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Monatszeitung für Selbstorganisation

 

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März 2007

Aus dem Inhalt
Archiv Aktiv

 

FEMINISTISCHE SELBSTORGANISATION GESTERN UND HEUTE

Frauen gemeinsam sind stark!

Im Vergleich mit den Zeiten des Aufbruchs und der fortschreitenden Entwicklung der Frauenbewegung in den 1970er und 80er Jahren ist es heute ruhig geworden. Feminismus scheint kein Thema mehr zu sein, auch wenn Frauen heute noch immer weit davon entfernt sind, wirklich gleichberechtigt zu sein.

Elisabeth Voß, Redaktion Berlin - Junge Frauen heute können sich den gesellschaftlichen Mief von damals mit seinen Heterosexismen und die bürgerlichen Kleinfamilien mit ihren patriarchalen Strukturen kaum noch vorstellen. So durften Frauen bis 1977 nur erwerbstätig sein "soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar" (§ 1356 BGB) war. Wenn frau lesbisch wurde, war dies ein persönlicher und politischer Befreiungsschlag.

Als Sigrid Rüger 1968 die legendäre Tomate auf den SDS-Theoretiker Hans-Jürgen Krahl warf, mit dem Ausruf: "Genosse Krahl, du bist objektiv ein Konterrevolutionär und ein Agent des Klassenfeindes dazu!", war dies ein Aufbruchsignal. Vom marxistischen "Nebenwiderspruch" zur Hauptsache werden - gegen die Männer, oder mit ihnen, oder vielleicht einfach ohne sie?

Es war umstritten, was der Kritik am Bestehenden entgegenzusetzen sei. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, oder Lohn für Hausfrauen? Ist das Recht auf Militärdienst an der Waffe für Frauen ein Indikator der Emanzipation? Gibt es "das Weibliche"? Sollen Frauen formal gleiche Rechte haben wie Männer, die sie dann im Sinne der Chancengleichheit nutzen können (oder auch nicht), oder geht es um aktive Frauenförderung mit dem Ziel der Gleichstellung (aber welche mag schon Quotenfrau sein)?

Mit Gender Mainstreaming wird seit einigen Jahren ein technisches Instrumentarium zur umfassenden Berücksichtigung der Interessen von Frauen und Männern entwickelt, das in eine Zeit zu passen scheint, in der sich nur noch wenig Widerspruch regt. Eine Zeit, in der es in öffentlichen Verwaltungen mittlerweile üblich ist, Frauen nicht nur mit zu meinen, sondern auch als solche anzusprechen, während das Binnen-I in der politischen und Projekte-Szene immer seltener anzutreffen ist.

Die mittlerweile völlig kommerzielle Frauenzeitschrift EMMA ist gerade 30 Jahre alt geworden, ihre Gründerin Alice Schwarzer erhielt 1996 das Bundesverdienstkreuz. In ihrer kritischen Würdigung schreibt Frigga Haug in der taz (26.01.07), emanzipatorische Versuche würden aufgesogen "in einen Kurs, der die Reproduktion des alten Patriarchats sichert. In dieser Verschlingung ist die feministische Stimme einverleibt als Pfeifton, der im Konzert mithalten darf."

Bereits ein halbes Jahr vor EMMA erschien die streng selbstverwaltete COURAGE, die nach 8 Jahren an einer Mischung aus unlösbaren kollektiven und wirtschaftlichen Problemen einging. Ähnliche Erfahrungen machten viele Frauen-/Lesbenprojekte. Heute haben wir es weniger mit Kollektiven zu tun, als mit Frauen, die individuell selbstorganisierte Wege beschreiten, und sich dabei mit anderen in kooperativen Formen zusammen schließen. Typische Beispiele solcher Kooperationen sind die "WeiberWirtschaft" und die "Schokofabrik" in Berlin, beide als Genossenschaft organisiert.

Auch das gemeinsame Wohnen von Frauen scheint wieder zunehmend aktuell zu werden, und es entstehen unterschiedlichste Wohnprojekte. Dabei ist durchaus auch das private Immobilieneigentum möglich und erwünscht - in Frauenhand.

Ein Kristallisationspunkt der Frauenbewegung war der Kampf gegen den § 218. Alice Schwarzer initiierte 1971 die Selbstbezichtigungskampagne, bei der 374 Frauen im Stern erklärten: "Ich habe abgetrieben und fordere das Recht für jede Frau dazu." Der Anspruch auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper beinhaltet bis heute die Kritik an einer männerdominierten Medizin, die Organisierung eigenen Wissens und die Entwicklung auf Frauen abgestimmter schulmedizinischer Behandlungsmethoden und Medikamente, sowie alternativer medizinischer Ansätze.

Eine Frauenbewegung sehe ich heute nicht. Aber eine vielfältige, interessante Szene von Frauennetzwerken und Projekten. Auch wenn Frauen heute oft kleine Brötchen backen, so tun viele von ihnen dies immerhin in der eigenen Bäckerei.

Schwerpunktthema auf den Seiten 7 bis 11

 

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Copyright © 1999 CONTRASTE Monatszeitung für Selbstorganisation
Stand: 20. Mai 2007