Contite1.jpg (10220 Byte)

CONTRASTE im Sommer 2008: Jenseits der Bananenrepublik: "Ossis" und "Wessis" in Projekten  · Interview: "Lass den anderen anders sein" · Interkulturelle Differenzen: Streit um die Streitkultur · Kommune Olgashof: Im Osten nichts  Neues - Bericht eines Westdeutschen aus einer Gemeinschaft im Osten · Hof Ulenkrug: Kommt ins Offene... Reflexionen einer Alternativ-Pionierin  · Ost-West-Konflikte? Von Ost-Spießern, West-Ignoranten und der Notwendigkeit, das Nachdenken in Gang zu halten +++ Stolperstein Volksabstimmung: "Vertrag von Lissabon" gescheitert - Hurra, Irland ist Europameister! +++ Ticker Repression & Rechtsfälle +++ Subversive Klangwelten: Modena City Ramblers: Bella Ciao +++ Im Frühjahr erschien die 600. Ausgabe des Stadtinfos "Göttinger Drucksache": "... sind wir nicht alle ein bisschen "GöDru!" +++ Proteste zur UN-Konferenz in Bonn: "Natur für Menschen, nicht fürs Business!" +++ Kommune Hof Rossee in Neugründung: Ein Jahr nach dem "Los geht's" +++ Mexiko und der Gen-Mais: Die zweite Eroberung +++ Netzwerk-News: Wege zum Geld - Wer fördert unser Projekt +++ 25 Jahre Arbeitslosenselbsthilfe Oldenburg: Arbeitslosigkeit als Chance +++ Für eine kritische globalgeschichtliche Perspektive auf "1968": Weltwende oder "Pyrrhusniederlage"? +++ Rezension: "1968" und seine Folgen - Zürich +++ Grundeinkommensdebatte: Die schöne Welt der SteuerzahlerInnen +++ Nachruf: E.O. Müller ist tot +++ Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Weide-Hardebeck: Landwirtschaft ist ein Sozialimpuls +++ Energiegenossenschaft Rhein-Ruhr: Ein neues Energiezeitalter beginnt +++ Neue Energie Genossenschaft Potsdam: Sonnenenergienutzung selbst in die Hände nehmen +++ u.v.m.

Monatszeitung für Selbstorganisation

 

Home Nach oben Bestellungen

Juni02

Aus dem Inhalt
Polit-Soap-Novelle

 

SCHWERPUNKT GRüNES GELD

Phönix oder Ikarus 
- Ökobank und die Folgen

Die Ökobank gehört zu den drei wichtigen Vorzeigeprojekten der alternativen Szene, so zumindest lautet die Einschätzung von taz-Redakteur Klaus-Peter Klingelschmitt. Eine Aufarbeitung ihres "Scheiterns" fehlt bisher. Im Gegenteil: Nach einem massiven Wirbel in der Presse Mitte des letzten Jahres ist es gegenwärtig still um die "Turnschuhbank" geworden. Dabei befindet sich noch vieles im Fluss. Das gilt sowohl für die Ökobank als auch für die Entwicklung der übrigen mehr oder weniger alternativen Ansätze in der bundesdeutschen Bankenlandschaft. Der Schwerpunkt gibt einen guten Einblick in die aktuelle Situation grüner oder auch nur angegrünter Finanzierungsinstitute mit starkem Blickwinkel auf genossenschaftliche Ansätze.

Burghard Flieger, Red. Genossenschaften - Die Gründe des vorläufigen Scheiterns der Ökobank sind vielschichtiger und komplizierter als bisher in der Presse dargestellt. Dies wird deutlich in einem ersten umfassenderen Aufarbeitungsversuch von Michäl Berger. "Der Nebel lichtet sich", so lautet der Titel des Artikels. Ganz wird sich der Nebel aber in dem politisch-wirtschaftlich schwer durchschaubaren Dschungel der Zusammenhänge vermutlich nie auflösen.

