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Monatszeitung für Selbstorganisation

 

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Juni 2006

Aus dem Inhalt
Repression

 

ALTERNATIVE PRINTMEDIEN

Verlagsgenossenschaften 

- Erhalt einer politischen Kultur- & Medienlandschaft als Unternehmenszweck


Grafik: Thomas J. Richter

Die Geschichte der genossenschaftlichen Selbsthilfe beinhaltet zweierlei: die solidarische Übernahme von Lebensrisiken durch Formen kollektiver Selbstversorgung und die Entwicklung einer politischen Kultur, die die Hoffnung auf menschenfreundliche Perspektiven am Leben hält. Verlagsgenossenschaft "Freiheit", Berlin, Verlagsgenossenschaft "Freies Volk", Bern, Verlagsgenossenschaft "Neue Erde", Wien, Verlagsgenossenschaft "Volksstimme", Hagen, "Realotopia" Verlagsgenossenschaft, Zürich - die Namen sprechen Bände, auch wenn sie Vergangenheit sind. Sie drücken die Sehnsucht nach einer besseren Zukunft aus. Für letzteres hatten Kultur- und Bildungsgenossenschaften einen wichtigen Stellenwert. Können heutige Medien- und Verlagsgenossenschaften an diesen Wurzeln anknüpfen?

Burghard Flieger, Red. Genossenschaften - Viele der aktuell existierenden Verlagsgenossenschaften weisen Überschneidungen mit ihren historischen Vorläufern auf. Dies gilt vor allem, wenn die Herausgabe von Printmedien im Vordergrund steht. Insofern greifen Darstellungen, die sie als Konsum- oder Dienstleistungsgenossenschaften einordnen, zu kurz. In Wirklichkeit sind sie Kulturgenossenschaften. Sie halten Medien aufrecht, die in der Kommerzlandschaft nach herkömmlichen Marktregeln keine Chance hätten. Ihre UnterstützerInnen wollen nicht nur eine Zeitung, in der ihnen aktuelle Nachrichten sorgfältig aufbereitet zur Verfügung gestellt werden. Nicht die Information als Ware ist das Produkt, sondern das Aufrechterhalten von politischen Denk- und Diskussionskulturen, die im Zuge der Erfahrungen "alles ist käuflich und verkäuflich" unterzugehen drohen.

Betteln als Firmenzweck

Im Zuge ihrer ständigen Professionalisierung und dem dauerhaften Zwang der Ökonomie stehen sie deshalb in einem Zwiespalt, den vieler ihrer Akteure vermutlich nicht wirklich durchdringen. Dilettantismus, politische Fehlgriffe, schlechte Preis-Leistungsverhältnisse oder Unvollständigkeit werden ihnen verziehen. Geht ihnen aber die Auseinandersetzung, das Ringen nach Wahrheiten, das Anstossen neuer Sichtweisen oder einfach nur die politische Kultur verloren, verlieren sie für
die Leserinnen und Leser ihren Sinn. Insofern können Technik, Outfit und gute Schreibe noch so sehr an Perfektion gewinnen, wenn der innere Drang, Politik zu betreiben, nicht mehr zu spüren ist, überleben sie sich -  die im Vorspann aufgeführten Verlagsgenossenschaften sind Beispiele hierfür.

Im Schwerpunkt werden die aktuell bekannteren Mediengenossenschaften im deutschsprachigen Raum dargestellt. Sie weisen zahlreiche Parallelen in ihrer Geschichte, den Richtungsstreits, den technischen und inhaltlichen Innovationen, bei der permanenten Geldnot und dem unverhohlenen Betteln um finanzielle Ressourcen auf. Nur die Druckereigenossenschaft TC DRUCK, die aus der Zeitung Tübinger Chronik hervorging, ist hier eine Ausnahme. Als Produktivgenossenschaft stand sie jahrelang wirtschaftlich auf gesunden Beinen durch enge vertragliche Zusammenarbeit mit einer lokalen Tageszeitung. In Relation zu den übrigen dargestellten Zeitungsgenossenschaften konnte sie trotz hohen technischen Innovationsdrucks eher ein "gemütliches" Dasein pflegen.

Die Macht den Produzenten

Bei der zweiten eindeutigen Produktivgenossenschaft, der Schweizer WOZ, ist dies ebenso wenig der Fall wie bei der taz und der jungen Welt. Auch die gerade erst neu entstandene Göttinger Wochenzeitung dürfte, wenn sie das Überleben überhaupt hinbekommt, zu den Dauertrommlern für Spenden gehören.

Solange alle Verlagsgenossenschaften ihren Beitrag zu einer politischen Kultur in Deutschland verdeutlichen können und diesen auch ausfüllen, haben sie zumindest Chancen, den einen oder anderen "Almosen" zu erhalten. Unter diesem Blickwinkel ist die WOZ der "ehrlichste" Ansatz. Als Produzentengenossenschaft muss sie nicht alle möglichen Abschottungen von Redaktion und Vorstand gegenüber den Konsumenten betreiben. Für diese bietet sie den Ideal- bzw. Förderverein
als angemessene Organisationsform an. Hier kommt gar nicht erst der Verdacht auf, dass die Gelder, die zur Verfügung gestellt werden, etwas anderes als Spenden oder verlorene Zuschüsse sein könnten - für die Aufrechterhaltung einer politischen Kultur- und Medienlandschaft.

Schwerpunktthema Seite 7 bis 10

 

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Stand: 20. Mai 2007