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Monatszeitung für Selbstorganisation

 

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Februar 2010

Editorial
Aus dem Inhalt
Dresden Nazifrei
Subversive Klangwelten

BESTANDSAUFNAHME UND AUSBLICK

Anarchismus 2.0

Seit der weltweiten Auseinandersetzung um den Neo-Liberalismus hat sich besonders in den USA ein neues Selbstverständnis des Anarchismus entwickelt. Das Internet trägt dazu bei, dass heute die inhaltlichen Debatten schneller geführt werden, dass Widerstandsformen größere Verbreitung finden. Auch in Deutschland kommen die unterschiedlichsten Ansätze in Philosophie und Praxis langsam an.

Von Jochen Knoblauch # Aber es gibt keinen Baum ohne Wurzeln: die ersten Generationsübergreifenden Veränderungen erlebte der klassische Anarchismus in den 1960er Jahren bis gegen Ende des 2. Jahrtausend – in Folge als Anarchismus 2.0 benannt. Zeit also für eine Bestandsaufnahme des Anarchismus in den letzten 50 Jahren, sowie einen Ausblick auf dessen (Weiter-)Entwicklung.

Der ArbeiterInnen-Anarchismus des 19. Jahrhunderts war noch geprägt von der kapitalistischen Klassengesellschaft, die mit fortschreitender Technisierung sich immer mehr auflöste. Im Europa des 20. Jahrhunderts kamen weiterhin die Weltkriege dazu, die oppositionelles Denken zu schweigen brachten, sowie Revolutionen, die nicht dem emanzipatorischen Charakter einer libertären Vorstellung entsprachen, um die gesellschaftlichen Verhältnisse nachhaltig zu verändern.

Erst die StundentInnenrevolten der 1960er Jahre brachten hier neue Ideen, neue Diskussionen und neue Widerstandsformen hervor und führten oft zu Brüchen zwischen den Generationen. Eine Bestandsaufnahme könnte verhindern, gleiche Fehler erneut zu begehen.

Seit der Zeit der »Aufklärung« im 18. Jahrhundert haben sich das Denken und das Streben dahingehend bemüht, im Menschen ein autonomes Wesen zu sehen, welches unabhängig von einem Gott oder Staat agieren kann. Hier herrschte noch das Gedankengut des Feudalismus vor. Heute, in unserem technisierten Zeitalter, wo es eine weltumfassende Kommunikation gibt, scheinen wir diesem Ziel – dem autonomen Menschen – kaum näher gekommen zu sein. Der Kapitalismus hat sich bisher als flexibler erwiesen, als noch von Theoretikern wie Marx, aber auch einigen AnarchistInnen vorhergesagt. Daher ist der Anarchismus als Idee, als Philosophie aufgerufen, darauf zu reagieren, was er seinem Wesen nach – nämlich undogmatisch und freiheitlich zu sein – eigentlich ohne weiteres nachkommen müsste. Diese Diskussion muss in jeder Generation neu geführt werden.

Aber der Anarchismus wirkt natürlich längst in die verschiedenen Sozial- und Kulturstrukturen hinein, ohne explizit als anarchistisch zu gelten. Forderungen nach Basisdemokratie, Konsensentscheidungen, Unabhängigkeit von Staat und/oder Konzernen usw. sind durchaus libertäre Bestrebungen, wenngleich die Protagonisten sich nicht philosophisch festlegen lassen. Deshalb sollten AnarchistInnen heute u.U. weniger die Schwarze Fahne schwenken, als vielmehr grundsätzliche libertäre Inhalte in die Gesellschaft tragen und zum Konsens werden lassen. Das ewige Klischee des Bombenwerfenden, Schwarzbemäntelten hält sich hartnäckig, und einige AnarchistInnen wollen sich selbst durchaus auch so sehen, und gefallen sich in der Ecke des Außenseiters, aber die Anarchie, die herrschafts- und gewaltfreie Gesellschaft kann keine Utopie von AußenseiterInnen nur sein, zumal dies eine Forderung für uns alle sein soll. Fast wäre mensch dazu geneigt zu sagen: Die Anarchie ist zu wichtig, um sie den AnarchistInnen zu überlassen. Nur eine gemeinsame Anstrengung kann uns zu einer besseren Welt führen.

So bringt dieser Schwerpunkt eine Auswahl an Texten und Themen, die hier natürlich in diesem Rahmen nicht ausschöpfend oder in Gänze behandelt werden können. Die Auswahl umfasst den Anarchafeminismus, die Libertäre Pädagogik, den Kommune- Gedanken, anarchistische Einflüsse in der Kultur, sowie in den Neue Sozialen Bewegungen, oder etwa im Internet und versucht ein Grundlegendes für einen möglichst breit aufgestellten Anarchismus in Thesen zu fassen. Die AutorInnen haben z.T., gegenüber dem gleichnamigen Buch (1), neue, bzw. überarbeitete Artikel vorgelegt, und sind allesamt in ihren jeweiligen Themen (und darüber hinaus) seit Jahren aktiv.

1) Hans Jürgen Degen / Jochen Knoblauch (Hg.): Anarchismus 2.0 – Bestandsaufnahmen. Perspektiven. Schmetterling Verlag Stuttgart 2009.

Schwerpunktthema Seite 7 bis 10

SCHWERPUNKTTHEMA:

Eine anarchafeministische Bewegung ist nötig 
Seite 7

Sozial bewegte Reise in den Osten: Eine @ndere »Wende«-Geschichte 
Seite 7/8

Kultur und Anarchismus: Die Aufgabe der »Kultur« im neoanarchistischen Verständnis 
Seite 8

Thesen zum Anarchismus 
Seite 8/9

Gemeinsam Wohnen & Arbeiten: Das Projekt A in Neustadt an der Weinstraße 
Seite 9

Internet: Die Netze denen, die drin wohnen! 
Seite 10

 

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Stand: 28. Januar 2010