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Monatszeitung für Selbstorganisation

 

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Aus CONTRASTE Nr. 274/275 (Sommer 2007)

20 JAHRE KOMMUNE

Momentaufnahmen aus Niederkaufungen

Zum 20. Geburtstag der Kommune Niederkaufungen erschien das erste Buch der Kommune. 53 KommunardInnen aus der Kommune Niederkaufungen schreiben über ihr Leben in der Gemeinschaft. Sie berichten, welche Träume sie zum "Kommune-Leben" führten, welche sie davon in den Jahren enttäuscht aufgaben und welche sie immer noch in ihren Herzen bewegen.

152 Seiten, Paperback, 12 EUR (zuzügl. Versandkosten) Zu bestellen über Rolf Dotzauer, Tel. (0 56 05) 8 00 70 rolfdotzauer(at)web.de

 

LOS GEHT'S 2007 MIT NEUEM SCHWERPUNKT - 320 KOMMUNEINTERESSIERTE TRAFEN SICH PFINGSTEN

Bestehende Kommunen stärken

Es hat inzwischen Tradition: Tolle Stimmung, leckeres Essen, nette Leute, massenweise Kinder, Musik, Meckereien und zumindest zum Schluss Sauwetter, nasse Zelte und Matsch. Das Los Geht's ist eine Veranstaltung zur Unterstützung von Gemeinschaftsgründung, die seit 1998 relativ regelmäßig von Kommunen aus dem Kreis des Kommuja-Netzwerkes veranstaltet wird. Begonnen wurde diese Pfingst-Tradition von der Kommune Niederkaufungen, das diesjährige Los Geht's wurde von der Kommune Niederkaufungen, der Kommune Waltershausen (KOWA), der Villa Lokomuna in Kassel und der Finkenburg bei der KOWA im thüringischen Waltershausen organisiert.

Stefani Ross und Uwe Ciesla - "Im Jahr 2006 hatte es kein Los Geht's gegeben, weil uns ein wenig der Elan fehlte, immer wieder Neugründungen von Gemeinschaften anzuschieben, von denen viele nicht mal das Stadium der gemeinsamen Objektsuche überlebten.", erzählt Stefani Ross vom Organisationsteam. Auf dem letzten Kommunetreffen in der Kommune Feuerland fand sich aber doch wieder eine Gruppe von Leuten, die bereit waren, ein Los Geht's zu organisieren. Die ersten Vorbereitungstreffen fanden im Herbst 2006 statt, und ziemlich schnell stellte sich heraus, dass alle Lust hatten, diesmal ein etwas anderes Los Geht's zu gestalten: Warum nicht den Schwerpunkt auf bereits bestehende Projekte legen, eine Veranstaltung also, auf der sich eine Vielzahl von Kommunen und Gemeinschaften präsentieren und sich mit ernsthaften InteressentInnen auseinandersetzen können.

Anfragen bei mehreren Projekten ergaben sehr viel Unterstützung für diesen Plan, vor allem auch deshalb, weil einige der Kommunen, die in der Vergangenheit an der Vorbereitung und Durchführung des Los Geht's beteiligt waren (Feuerland, KOWA, Kommune Niederkaufungen) und auch selbst Verstärkung suchen, sich immer nur ganz am Rande selbst beworben und daher auch nie direkten Nutzen aus dem Los Geht's gezogen hatten.

Plan war, auf einer Internetseite alle Projekte, die nach neuen MitkommunardInnen suchen, mit einer kurzen Selbstdarstellung zu Wort kommen zu lassen, so dass mögliche LG-BesucherInnen schon vorab abschätzen konnten, welche Projekte für sie interessant sein könnten. Diese Möglichkeit wurde von den Projekten allerdings nur zum Teil genutzt. Allerdings meldeten sich vierzehn Gemeinschaften zur Teilnahme an. Auf dem Los Geht's direkt stellten sich dann siebzehn Gruppen vor, von denen auf der Internetseite www.losgehts2007.de acht mit einer Selbstdarstellung oder einem Link auf ihre eigene Homepage verzeichnet sind.

