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Mai03

Aus dem Inhalt
Nobelhotel in Selbstverwaltung

 

JENSEITS DER PROPAGANDA

Irak-Krieg - Warum ?

Warum nur? Warum musste dieser schreckliche Krieg gegen die Menschen im Irak begonnen werden? Offensichtlich nicht, weil der Irak die Auflagen der UNO nicht erfüllt hat. Verrückterweise wurden ja noch Tage vor Kriegsbeginn Raketen vernichtet. Offensichtlich nicht, um die Bevölkerung des Irak von seinem Diktator zu befreien. Wie die Taliban wurde ja auch Saddam Hussein vom Westen gründlichst aufgerüstet. Was aber sind die wirklichen Gründe hinter den Propaganda-Kulissen?

Ariane Dettloff/Heinz Weinhausen, Redaktion Köln - Für welche
Ziele ließ die Bush-Regierung und ihre Lobby Tag für Tag
Zivilisten in Bagdad bombardieren und töten? Warum wurden
die eigenen Soldaten in den Tod geschickt? Vieles wurde
dazu geschrieben und gesprochen. Die allzu einfachen
Antworten haben uns nicht überzeugt. Etwa dass George W. Bush
minderbemittelt und nur machtgeil sei. Dass es nur um das
Ausplündern eines Landes wegen seines Öl's geht. Dass neu
entwickelte High-Tech Waffen gefälligst auch zu testen
seien. Allerdings haben wir auch nicht die alles erklärende
plausible Antwort gefunden. Aber etliche gewichtige
Aspekte, die zu einem Gesamtbild der neuen Weltlage beitragen
können. Einig sind die Autoren, die wir hier vorstellen,
darin, dass dieser Krieg nur den Auftakt neuer Kriege bedeutet.

Rainer Rupp sieht den Irak-Krieg als Etappe auf dem Weg zur
einzigen Weltherrschaft der USA. Die Strategie dazu wurde
bereits in der 1997 gegründeten Falken-"Denkfabrik"
"Project for a New American Century" u.a. von Rumsfeld und
Cheney entworfen. Ganz entgegengesetzt die These des
französischen Politologen Emmanuel Todd, dargelegt von Michael
Schneider. Er sieht die USA durch ihr enormes Handelsdefizit
in großen ökonomischen Schwierigkeiten und schätzt sie somit
als niedergehende Supermacht ein. Die außenpolitische
Machtpolitik und das Führen von Kriegen können den
Zusammenbruch des US-Imperialismus nicht aufhalten.
Robert Kurz sieht in seiner Analyse "Der Krieg gegen die
Krise" den Irak-Krieg und die kommenden Weltordnungskriege als
Auswuchs der Globalisierung, den die einzige Weltmacht USA
ebenso wenig gewinnen kann, wie "ein Panzernashorn seine
eigenen Darmviren angreifen kann". Die wachsende Systemkrise
und der Prozess sozialer Zerrüttung lässt den Terrorismus
nachwachsen wie die Köpfe der Hydra. Die Redaktion des
"Gegenstandpunkt" sieht die Kriegsursache in einem
umfassenden Sicherheitsbedürfnis der USA, das die Kontrolle
der Ölregion gebiete, auch, um die Zugangsbedingungen zum
Öl andere Staaten diktieren zu können. Luis Mesa Delmonte,
Politologe aus Kuba, analysiert die mittelfristig große
Bedeutung des Öls, des "Schmiermittel des Kapitalismus" für
die USA auch im Hinblick auf deren Verhältnis zu den
Konkurrenten wie Europa und Japan. Andere Stimmen und Berichte zum Irak-Krieg
ergänzen diesen Schwerpunkt.

Wie immer wird man erst im Nachhinein, vielleicht erst in
einigen oder gar vielen Jahren Gesichertes sagen können:
Gelang der US-Regierung die umfassende Kontrolle der
Ölvorkommen der Welt? War der Irak-Krieg nur der Anfang
vom Ende der niedergehenden Supermacht USA? War
die Isolierung der USA im UN-Sicherheitsrat der Durchbruch
für eine neue Supermacht Europa? Wurden die westlichen
Metropolen von Terroranschlägen erschüttert? Zeigte sich,
dass dem niedergehenden Kapitalismus auch
nicht durch neue Weltordnungskriege noch auf die Sprünge zu
helfen war?

Unabhängig davon, was die Zukunft bringen wird, so ist der
Eroberungskrieg der USA und Großbritanniens ein weiterer
deutlicher Beleg dafür, dass sich die Marktwirtschaft nicht
im sozialen Sinne regulieren und domestizieren lässt.
Eine gesellschaftliche Alternative lässt sich nur jenseits
von Konkurrenzökonomie und der damit einhergehenden
Geld-Demokratie entwickeln. Und - so wird man inzwischen
hinzufügen müssen - auch jenseits des Öls, dem
"Grundnahrungsmittel des Kapitalismus".

Dass auch ein anderes Arbeiten und Wirtschaften, dass ein
solidarisches Miteinander trotz aller Schwierigkeiten und
Widersprüche möglich ist, zeigen weltweit die Initiativen,
Genossenschaften, Projekte, Kommunen, die sich nicht ins
Marktherrschaftliche vereinnahmen ließen. Damit zeigen sie
konkret, dass eine andere Welt, eine menschenwürdige
selbstorganisierte Gesellschaft keine Vision bleiben muss.
Ohne Widerstand gegen den Kriegswahnsinn und sonstige
Brutalitäten des business as usual wird dies allerdings
kaum gelingen können.

Schwerpunktthema Seite 5 bis 12

 

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Stand: 20. Mai 2007