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Monatszeitung für Selbstorganisation

 

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Februar 2012

Aus dem Inhalt
Stuttgart21

SOLIDARISCHE ÖKONOMIE

Kultur der Kooperation


Women wigwaming flax, 1944, Growers Cooperative near Monroe, Oregon

Wie immer in Krisenzeiten nimmt das Interesse an alternativen Wirtschaftsformen zu.Welche Erfahrungen wurden in der Vergangenheit gemacht, und welche Projekte gibt es heute? Was sind ihre gesellschaftlichen Funktionen, und wie können sie kooperieren, um gemeinsam stärker zu werden?

Von Elisabeth Voß, Redaktion Berlin # Seit Jahrzehnten taucht immer wieder die Idee auf, dass es gut wäre, wenn sich die verschiedenen Betriebe, Projekte und Initiativen anderen Wirtschaftens vernetzen würden. So entstand auch CONTRASTE 1984 aus der Projektemesse »Ökologisch leben, friedlich arbeiten in einer selbstbestimmten Gesellschaft« in Oberursel. Eine breitere Vernetzung ist bisher nicht gelungen. Im März 2012 geht es nun nach Kassel zum »Forum Solidarische Ökonomie«.

Schon immer geht es in politischen Diskussionen um wirtschaftliche Selbsthilfe auch um die Frage, ob sie mehr sein kann, als ein Nischenphänomen zur Hilfe in der Not: Hat sie das Potential, das System der dominanten, profitorientierten Wirtschaftsweise zu sprengen? Oder lenkt sie eher ab von politischen Fragen, verhindert vielleicht das Aufbrechen gesellschaftlicher Konflikte, und hat insofern eine systemstabilisierende Funktion? Und passen nicht Selbsthilfe und Eigenverantwortung hervorragend zum Abbau des Sozialstaats, dessen gravierendste Auswirkungen hierzulande dank Schuldenbremse vermutlich noch bevorstehen?

Auch in der Frage staatlicher Unterstützung gibt es unterschiedliche Auffassungen. Während jedoch in den 1980er Jahren die Staatsknetedebatte recht grundsätzlich geführt wurde, scheint sie heute eher pragmatisch verhandelt zu werden. Nach wie vor sind die Rahmenbedingungen für genossenschaftliche Unternehmungen in unterschiedlichsten Rechtsformen – zumindest in Deutschland – eher schwierig. Ob sich das im internationalen »Jahr der Genossenschaften 2012« ändern wird? Was kann von der EU erwartet werden?

Brasilien hat schon 2003 ein Staatssekretariat für Solidarische Ökonomie eingerichtet. Unterstützt durch Caritas, Gewerkschaften und Universitäten entstehen Genossenschaften, um Arbeitsplätze zu schaffen und die Armut zu besiegen. Gleichzeitig nimmt das Landgrabbing und die Zerstörung des Regenwaldes im Amazonas-Gebiet zu – häufig gegen den erbitterten Widerstand der Einheimischen und unter Anwendung tödlicher Gewalt. Die taz berichtete Anfang Januar unter Berufung auf das brasilianische Arbeitsministerium: »In Brasilien gibt es so viele Arbeitssklaven wie noch nie. Farmen oder Baufirmen verweigern tausenden Arbeitern Mindestlohn und Hygiene«.

Wenn Selbsthilfeinitiativen über den Nutzen für ihre Mitglieder hinausgehende gesellschaftliche Wirkungen erzielen wollen, dann werden sie nicht umhin kommen, miteinander zu kooperieren. Ebenso wie innerhalb von Gruppen ist auch die Kooperation zwischen Projekten wesentlich abhängig von der Art und Weise, wie die Menschen darin miteinander agieren – eben von der Kultur der Kooperation.

Wenn es gelänge, dass größere Teile der unterschiedlichen Unternehmungen und Projekte anderen Wirtschaftens ein gemeinsames Selbstverständnis entwickelten, und wenn sie sich darüber hinaus als Teil sozialer Bewegungen für eine global gerechte Gesellschaft begriffen, und in diesem Sinne gemeinsam agierten, dann könnten vielleicht solidarwirtschaftliche Vorhaben in größerem Maße als bisher entstehen. Um ihr transformatorisches Potential zu entfalten, bräuchten sie einen offenen und aktiven Umgang mit ihrem Doppelcharakter als tendenziell systemstabilisierende Nothilfe-Reparaturbetriebe und gleichzeitig Keimformen einer anderen Welt. Solidarische Ökonomie ist keine Heilslehre, keine Idee, die der Vermarktung bedarf, sondern eine vielfältige und widersprüchliche Realität, die glaubhaft in eine größere Öffentlichkeit getragen werden sollte. Eine Kultur der Kooperation braucht Raum für solidarische Kritik und die Bereitschaft und Fähigkeit, Ambivalenzen zu benennen und ihr Fortbestehen auszuhalten.

Schwerpunktthema Seite 7 bis 10

SCHWERPUNKTTHEMA

Die Soziale Solidarische Ökonomie in der Wirtschafts- und Finanzkrise (Teil 2)

Seite 7

Gibt es ein richtiges Leben im falschen?

Seite 8

Forum Solidarische Ökonomie – Kultur der Kooperation

Seite 8

Über das Scheitern von Vernetzungsversuchen

Seite 9

Genossenschaftsgründung als Bildungsprozess. Über die Rolle der Innovationswerkstätten (»Incubadoras«) für Solidarische Ökonomie in Brasilien

Seite 10

Forschungsarbeit zu Utopie und Praxis: Kritischer Blick auf Solidarische Ökonomie in Brasilien

Seite 10

 

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Copyright © 1999 CONTRASTE Monatszeitung für Selbstorganisation
Stand: 31. Januar 2012