Die gegenwärtigen Aktivitäten zur Neuausrichtung von ÖkoGeno, der ehemaligen Ökobank ohne Bank, schildert Bernd Steyer. Ihr Ziel mit einem der bestehenden ökologisch-sozialen Finanzierungsinstitute sehr eng zu kooperieren, hat sie bisher noch nicht erreicht. Deutlich werden aber vielfältige Ansätze zur Zusammenarbeit und Vernetzung. Mit ihren knapp 20.000 Mitgliedern könnte sich ÖkoGeno so - nach und nach - zu einem wichtigen Kristallisationspunkt der verschiedenen Ansätze alternativen Wirtschaftens herausbilden. Entscheidend dürfte dafür sein, wie sehr die Mitglieder der Genossenschaft ihr die Treue halten und gleichzeitig auch deren wirtschaftliche Angebote nutzen und helfen diese aktiv weiterzuentwickeln.

Visionen bewegen

Voraussichtlich wird die die GLS-Gemeinschaftsbank in Bochum die Ökobank übernehmen. Christof Lützel skizziert das anthroposophische Finanzinstitut mit seinen verschiedenen Einrichtungen. Deutlich werden dabei die vielen inhaltliche Überschneidungen beider Banken. Hinsichtlich der Darstellung der bestehenden philosophischen und unternehmenskulturellen Unterschiede hält sich der Autor aber zurück. Auch bei der Ausgestaltung der Ökobank unter dem Dach der GLS - dargestellt in einem zweiten kurzen Artikel des Autors - bleibt vieles offen. Dass das vorgesehene Zusammenwachsen zweier "Kulturen" behutsam erfolgen muss, liegt nahe. Ohne visionäre Pläne über eine gemeinsame Zukunft fehlt aber das Mitreißende, das sich für die Bewältigung schwieriger Aufgabe immer wieder von nicht zu überschätzender Bedeutung erweist.

Triodos ist die zweite Alternativbank, die in engeren Verhandlungen um die Übernahme der Ökobank nicht zum Zuge kam. Wichtige Gründe hierfür waren die Rechtsform - sie ist keine Genossenschaft - und der Sitz im Ausland. Die Darstellung von Beat Hugi macht deutlich: Das Visionäre von Triodos Vorstand Peter Blom hätten die Chance auf "einen Ruck" für die Ökobank gebracht und vor allem ganz neue Perspektiven im Zusammenhang mit der Globalisierung. Ob allerdings seine Überlegungen zu einer Sozialen Weltbank mit den auf Überschaubarkeit und Regionalität basierenden Werthaltungen vieler Ökobankmitglieder vereinbar gewesen wäre, wird wohl für immer unbeantwortet bleiben.

Die dritte Bank im Bunde, die an einer Übernahme der Ökobank Interesse zeigte, kam aus dem Bereich der genossenschaftlichen Kirchenbanken. Ihre für die Kirchenbanken charakteristische Publizitätsscheu gab den Ausschlag dafür, dass sie schon bald aus den Gesprächen "ausstieg". Der Artikel von Joachim Göres veranschaulicht, dass die 15 in Deutschland arbeitenden kirchlichen Geldinstitute noch ein weitgehend unbeachtetes Eigenleben führen. Einige von ihnen versuchen aber mit ihrem Leistungsspektrum zunehmend ethisch-sozialen Ansprüchen gerecht zu werden. Ob sie mit diesem "Ethik light" den strengen Ansprüchen einiger bekennender Christen gerecht werden können, für die "Geld" ein Symbol für die Ungerechtigkeit der Welt darstellt, bleibt zweifelhaft.

Schwerpunktthema Seite 7 bis 11

 

Home ] Nach oben ] Aus dem Inhalt ] Polit-Soap-Novelle ]

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an: CONTRASTE
Copyright © 1999 CONTRASTE Monatszeitung für Selbstorganisation
Stand: 20. Mai 2007