Anmeldungen von Einzelpersonen trudelten zunächst spärlich, dann aber immer schneller ein, so dass am Ende mehr als 320 Menschen das Pfingstwochenende miteinander verbrachten. Beim ersten Plenum am Freitag Abend stellte sich heraus, dass eine größere Gruppe der TeilnehmerInnen die besondere Ausrichtung des Los Geht's wohl nicht erfahren, oder aber beschlossen hatte, dieses Forum trotzdem für Neugründungstreffen nutzen zu wollen. Nach anfänglichen Holprigkeiten ließen sich beide Absichten ganz gut miteinander vereinbaren. Insgesamt hatten alle Projekte drei Mal die Möglichkeit, sich in zweieinhalbstündigen Blocks vorzustellen, und viele der "AnbieterInnen" hatten sich besondere Formen der Selbstdarstellung und des Kennenlernens ausgedacht. Außerdem gab es für alle Teilnehmer einen Reader mit Selbstdarstellungen der Gruppen und in einem großen Raum hatten die beteiligten Gemeinschaften Infowände zu ihren Projekten gestaltet und eigene Flyer ausgelegt. Eine Umfrage am Ende der Veranstaltung ergab, dass viele Projekte mit einer ganzen Liste von möglichen zukünftigen MitkommunardInnen nach Hause fuhren, und sehr zufrieden waren mit dem Treffen. In den nächsten Wochen und Monaten sind in vielen Gemeinschaften Kennenlernwochen und Besuchstermine für die Neuinteressierten vereinbart.

Nach den drei Vorstellungsblocks gab es am Montag Gelegenheit, Workshops anzubieten und daran teilzunehmen. Insgesamt gab es ein umfangreiches Angebot von 25 Workshops, Diskussionsrunden, Führungen. Themen waren zum Beispiel "Gemeinsame Ökonomie", Theater, der Spannungsbogen Individuum-Gemeinschaft und viele mehr.

Nicht möglich wäre eine solche Veranstaltung ohne die Unterstützung von vielen Einzelpersonen und Gruppen, die unentgeltlich mitmachen wie die Band "Die Schnitter" aus Kassel, die mit einem tollen Konzert am Samstag Abend für ziemlich dampfige Stimmung im "Ballsaal" der KOWA sorgten oder die Kochcombo "Die Maulwürfe", die mit viel Erfahrung und guter Laune dreimal am Tag leckeres veganes Essen bereitstellten, und innerhalb eines Haufens von Gemeinschaftssuchenden auch noch ein Beispiel waren, für tatsächlich funktionierende zeitweilige Gemeinschaft.

Eine weitere Vorraussetzung für das Los Geht's ist natürlich auch der Veranstaltungsort, für den nun schon zum dritten Mal die KOWA ihre Räume und ihr Gelände zur Verfügung gestellt hatte und dabei Unannehmlichkeiten wie platt getrampelte Rasen- und Gartenflächen, Inbeschlagnahme des Kopierers oder bis nachts um drei trommelnde Gäste in Kauf nehmen musste.

Nach ihrem Fazit des diesjährigen Los Geht's befragt, anwortet Stefani Ross vom Organisationsteam: "Bei einigen Leuten scheint sich eine größere Erwartung an ein "serviertes" Rahmenprogramm zu entwickeln. Verbunden waren diese Wünsche teilweise mit der Erwartung, dies solle durch das Orga-Team geschehen. Geht natürlich auch, aber wohl nicht im Rahmen einer Veranstaltung, deren Preis immer an der untersten Machbarkeitsgrenze liegt. Auch die Verteilung und Erfüllung der Dienste (alle TeilnehmerInnen waren gebeten, sich für 2 Dienste einzutragen, also Gemüseschnippeln, Kinderbetreuung, Putzen, etc.) fand ich dieses Mal viel schwieriger als bei vorherigen Los Geht's. Keine Ahnung, ob es sich hier um den Wunsch nach mehr Versorgung statt Selbstorganisation handelt, auf jeden Fall wirft es für eine solche Veranstaltung Probleme auf, wenn daraus letzten Endes eine größeres Maß der Selbstausbeutung für die Engagierten erwächst...

Auf jeden Fall aber scheint es weiterhin einen großen Bedarf daran zu geben, andere Gemeinschaftsinteressierte zu treffen, auch wenn es inzwischen mehrere Veranstaltungen dieser Art gibt. Ob und wann es ein nächstes Los Geht's gibt, ist davon abhängig, ob sich wieder Kommunen finden, die bereit sind, Organisation und GastgeberInnenrolle zu tragen. Das wird sich wohl auf dem nächsten Treffen des Kommuja-Netzwerkes im August entscheiden und zu gegebener Zeit hier in der CONTRASTE veröffentlicht werden."

