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Monatszeitung für Selbstorganisation

 

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Februar 2007

Aus dem Inhalt
Solidarische Ökonomie

 

ALTERSHEIM? NICHT MIT UNS!

Alte in Gemeinschaft


Spatenstich der Alten-Hausgemeinschaft "Silver Sage" in Colorado, USA           Foto: Wonderland Hill Development Company

Wir werden immer älter und bleiben dabei fitter - tendenziell. Und den meisten Altwerdenden ist die Vorstellung ein Graus, in Alten- oder Pflegeheimen zu vegetieren oder alleinlebend zu vereinsamen. Da ist die Alternative selbstorganisierter Gemeinschaften eine interessante Perspektive. Und sie gilt nicht nur für Reiche - obwohl man zur Gründung einer Hausgemeinschaft auch finanzielle Ressourcen braucht. Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln und Stiftungen, Spenden und günstige Kredite können helfen.

Ariane Dettloff, Redaktion Köln - In dem Bestseller "Das Methusalem-Komplott" (1) über den Umgang mit dem Alter stellt Frank Schirrmacher fest: "Nur sehr wenige Studien belegen überhaupt, dass Altern im Arbeitsleben zur Verminderung der Leistungsfähigkeit führt; und wo dies geschieht, können die Erfahrungen des Älteren die mechanischen Mängel offenbar auch ausgleichen. Das Vorurteil, dass ältere Leute viel verlernt haben, nicht mehr umlernen können und nicht mehr mitreden dürfen, ist ein Angriff auf die Menschenwürde."

Wie menschenwürdig und erfüllend selbst hohes Alter in Gemeinschaften erlebt werden kann, zeigen die CONTRASTE-Beiträge aus und über Kommunen und Hausgemeinschaften in den USA und der Bundesrepublik. Wir hoffen, sie sind anregend genug, um weitere Äußerungen unserer Leserinnen und Leser zum Thema herauszufordern und dem viel diskutierten Kollaps der Gesellschaft durch den so genannten snow crash positive Seiten abzugewinnen. Und die Autorin möchte mit diesem Schwerpunkt dazu beitragen, auch in links-alternativen Kreisen verbreiteten altersrassistischen Auffassungen ein Stück entgegenwirken und dem Unsinn der "Anti-Aging"-Industrie bewusste Resistenz und Abstinenz entgegensetzen zu können.

Die gängige, doch dümmliche Gleichsetzung von "alt" und "krank" oder "schwach" oder "hässlich" sollten wir jedenfalls nicht mitmachen. Laut Schirrmacher rührt sie vor allem daher, dass Altern bislang immer aus der Perspektive der jüngeren Mehrheit wahrgenommen worden ist, während sich nun mit den Mehrheitsverhältnissen auch die Sicht auf das Alter ändere. Ursächlich sind natürlich auch die Medienbilder, denen sich kaum jemand entziehen mag: Alte werden, falls überhaupt, insgesamt eher unfreundlich, unattraktiv und unintelligent dargestellt. Schließlich werden wir alle alt und wollen so abstoßend und ausschließend sicher ungern gesehen werden. Wir müssen ja nicht wie Ex-ARD-Moderator Max Schautzer, der mit 64 aus Altersgründen gefeuert wurde, nicht erst warten, bis der Jugendwahn dieser Verwertungs-Gesellschaft uns heftigst verletzt, um uns für die Altersklasse der Betagten (und damit für uns selbst) zu engagieren. Schautzer tat das, indem er Sender für Alte gründete (Bono TV).

Am besten wartet man nicht bis zum Greisenalter, bis man für ein würdiges Altenleben aktiv wird, meint z.B. Ulla Göbel, 53, von der Sozialistischen Selbsthilfe Köln. Sie ist dabei, eine Hausgemeinschaft "mit den alt Gewordenen der Bewegung" aufzubauen.

Dass es auch für den Fall von Hilfsbedürftigkeit angenehmere als die Mainstream-Lösung gibt, kann ein leichteres Altern befördern. Der Theaterregisseur Claus Peymann etwa, nach eigenem Bekunden "an der Schwelle zum Greisenalter", hob Ende des Jahres in einem Radio-Interview hervor: "Je älter man wird, desto glücklicher ist man, wenn man halbwegs gesund ist". Das ist auch meine Erfahrung mit nunmehr 63. An meinem Wohnort Köln gibt es 158 über hundertjährige Menschen. Wie es ihnen damit geht, habe ich bislang nicht erkundet. Einem Presse-Interview mit der hundertjährigen Kölnerin Else Frigge entnehme ich immerhin, dass sie weder einen Stock noch ein Hörgerät noch eine Brille braucht und ihren Haushalt weiterhin völlig selbständig führt, Kochen und Putzen inklusive. Und Bremens Ex-Bürgermeister Henning Scherf (2), 68, kennzeichnet seine AltenHausgemeinschaft mit acht Mitgliedern mit dem Satz: "Alle so schön alt hier!"

Literatur: 
1) Frank Schirrmacher: Das Methusalem-Komplott. Karl Blessing Verlag, München 2004

2) Henning Scherf: Grau ist bunt. Was im Alter möglich ist. Herder-Verlag, Freiburg 2006

Schwerpunktthema auf Seite 7 bis 10

 

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Stand: 20. Mai 2007