, was heute gängige linksalternative Mainstreamkultur ausmacht, waren die "ufas" durchaus VorreiterInnen und blicken in Sachen Ökologie und Nachhaltigkeit auf die langjährigste Erfahrung in diesem Lande zurück. Und wo immer ein alternativer Circus aus dem bundesdeutschen Boden sprießt und Kinder in Berührung kommen mit der Welt der Artistik stand wahrscheinlich der ufaCircus und seine Circusschule Pate. 

Mich erinnert übrigens das Outfit des ufa-Geländes und die Offenheit vieler seiner BewohnerInnen an ein Stück von Ton Steine Scherben, die hier regelmäßig gastierten, der alten "fabrik" verbunden aus Kreuzberger Tagen: Wir sind die Zukunft, / Wir sind die Antwort, / Wir sind die Helden. / Wir - die Millionen Unbekannten! / Und was wir wollen, / wird morgen wahr! - (Ton Steine Scherben. Wovon träumst du?)

Aber um auf die zu Beginn erwähnten KritikerInnen zurückzukommen: Politisch wäre zu diskutieren, ob der Entwurf einer "Politik der ersten Person" in den Entwicklungen nach "1989", nach den "Versammlungen im lacandonischen Regenwald", nach den militanten Gesten des "Volkes von Seattle", nach Toni Negris und Michel Hardts "Empire" und den Versammlungen von Porto Allegre und Mumbai als "Nischenpolitk" überholt ist, oder ob hier die vielzitierte "konkrete Utopie" im Sinne Ernst Blochs ein Stück vorangekommen ist? Das mag jede und jeder selbst beantworten und dann in die linken Diskurse einspeisen.

Schwerpunktthema Seite 7 bis 10.

 

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Stand: 20. Mai 2007