Gehen Sie nicht über Los...

sondern zum Los geht's in Waltershausen

...und ziehen Sie nicht 2.000,- ein. So oder so ähnlich haben wir uns gefühlt, als immer klarer wurde, dass sich nach einigen Jahren Kommune- Projekt unsere Ursprungsgruppe auflösen wird. Denn unsere ehemaligen MitstreiterInnen haben sich aus verschiedenen Gründen für den Schritt in die kleinere Einheit entschieden und den Hof schon verlassen bzw. haben dies zum Herbst 2007 vor. Wir restlichen (1m.,1w.,1 kind) sind nach vielem Nachdenken und mit großer Unterstützung aus dem Kommuja- Netzwerk zu dem Entschluss gekommen: Wir wollen einen Neuanfang wagen! - Nur wie sollten wir dazu die passenden Leute finden?!

Bettina Kruse - Ein Objekt war ja vorhanden, dadurch die örtlichen Bedingungen auch schon vorgegeben. Und wir beide waren noch da, mit unseren Ideen wie wir Kommune gerne leben würden. Da kam es uns sehr gut gelegen, als wir hörten, dass das Los Geht's dieses Jahr einen anderen Schwerpunkt legen will: Nämlich bestehenden Kommunen die Gelegenheit zu geben sich auf dem Marktplatz darzustellen und in 3 Workshops neue MitkommunardInnen zu gewinnen. Wir haben das als unsere Chance gesehen und uns mit der Vorbereitung mächtig ins Zeug gelegt. Schließlich wollten wir ja nicht nur, dass Interessierte etwas über uns erfahren, sondern im besten Falle wollten wir ja genau die Leute finden, die ähnliche Ideen von Gemeinschaft haben wie wir. Außerdem sollte es kein "Laber-Workshop" werden - irgendwie was besonderes.

Der Zeitrahmen war von der Vorbereitungsgruppe vorgegeben: 2 1/2 Stunden Zeit, die Leute zu überzeugen und kennen zu lernen. Wir begannen also mit einem Kennen- Lern-Spiel, bei dem wir alle etwas zu verschiedenen Gegenständen wie z.B. Hammer, Kochlöffel, Geldstücke... sagen sollten: was uns dazu im Zusammenhang mit Kommune einfällt, was wir uns wünschen. Diese erste Runde war schon recht aufschlussreich und auch erstes Gelächter zeigte uns an, dass wir mit unserem Programm nicht ganz falsch lagen. (Natürlich waren wir sehr aufgeregt, ob so ein fast experimentelles Programm überhaupt ankommen würde.)

Danach ging's an's "Kommune-Barometer": Wir hatten einige Aussagen vorbereitet, wie zum Beispiel "Ich fahre gerne Fahrrad" und ein großes + und ein großes - auf den Boden gelegt. Dann mussten wir uns alle bewegen: Stimme ich dem zu? (+) oder nicht? (-) Oft haben wir uns auf einer Seite geknubbelt, manches Mal waren wir aber auch quer verteilt und haben uns unsere Standpunkte angeschaut. So war für alle beteiligten sichtbar wo wir stehen - nur für die Frage nach dem Warum war in dieser Phase keine Zeit. Dafür hatten wir den "Heißen Stuhl" vorgesehen - wir haben uns allen Fragen gestellt, auch wenn sie manchmal etwas unangenehm waren. Nachdem wir uns nun alle ein wenig kennen gelernt hatten, kamen wir zum Finale.

Ein Rollenspiel: Wir leben alle zusammen seit einiger Zeit in der Kommune und befinden uns auf dem wöchentlichen Plenum um dort eine Aufgabe zu lösen. Eine sehr spannende Möglichkeit zu sehen, wie wir zusammen zu Entscheidungen kommen, wer wie viel spricht und so weiter. Naja, da gehört wohl auch viel Phantasie zu und teilweise waren wir auch zu müde, so dass dieser Teil nicht immer Begeisterung hervorgerufen hat. Insgesamt hatten wir viel Spaß miteinander und konnten ganz nebenbei noch feststellen, wer Lust auf einen spielerischen, experimentellen Umgang mit Methoden hat. Für uns war das Los Gehts in dieser Form total sinnvoll und erfolgreich. Wir rechnen jetzt zwar nicht mit einem großen Ansturm auf unseren Hof, so dass du, falls du jetzt neugierig auf uns geworden bist, dich gerne bei uns melden kannst. Jedoch sind wir mit einigen Menschen in weitere Gespräche gekommen, die uns den Sommer über besuchen werden Mal sehen vielleicht finden wir uns so zu einer neuen Kommunegruppe zusammen und der Traum von der Kommune Hof Rossee wird neu gelebt. Übrigens, der erste neue Bewohner wird im Herbst seine Probezeit beginnen...

Kontakt: kommune(at)hof-rossee.de

 

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Copyright © 1999 CONTRASTE Monatszeitung für Selbstorganisation
Stand: 01. Oktober 2007