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Monatszeitung für Selbstorganisation

 

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Januar 2012

Aus dem Inhalt
Komunikatiosguerilla

MEDIEN SELBER MACHEN

Wessen Medien? – unsere Medien!


Radelnder Helmkameramann für »Cams21« mit drei Helmkameras: Die aktuell benutzte Cam vorne rechts am Bügel, mit der er sehen kann, was er filmt. Rechts am Helm die Cam für nachts und links die ältere (als Ausgleichsgewicht). Vorne eine Kopf-LED-Lampe zur notdürftigen Ausleuchtung


CONTRASTE startete 1984 mit dem Anspruch, »Kommunikationsorgan der Bewegung« zu sein. Andere Alternativmedien formulierten das Konzept der Gegenöffentlichkeit – erst Zeitungen und Zeitschriften, bald auch Freie Radios. Internet, Laptops und Handy-Kameras eröffnen viele neue Möglichkeiten für Bewegungen, die Kommunikation zwischen den AktivistInnen und BürgerInnen (und umgekehrt) selbstbestimmt, aktuell und unzensiert am Laufen zu halten.

In unserem Schwerpunkt haben wir beispielhaft einige Medien von unten, sowie Einblicke in deren inhaltliche Debatten, zusammengetragen.

Von Peter Streiff, Redaktion Stuttgart # Das Editorial der ersten Ausgabe des »Wandelsblatt« (Vorläufer-Titel von CONTRASTE) fasste in wenigen Worten die Motivation der damaligen ZeitungsgründerInnen zusammen: »Das Wandelsblatt ist Teil der Strukturen, die wir uns schaffen, um kontinuierlich Kontakt zu halten, um nicht nur vom Anspruch her unsere Bewegung gemeinsam weiterzuentwickeln.« Denn den GründerInnen, die sich am Rande der Projektmesse in Oberursel zusammensetzten, war wichtig, »uns kontinuierlich auszutauschen, zu informieren und zu diskutieren«, denn sonst »hat das Ganze keine Chance, sich zueinander zu entwickeln«.

So wenig wie damals ausformuliert war, was »das Ganze« sein soll oder mal werden könnte, so wenig ist der inhaltliche Kern der heutigen Bewegung bspw. gegen das Bahnprojekt »Stuttgart21« klar zu benennen. AktivistInnen würden sagen: stimmt nicht – wir wollen »Oben bleiben!« Der Demoslogan ist auch als Grußwort mittlerweile etabliert, aber sagt noch wenig aus, was die Bewegung ausmacht, die die Schwabenmetropole bereits kräftig verändert hat – außer dass sie aus AktivistInnen mit sehr unterschiedlichen Schwerpunkten besteht.

Bereits früh hatte sich jedoch gezeigt: Die Bewegung braucht eigene Medien. Denn die etablierten zwei Tageszeitungen – Teil derselben Holding mit der Süddeutschen – sowie der nach wie vor vom CDU-Wächterrat kontrollierte SWR berichten keinesfalls unabhängig. Das Freie Radio Stuttgart gab es bereits, das reichte aber nicht aus. Mit der erst unregelmäßig, später monatlich erscheinenden Zeitung »21einundzwanzig« sowie der Online-Wochenzeitung^»Kontext«, die samstags der Süd-taz beiliegt, wurden zwei unabhängige Medien gegründet, die teils engagierten, teils professionellen Journalismus betreiben und manche dubiosen Machenschaften von »Mappusconi und Co.« aufdeckten.

Maßgebliche Impulse für die Kommunikation innerhalb der Bewegung setzten jedoch zwei neuartige Medien: Zum einen die Website der »ParkschützerInnen«, die sowohl Alarm-Funktion hat als auch wichtiges Forum für den Austausch ist, auf dem nicht nur neue Infos diskutiert werden, sondern auch Unterstützung angefragt wird (kommt dank der »Schwarm-Intelligenz« meist umgehend). ***

Zum anderen haben die beiden unabhängigen, durch Spenden finanzierten und bewegungsnahen Fernseh-Kanäle für Aufsehen gesorgt. »flügel.tv« ist nicht nur mit ihrem simplen Slogan »wir zeigen, was nicht im Fernsehen kommt« eine Dauerprovokation für die Verantwortlichen des dritten Programms. Bei den Vorfällen im Stuttgarter Schlosspark war »flügel.tv« mit seinem legendären Bollerwagen der erste Sender, der live berichtete. Mittlerweile geht das Engagement der MacherInnen über das Thema Stuttgart21 hinaus, denn sie »haben es sich zur Aufgabe gemacht, einen Teil zur Demokratisierung der Gesellschaft beizutragen« (vgl. dazu das fluegel.tv-Archiv).

Der zweite Kanal »Cams21« will buchstäblich live von der BürgerIn für die BürgerIn berichten: »Auf die Idee sind wir gekommen, als wir gesehen haben, dass Robin Wood aus den besetzten Baumwipfeln im Schlossgarten per Handy live gestreamt hatte. Mit unserer unprofessionellen Technik und ehrenamtlichen Filmern sind wir sehr mobil und schnell zur Stelle. Wir streamen unzensiert, live und direkt – also unverfälscht.« Beeindruckend ist beispielsweise die Eigenbau-Helmkamera für FahrradfahrerInnen (vgl. Foto).

Wie die spannenden Veranstaltungen zu »Sozialen Bewegungen und sozialen Medien« in Wien zeigten (vgl. Seite 7), hat die Diskussion rund um Relevanz und Möglichkeiten der neuen Medien für AktivistInnen der Zivilgesellschaft gerade erst angefangen.

Infos: 
www.parkschuetzer.de 

www.fluegel.tv 

www.cams21.de

*** Ein Stimmungsbild »in das Innere einer Bewegung« ist in der September-CONTRASTE (Nr. 311, S. 10) nachzulesen.

Schwerpunktthema Seite 7 bis 10

 

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Stand: 03. Januar 2012