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Monatszeitung für Selbstorganisation

 

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Juni04

Aus dem Inhalt
Das Ende der Bescheidenheit

 

"kein mensch ist illegal"

Selbstbestimmt
gegen Abschiebungswahn



Sand im Getriebe. Aktionen gegen das Anlegen des Lagerschiffes für Flüchtlinge.
Köln, Dezember 2002
Foto: arbeiterfotografie.com

Wer sich die Landschaften des Widerstands und die
darin im öffentlichen Interesse stehenden Zentren
politischer Bewegung anschaut, stößt hinter den
Fassaden auffallend oft auf einen Abklatsch dessen,
was herrschaftsförmige Gesellschaftsformen schon
immer auszeichnet: verfestigte Hierarchie und
Absicherung der Führenden u.a. durch Taktieren und
Manipulation. Die Folgen: "Monokultur" und schließlich
Aufweichung emanzipatorischer Ziele. Der Verlust an
Radikalität und Vielfalt wird wohl gerne hingenommen,
wenn die scheinbar große wärmende Decke einer
sogenannten Massenorganisation winkt. In dieser
Ausgabe stellt CONTRASTE eine gelebte Alternative
vor. Das antirassistische Netzwerk "Kein Mensch ist
illegal!" ist ein Beispiel für eine emanzipatorisch
organisierte Form der Widerständigkeit.

von Michel Deutschewitz, Redaktion Köln - Dies wird schon mit Blick auf die Öffentlichkeitsarbeit des Projekts direkt deutlich: Ewig gleiche SprecherInnen sucht mensch ebenso vergeblich wie auf Führungsstruktur ausgerichtete Gremien und Instanzen. Die "Leitmotive" der politischen Arbeit entspringen so auch nicht übergeordneten VordenkerInnen, sondern dem gemeinsamen Bedürfnis, Rassismus und Aussortierung von Menschen nicht länger widerstandslos hinzunehmen. Um selbstbestimmte und unabhängige Politik praktisch werden zu lassen, hat sich das Netzwerk "immun gemacht" gegen "realpolitisch" agierende Lobbyvereinigungen und "süße" Gelder von der öffentlichen Hand.

Dass es auch ohne festangestellte Funktionäre und staatliche Fördermittel möglich ist, dem rassistischen Normalzustand eine gehörige Portion Sand ins Getriebe zu schmeißen, zeigt die Kampagne mit beachtlicher Kontinuität schon seit geraumer Zeit. So vielfältig wie der Widerstand sind auch die Menschen der antirassistischen Gruppe. Einig sind sie sich in der unbedingten Notwendigkeit zum Widerstand gegen eine sich immer mehr offen nationalrassistisch und antisemitisch gebärdende Gesellschaft. Dabei stellt die Zusammenarbeit und der Dialog mit von der rassistischen Praxis direkt Betroffenen einen Schwerpunkt dar. In Analyse wie in der Praxis geht "kein mensch ist illegal" erheblich weiter als das Gros der antirassistischer Organisationen. Während sich viele Gruppen dieses Spektrums auf Rückzugsgefechte begeben haben, nur noch dass vielleicht erreichbare Minimalziel anvisieren, haben viele Aktionen des "kein mensch ist illegal"-Netzwerks ebenso eine widerständige Vision und Utopie von Gesellschaft zum Ziel. Klüngelei mit Politikern gibt es hier ebenso wenig wie den Missbrauch des Netzwerks für die Ziele politischer Profilierung von parteiähnlichen Organisationen und NGO's. Auch diesbezüglich ist "Immunität" eine wichtiges Werkzeug für kreativen und emanzipatorischen Widerstand!

Also Hände weg von der "Realpolitik"?! - Ja!, denn gerade das zeichnet eine selbstorganisierte, nichthierarchische politische Organisationsform aus, sonst droht die systemkonforme Übernahme!

Schwerpunktthema Seite 7 bis 10

 

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Stand: 20. Mai 2007