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Monatszeitung für Selbstorganisation

 

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April 2007

Aus dem Inhalt
Berufsverbot aufgehoben

 

WULFSHAGENERHÜTTEN, PRENZLAUER BERG, DIBSCHTSCHE

Christliche Basisgemeinden

In seiner letzten Predigt in der Kathedrale von San Salvador forderte Oscar Romero die Soldaten zur Befehlsverweigerung auf. Am 24. März 1980 wurde er während des Gottesdienstes ermordet. Sein radikales Eintreten für die Armen und Entrechteten machte ihn und die Befreiungstheologie weltweit bekannt. Zwei Jahre später begann die Basisgemeinde Wulfshagenerhütten, Gemeinde zu leben, ihr Eintreten für Frieden und Gerechtigkeit in gelebte, gesellschaftliche Praxis zu gießen. Diese hat sie in einer bemerkenswerten Radikalität beibehalten. Die Gemeinde - ich würde Kommune sagen - hat sich vergrößert, zwei neue Gruppen sind entstanden.


Handarbeit bei der Hockerbespannung                              Foto: Basisgemeinde Wulfshagenerhütten

von Heinz Weinhausen, Redaktion Köln - Seitdem hat nun die alternative Projektebewegung Zuwachs von linken Christinnen und Christen jenseits der Amtskirchen erhalten. So wurde vor Jahren hier auch über sie berichtet. CONTRASTE versteht sich als Sprachrohr und Diskussionsforum der alternativen Bewegungen. Das Sprachrohr ernstnehmend habe ich diesen Schwerpunkt initiiert und redaktionell begleitet. Mitglieder stellen hier ihre Geschichte, ihre Motivation und religiöse Weltanschauung, ihre vielfältige Praxis originär vor, was ich bei einem solchen langjährigen Projekt eh für überfällig halte. Angestoßen wurde damit die kontroverse Diskussion innerhalb der Redaktion, ob Projekte auch ihre religiöse Sichtweise in CONTRASTE veröffentlichen können oder ob dies dem Selbstverständnis unserer Zeitung widerspricht. Auch unsere LeserInnen sind eingeladen, diese Diskussion in den nächsten Ausgaben zu führen.

Einige Aspekte unserer internen Diskussion seien im folgenden genannt. Theologische Ausführungen und Bibelzitate in unserer Monatszeitung? Dies wurde nicht als spannende Darlegung erlebt, warum Christinnen und Christen Kommune leben und sich in die Politik (Anti-AKW) einmischen oder vor Ort wie im Kiezladen machen. Die Texte - besonders beim ersten Überfliegen - riefen bei einem Teil der Redaktion aufgrund "der Sprache des Glaubens" Abwehrreaktionen hervor. Die christliche Sprache, die Bibelinterpretationen, das Geleitet-Sein haben abgeschreckt und zugleich stieg die Angst hoch, dass Leserinnen und Leser ähnlich befremdet reagieren würden. Abokündigung? Kein Probeabo mehr?

Ist aber Kirche und Religion nur als disziplinierendes Papsttum vorstellbar? Und wenn nicht, bleibt da nicht auch bei den BasischristInnen die Unterordnung unter Jesu oder Gott, der sie leitet? Tiefer gehend: Ist einerseits Selbstorganisation, Selbstverwaltung und andererseits Religiösität überhaupt zusammen lebbar? Hier scheinen sich weltanschauliche Gräben auf zu tun. Erfahrungen von RedakteurInnen drücken wiederum Verbundenheit aus. "Ich selbst habe bei meinem Engagement für Flüchtlinge (u.a. bei "Kein Mensch ist illegal") sehr tolle Erfahrungen mit ziemlich vielen ChristInnen gemacht, die sich großartig eingesetzt haben, radikal und oft gegen ihre AmtskirchenvertreterInnen. Ich habe gelernt, deren Weltanschauung zu respektieren." "Das Religiöse hat mich abgeschreckt, aber ich habe die Wulfshagener Gruppe bewundert für ihr selbstverständlich-vorurteilfreies Zusammenleben mit Menschen mit unterschiedlichsten Eigenheiten (von denen etliche in "unserer" Politszene mit Sicherheit nie hätten Fuß fassen können) und für ihre ökonomische und politische Konsequenz (in Zeiten von Hartz IV ganz wichtig, finde ich)."

Pfarrer Meurer hier in Köln rief jüngst in seiner Gemeinde zur Sammlung für den Bau einer islamischen Moschee auf. 2000 Euro konnte er sammeln. "Jede Jeck (Narr) es anders" heißt es in Köln. Das bedeutet ihm "nicht Beliebigkeit, sondern Respekt im Umgang miteinander." "Für viele türkische Familien hier im Stadtteil ist die Sammelaktion der katholischen Gemeinde ein tolles Zeichen, dass sie akzeptiert und respektiert werden." Was einem katholischen Pfarrer gelungen ist, gelingt uns vielleicht auch in der CONTRASTE.

Schwerpunktthema Seite 7 bis 10

 

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Copyright © 1999 CONTRASTE Monatszeitung für Selbstorganisation
Stand: 20. Mai 2007