Contite1.jpg (10220 Byte)

CONTRASTE im Oktober 2008: 300 linke und alternative MedienmacherInnen beim "Gipfeltreffen": Häufig fehlt das Sprachrohr für gewünschte Veränderungen · "Inhalte brauchen Qualität  - Qualität braucht Inhalte"  · Russische Medien: Journalisten in der "gelenkten" Demokratie · Politische und historische Aspekte: Das Projekt einer linken Ästhetik · Blogs, Newsletter und mehr: Formen politischer Kommunikation im virtuellen Raum +++  Europäisches Sozialforum in Malmö: "Power to the People!" +++ Subversive Klangwelten: Teds n Grog: Sag es durch die Blume / Berlinska dróha +++ Hans-Litten-Archiv, Göttingen: Sammelstelle der Solidaritätsbewegung +++ Erfahrungsaustausch Hausprojekte in Berlin: Solidarische Finanzierung und Absicherung · Rezension: Honig aus dem zweiten Stock  · Selbstverwaltetes Studierenden-Wohnheim "Bettenhaus": Solidarischer Hauskauf +++  Netzwerk News: Plakative Anschläge +++ Besuch bei Longo mai in den Karawanken: Nah bei den Sternen +++ Erasmus Schöfers Roman über die Umwälzungsversuche der Achtziger Jahre: Vom Eisen befreit +++ Wie Monsanto begegnet werden kann: Das Treffen mit Percy Schmeiser in Glandorf +++ Zum Tod des Schriftstellers Christian Geissler +++ "Follow the  Women"-Solidaritätsreise: Mit dem Fahrrad nach Palästina +++ Debatte - Finanzierung des bedingungslosen Grundeinkommens: Ein neues Eigentumsrecht statt Grundeinkommen +++ 3. Grundeinkommenskongress in Berlin: Auf dem Weg zum Grundeinkommen - bedingungslos und existenzsichernd +++ Rezension: Meschheitliche Wirtschaftsordnung - ein Entwurf +++ Kommunale Aufgaben: Genossenschaftliche Wasserversorgung - eine zukunftsfähige Option! +++ Rezensionen: Lokalgeschichte eines globalen Aufbruchs - 1968: Bern · Existenzgeld reloaded · Retter der Demokratie, Retter des Staates? · Verlorene Kindheit - errungene Freiheit · Neuer Kalender: Wegbereiterinnen VII · Crossing the Border +++ u.v.m.

Monatszeitung für Selbstorganisation

 

Home Nach oben Bestellungen

Hausbesetzung

WEIHNACHTLICHE HAUSBESETZUNG IN MANNHEIM

"Kein Gott - kein Staat - kein Mietvertrag!"

Ein Weihnachtsgeschenk der besonderem Art leisteten sich eine Gruppe engagierter BewohnerInnen des Mannheimer Stadtteils Jungbusch: Um ihrer Forderung nach einem autonomen Sozialen Zentrum im Kiez Nachdruck zu verleihen, besetzten sie kurzerhand am 1. Weihnachtsfeiertag ein Haus.  Das Gebäude am Linken Ufer 20 war bislang von der selbstverwalteten Umzugsfirma Arbeiterselbsthilfe (ASH) benutzt worden und soll in der zweiten Januarwoche abgerissen werden.

Von Kurt Regenauer aus Olhão - Jede Stadt hat ihre "Szeneviertel". Was den DresdnerInnen ihre Äußere Neustadt oder in Nürnberg liebevoll "Gostambul" (für Gostenhof) genannt wird, ist in Mannheim Jungbusch. Und so soll es auch bleiben: ein farbenfroher Kiez mit hohem Ausländeranteil und ohne Ausgrenzung der weniger Betuchten.

Seit Jahreswechsel sind die MannheimerInnen aus Jungbusch zu Recht sauer. Ein "Soziales Zentrum", wie sie es mit ihrer Besetzung forderten, wird es wohl zumindest vorläufig mal nicht so bald geben. Dabei war zu besseren Zeiten mit der Hausherrin Deutsche Bahn schon einmal vernünftiger zu reden gewesen. Immerhin hat das nebenstehende Gebäude mit der Handwerkergenossenschaft einen langfristigen Vertrag im Erbbaurecht. 

Im vorliegenden Fall sitzt der Bahn das Musterländle als eigentliche Besitzerin im Nacken. Die Landesregierung aber fördert einen Plan zur Umkrempelung des ganzen Viertels. Renommierprojekte wie eine Pop-Akademie und ein Musikpark, sowie andere städtebauliche Maßnahmen (z.B. der Hafenpromenade) soll den Jungbusch für finanziell höher gestellte Bevölkerungsgruppen attraktiv machen. Sie lassen eine Ausgrenzung und Vertreibung der angestammten BewohnerInnen befürchten.

Deshalb wurde geräumt. Und das geschah so: 

Zunächst wurde versucht, die BesetzerInnen auszuhungern, Strom, Wasser und Gas abgestellt. Demonstrationen mussten das Haus versorgen. 
Dann wurde geräumt.
Danach wurde das Haus durch die Feuerwehr geflutet (Eisbildung) und unbewohnbar gemacht. 

Der Augenzeuge Gerhard W. berichtet:
"Das Haus wurde um 7 Uhr geräumt. Im Einsatz waren SEK und der Mannheimer Einsatzzug der Bereitschaftspolizei. Das SEK kam u.a. per Hubschrauber übers Dach. Die Leute aus dem Haus wurden mit aufs Präsidium genommen, sind aber wieder alle auf freiem Fuß.

Direkt nach der Räumung wurde hinzukommenden UnterstützerInnen erlaubt, die Sachen der BesetzerInnen aus dem Haus zu räumen. Gleichzeitig wurde von Bauarbeitern begonnen, die Räume unbrauchbar zu machen (Fenster raus, Türen zuschweißen),  außerdem ist geplant, das Haus zu fluten."

Scheinheilig verweisen die Stadtoberen auf Kulturprojekte, Bürgerbeteiligung und eine Turnhalle, die sie auch den kleinen Leuten gönnen. Tatsache ist, dass in der ganzen Region selbstorganisierte Zentren systematisch plattgemacht werden. Erst (vor vier Jahren schon) das "AZ" in Heidelberg und jetzt eben auch der Hoffnungsschimmer "Linkes Ufer" in Mannheim.

Saniert wird eben nur auf Kosten des Lebens. Da stören Soziale Zentren, die das Zusammenleben sanieren können.

 

Home ] Nach oben ]

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an: CONTRASTE
Copyright © 1999 CONTRASTE Monatszeitung für Selbstorganisation
Stand: 07. August 2008